Amazonien – eine indianische Kulturlandschaft

Schautafel Pädagogik der Erde

Schautafel Pädagogik der Erde

Ich habe mir vor ein paar Tagen die Ausstellung mit dem äußerst vielversprechenden Titel „Amazonien – eine indianische Kulturlandschaft“, die gegenwärtig im Rathaus des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gezeigt wird und wohl bereits in der ersten Jahreshälfte im Rahmen der Berliner Veranstaltungsreihe „Klimagerechtigkeit Jetzt!“ zu sehen war, besucht. Das Thema an und für sich ist sehr interessant und ergiebig

Die Pressemittelung liefert einen Eindruck was einen erwarten soll, hier ein Auszug:

Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg vom Fachgebiet Soziologie der Entwicklungsländer an der Universität Kassel gemeinsam mit der Gruppe Klimagerechtigkeit Jetzt! entwickelt und bereits im Berliner Rathaus und im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf gezeigt. Unter anderem wird an Beispielen dokumentiert, wie Völker durch Naturzerstörung bedroht werden und welche Ansätze zu ihrer Rettung und zur Rekultivierung von Flora und Fauna es gibt.

Ich habe selten eine derart armselige und lieblos aufbearbeitete Ausstellung, bestehend aus rund zwei Dutzend Schautafeln, die jeweils von einem großen Foto mit etwas Begleittext bestehen, gesehen. Gerade in anbetracht des aktuellen Themas zu dem umfangreiches Datenmaterial existiert, ist diese Ausstellung ein Witz. Einige Tafeln sind nichtssagend, andere stehen recht Zusammenhanglos im Raume, bei Anderen muß man bereits vorher wissen, worum es geht. Alles in allem fehlt der Rote Faden der eine eingängige Verbindung zwischen den Schaubildern herstellt. Darüberhinaus sind die Tafeln nicht durchnummeriert, was dazu führt, daß man auf Grund der Aufstellung mittendrin anfängt, um dann unter einem angegilbten Bild eines Tagesbaues Folgendes zu lesen bekommt:

Der Wald verschwindet in rasanter Geschwindigkeit: 1990/1 wird der Bundesstaat Maranhão, dessen Fläche zu 95% im Carajásgebiet liegt, über keine bedeutenden Forstbestände mehr verfügen.

Dieser Text wurde — man beachte die Zukunftsform — also vor mehr als 22 Jahren verfasst! In einer aktuellen Ausstellung („Klimagerechtigkeit Jetzt!“), keiner historischen, wird dem Besucher ein Viertel-Jahrhundert alter Text präsentiert!? Keine Silbe zur gegenwärtigen Lage im brasilianischen Bundesstaat Maranhão.

Die auf den Tafeln vorgestellten Fakten, sind nicht unbedingt falsch, allzu viele harte Fakten gibt es sowieso nicht, aber die ganze Ausstellung erweckt den Eindruck, als ob jemand der eigentlich selbst nichts zu sagen hat, mal schnell ein paar Tafeln aus Versatzstücken aus dem Archiv erstellt hat, damit sein Name mal wieder irgendwo auftaucht. Die gelegentlich eingestreuten fremdsprachlichen Ausdrücke, erwecken den Anschein wissenschaftliche Fachtermini zu sein, sind aber einfach nur umgangssprachliche Bezeichnungen aus den Landessprachen Spanisch bzw. Portugiesisch. Bei einer Schautafel kamen mir dann auch noch Zweifel an der Redlichkeit der Ausstellungsmacher.

