Ich möchte in keinem Land leben…

Ich habe in den letzten Tag mal so in meinem Freundeskreis herumgefragt, ob sie mir mal so 500.000,-€ leihen könnten. Nicht zu erwähnen brauchte ich, daß ich keine Sicherheiten habe, denn das wissen sie. Alle haben abgelehnt, unter 5 Mio. wollte keiner darüber keiner reden…

Aber mal ernsthaft, in welcher Welt lebt Bundespräsident Christian Wulff eigentlich, um zu behaupten Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem sich ein Mensch kein Geld von Freunden leihen kann? Dieser Satz ist bezeichnend für ihn, so wie bereits Einiges, was er in dieser Affäre von sich gegeben hat. Die Aussage ist logisch richtig, verkennt aber vollkommen die Situation aus der heraus sie gesagt wird. Es geht hier eben nicht um ein paar tausend Euro sondern um eine halbe Million. Um eine Solche als Privatmann überhaupt verleihen zu können – und dann auch noch günstig und ohne irgendwelche Sicherheiten –, muß man sie zunächst einmal über den Bedarf hinaus zur freien Verfügung auf der hohen Kante haben! Selbst wenn man mal von der Annahme ausgeht, das sein väterlicher Freund, den er schon seit seiner Jugendzeit kennt, tatsächlich nur helfen wollte, überrascht die Weltfremdheit beider Seiten. Sollte wirklich keinem der Beiden klar gewesen sein, daß ein solches Geschäft mit einem Amtsinhaber einfach nicht geht? Dagegen spricht wohl, daß das Geschäft mit einem Bundesbankscheck (!) über das Konto von Frau Geerkens abgewickelt wurde. Abgesehen davon, wäre das Ganze auch nicht besser, wenn Frau Geerkens die eigentliche Kreditgeberin gewesen wäre.

Entweder der Bundespräsident hat mit seiner, sich als Opfer darstellenden, sogenannten Entschuldigung die Bevölkerung regelrecht verarscht oder er ist tatsächlich nicht in Lage die Situation zu verstehen. Die Tinte der Berichte über seine Entschuldigung ist noch nicht trocken, werden seine Aussagen erneut als bestenfalls „halbwahr“ entlarvt. Sollte ihm als Jurist wirklich entfallen sein, daß rechtswirksame Verbraucherkredite zwingend der Schriftform bedürfen? Auch hier scheint ihm die Brisanz seines Handelns nicht klar gewesen zu sein, denn wie sonst will man es erklären, daß er lockere vier Wochen braucht um einen privaten, rechtsgültigen Kreditvertrag mit der Bank unter Dach und Fach zu bringen? Genau an dieser Stelle hätte er mal auf sein Amt setzen können und auf die Dringlichkeit hinweisen, um zu zeigen das er etwas bereinigen wolle. Stattdessen wieder nur Winkelzüge.

Eigentlich muß doch einem Amtsinhaber klar sein, daß er sich in der Lage eines Kuhfladens befindet, der allerlei Fliegen anzieht. Allein die Nähe zu einem Amtsinhaber ist in vielen Fällen schon bares Geld wert, warum sonst kommen Modefirmen auf die Idee Prominenten kostenlos Bekleidung zur Verfügung zu stellen? Aber auch hier ist es eben ein Unterschied, ob eine bekannte Schauspielerin Werbung für eine Modemarke macht oder Bettina Wulff, die Ehefrau des Bundespräsidenten. Die Vorstellung, daß Geld (mindestens) die Nähe zur Macht suchen könnte, scheint Familie Wulff vollkommen wesensfremd zu sein. Genauso absurd wie die Vorstellung ein Baron könnte etwas abgeschrieben haben.

Bliebe noch zu klären, was Christian Wulff mit seinem an lügen grenzendem Rumgedruckse erreichen will. Aus dem Amt entfernen kann ihn so schnell niemand, außer es kann ihm ein Verstoß gegen das Grundgesetz (Artikel 61) nachgewiesen werden. Aber vielleicht steht hier auch nur jemandem sein eigenes Ego im Wege.

Peinlich, einfach nur noch peinlich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.