Er langweilt bereits, bevor er richtig angefangen hat

Nach einer hoch spannenden Wahl — über die Peinlichkeiten in Form von Gegenkandidaten decke ich wohlwollend den Mantel des Schweigens — und für alle vollkommen unvorhersehbar, ist Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten ernannt gewählt worden. Gleich in seiner ersten Rede als Bundespräsident überrascht er uns mit einer bemerkenswerten Thematik: Der Freiheit. Wer hätte das gedacht? Wir erfahren, daß er mit 50 Jahren vor 22 Jahren nach der friedlichen Revolution die zum Zerfall der DDR führte zum ersten Mal in in freier, gleicher und geheimer Wahl bestimmen konnte von wem er regiert werde möchte usw. usf. Na toll, davon erzählt er schon seit Jahren. Müssen wir uns das jetzt fünf Jahre oder gar noch länger anhören? Wie ich bereits anderweitig schrieb, habe ich den Eindruck, daß er die Wendezeit nie hinter sich gelassen hat. Nur keine Aufbruchsstimmung aufkommen lassen, den Blick fest in die Vergangenheit gerichtet. Er hat zwar versprochen sich „neu auf Themen, Probleme und Personen einzulassen“, aber was will das schon heißen, wenn er es die letzten 20 Jahre nicht getan hat? Bis er zu meinem Präsidenten wird, hat er noch viel, sehr viel, zu tun. Hoffentlich verschont er uns wenigstens mit irgendwelchem religiösen Geseiere, die Gefahr besteht bei einem Theologen ja immer, denn davon hören wir von aus den Parteien mehr als genug und als einem säkularen Staatswesen bekömmlich ist.

6 Kommentare

  1. Steffen sagt:

    Ich höre häufig das Amt des Bundespräsidenten sei wichtig und es als „Unterschriftenautomaten“ zu bezeichnen sei eine Verkennung des Amtes. Aber welche Referenzen muss man aufweisen um Bundespräsident zu werden? Man muss Gesetze unterzeichnen oder es verweigern, Orden verleihen, Urkunden unterschreiben, ausländische Geandte empfangen und Reden halten. Meiner Meinung nach kann fast jeder der unsere Demokratie nicht massiv in Frage stellt Bundespräsident werden.

  2. Jeder über 40 darf es tatsächlich. Hinter dem Bundespräsidenten steht das Bundespräsidialamt, dort sollte es für die rechtlichen Dinge Fachleute geben, zumindest theoretisch. Ich sehe im Amt auch keine Aufgabe von überragender Bedeutung, dessen Funktion nicht bereits an anderen Stellen gegeben wäre. Genaugenommen ist das Reden halten das Wenigste, er bräuchte nicht eine einzige zu halten, es ist halt Tradition. Ein Bundespräsident könnte durchaus still und leise wirken, nur wollen dies die meisten nicht. Daher wird das Amt wird außen aufgeladen und mit einer moralischen Bedeutung versehen. Nicht das mich sonderlich stören wurde, aber warum sind eigentlich die Ehepartner immer mit dabei? Ein Kanzler oder Abgeordneter der seinen Partner auf Staatskosten auf alle Dienstreisen mitnehmen würde, würde massiven Ärger bekommen. Warum wird vom Bundespräsidenten erwartet? Nur aus rein repräsentativen Gründen.

  3. Steffen sagt:

    Der Bundespräsident muss ofiziell nur überparteilich sein, aber man muss schon deshalb einer Partei angehören um gewählt zu werden. Es ist sehr unwahrscheinlich das ein parteiloser Kandidat gewählt wird. Gauck ist nicht der schlechteste, aber wie schon erwähnt messe ich diesem Amt keine grosse Bedeutung zu. Ausserdem ist Gauck schon 72 Jahre alt, das finde ich etwas zu alt. Er könnte während seiner Amtsdauer von fünf Jahren sterben, was nicht unwahrscheinlich ist mit 72. Der Bundespräsident ist, wie man früher sagte, der Grüssgottonkel der Bundesrepublik.

  4. Die Frage ist, was man unter offiziell versteht. Geschrieben steht das nach meiner Kenntnis nirgends. Die Wahl Gaucks widerlegt Deine Aussage, er ist parteilos. Warum gerade die SPD ihn so favorisiert ist schwer zu verstehen, steht doch Gauck ideologisch hinter der CDU.
    Schau Dir mal Sterbetafeln für Männer an, da ist um die 55 auch ein schwieriges Alter, Gauck hat es bis 72 geschafft, anscheinend keine größeren Krankheiten, daher ist die Wahrscheinlichkeit, daß er noch 5 Jahre durchhält recht hoch, insbesondere zu heutiger Zeit. Bei Tod entfällt übrigens der lebenslängliche Ehrensold!
    Von denen die zur Wahl standen ist Gauck wohl schon das kleinste Übel. Dennoch repräsentiert für mich keiner der Kandidaten der letzten Jahre eine in die Zukunft gewandte Politik und viel Schlaues haben sie nicht auch nicht von sich gegeben, vieles was nachweisbar Unfug, das meiste belangloses Gerede. Eben bedeutungslos, wie das Amt selber. Die 30 Millionen Euro pro Jahr könnten wir uns sparen.

  5. Steffen sagt:

    Nach der Verfasung muss der Bundespräsident überparteilich sein. Nur muss er um gewählt zu werden genügend Stimmen bekommen was nur durch Zugehörigkeit zu einer Partei möglich ist. Seit wann kostet das Amt des Budespräsidenten 30 Millionen pro Jahr? Auf diese Zahl kommt man doch nur wenn man alle Gehälter der Leibwächter und Bediensteten und alle Ausgaben für Dienstreisen und Veranstaltungen zusammen rechnet.

  6. Wie gesagt Gauck ist parteilos!
    Das ganze Bundespräsidialamt kostet rd. 30 Mio. zzgl. der Ausgaben für den Präsidenten selber:
    Bundespräsident und Bundespräsidialamt 2011
    Bundespräsident 2011
    Die Ausgaben für Sicherheitsdienste kommen da wohl noch oben drauf. Die Erledigung der eigentlichen Aufgaben könnte man weitaus günstiger, erledigt von Fachkräften, haben.

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