Pädagogik der Mutter Erde.
Dieses Curriculum geht von einem Kooperationsvertrag zwischen der Universität von Antioquien/Kolumbien und der Indigenen Organisation von Antioquien (OIA) aus. Es baut auf den fünf Politiken der OIA auf: Gender, Generation und Familie; Territorium und Umwelt; Gesundheit; Indigene Regierung und Verwaltung; Kultur und Bildung. Die Intention ist, unsere Aktionen nach unserer eigenen Kosmovision und unserem eigenen Denken auszurichten.“

Der ganze Absatz schwebt im Raum, von welchem Curriculum ist hier auf einmal die Rede? Was soll „Pädagogik der Mutter Erde“ bedeuten und was hat der Ausdruck in einer sich wissenschaftlich ausgebenden Ausstellung zu suchen? Hat der Titel einen mythologischen Bezug zu den Indigenen? Und geht es hier tatsächlich um „Gender“ (gleich an erster Stelle!), zumal auf dem Foto auf der Schautafel nur von „Genero G Famila“ die Rede ist, nicht aber aber „generismo“. Wer ist es, der hier spricht und seine Kosmovision verwirklicht sehen will? Das einsame Anführungszeichen am Ende des Textes bestätigt wohl auch meine obige Auffassung, daß hier etwas ohne viel Nachzudenken schnell zusammenkopiert wurde.

Bei näherem Nachforschen bei der „Organización Indígena de Antioquía“ (OIA) stößt man schnell auf ein Originaldokument¹ mit den erwähnten fünf Politiken:

Nuestros propósitos los lograremos con la implementación de cinco líneas políticas: Gobierno y Administracíon, Cultura y Educacíon, Medio Ambiente y Territorio, Salud, Género, Generación y Bienestar Communitario

Wobei der letzte Punkt hier und anderswo meist als „Género, Generación y Familia“ auftaucht. Es ist mehr als nur fraglich, den Begriff „Género“ einfach mit „Gender“ zu übersetzen, denn unter „Género“ werden Maßnahmen zur Gleichberechtigung der Geschlechter subsummiert.

Género, Generación y Familia
Construir relaciones más equitativas entre mujeres y hombres, fortalecer la comunucación entre generaciones y replantear la dimensión de los vínculos familiares, para promover la vida digna de todos los que conforman comunidad.

Im Kern geht es bei „Género“ darum, Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen, Bildung und Stellen im öffentlichen Leben zu verschaffen. Ihnen sollen dieselben Möglichkeiten eröffnet werden, wie sie die Männer bereits haben und es soll klar gestellt werden, daß die Menschenrechte für alle gleichermaßen gelten! Gleichzeitig wird dabei auch um eine gewisse gegenseitige Toleranz für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern geworben. Dies alles hat nun nichts mit dem im mitteleuropäischen und angelsächsichen Raum verbreiteten Begriff „Gender“ zu tun. Der Genderismus will eben nicht nur beiden Geschlechtern gleiche Möglichkeiten eröffnen, sondern er will ausdrücklich mindestens eine Gleichstellung der Frauen per Dekret (bspw. Quoten) erreichen. Auch gibt es für den Genderismus per definitionem keine geschlechtssepzifischen Unterschiede (genaugenommen gibt es nur ein Geschlecht, das Weibliche), da aus Sicht des Genderismus das Geschlecht nur eine kulturell aufgeprägte Rolle ist. Das der Genderismus ein in sich widersprüchliches Gedankenkonstrukt ist, ficht die Vertreterinnen nicht an, ihn als Wissenschaft auszugeben.

Interessanterweise war die Verantwortliche der Ausstellung, Fr. Prof. Clarita Müller-Plantenberg, nur bis 2009 Professorin für Soziologie an der Uni Kassel (also bis zu ihrem 65 Lebensjahr). Streicht man aus der Publikationsliste auf ihrer Webseite alle Univertätsschriften und Kongressberichte heraus bleibt nicht viel Relevantes übrig. Daher ist es wohl durchaus gerechtfertigt anzunehmen, das hier mal wieder nur jemand seinen Namen in Verbindung mit „Gender“, auch wenn er nur auf der einen Schuftafel auftaucht, in der Öffentlichkeit genannt wissen wollte, denn steter Tropfen höhlt den Stein.


1Die Webseite der OIA werden des Öfteren als Malware eingestuft. Ich konnte jedoch keine Malware unter den von mir verlinkten Dokumenten finden. Ich kann es aber nachvollziehen, wenn der Unsinn, die Dokumente unter pdf als Macromedia FlashPaper anzubieten als Malware eingestuft wird.

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