Aggressiver Atheismus

Ein gewisser Reinhard Marx, derzeit Kardinal von Beruf, hat mal wieder ein lustiges Interview verbreiten lassen.

Die Welt: Geht nicht von der gegenwärtigen europäischen Politik die Gefahr einer Egalisierung aus? Werden nicht gerade kirchliche, wenn nicht gar christliche Bastionen geschleift?

Marx: Partiell ist ein neuer, aggressiver Atheismus nicht zu leugnen. Es gibt die Tendenz, Religion als etwas Vormodernes, Unruhestiftendes wahrzunehmen. Es führt zu Versuchen, Religion aus dem öffentlichen Bereich herauszuhalten. Deshalb ist es wichtig, deutlich zu machen, dass die Furcht vor der Religion unberechtigt ist. Religion ist nicht unvernünftig, sondern eine Quelle des Friedens, der Entwicklung, ja auch des Fortschritts, wenn man ihn nicht nur materiell definiert. Das sollten wir offensiv vertreten. Nur jammern und klagen, das wäre der falsche Weg.


Hört, hört, er hält seine bronzezeitliche Gedankenwelt tatsächlich für modern. Was ist denn dann für ihn unmodern? Wie kommt er denn nur auf den abstrusen Gedanken, daß Religion als unruhestiftend wahrgenomen wird? Allein wegen der paar Abermillionen Toten, die allein die katholische Kirche zu verantworten hat, der Religionskriege, der Kreuzzüge, der Selbstmordattentäter käme niemand auf die Idee Religion als unruhestiftend wahrzunehmen. Nein, Religion ist wirklich ein Hort des Friedens und ein unerschöpflicher Quell des Fortschritts.

Wo wären wir bloß ohne diese klerikale Ideenschmiede? Keine Demokratie, keine soziale Absicherung, keine öffentlichen Bibliotheken, dafür verbotene Schriften und Bevormundung aller Orten, überall von Sklaven gepflegte Gärten, was für eine schöne moderne Welt, das reinste Paradies zwischen den vier Ecken der Erde unter den Himmeln.

Selbstverständlich ist Religion nicht unvernünftig, kein Bisschen, schwangere Jungfrauen, gepflegte Konversationen mit brennenden Dornenbüschen und Lichterscheinungen, fliegende Pferde sind geradezu der Gipfel der Ratio.

Bei solch’ einem Ausblick auf das Himmelreich auf Erden ist es nur gerecht, daß diese Leute nicht nur über die Mitgliedsbeiträge der eigenen Vereinsmitglieder, sondern auch von aggressiven Atheisten finanziert werden.

Oh Herr, Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen! (Psalm 44:26)

Ein Kommentar

  1. An die Armen und die Dummen

    Heute, am Ende des zivilisatorischen Mittelalters, haben zwei Sorten von Menschen überlebt: die Armen und die Dummen. Letztere wollen auf Kosten anderer leben, damit andere nicht auf ihre Kosten leben; und die Armen können sich nicht vorstellen, auch einmal etwas zu besitzen, ohne denen, die auf ihre Kosten leben, etwas wegzunehmen.

    Zivilisiertes und intelligentes Verhalten ist mit den folgenden Worten überliefert,…

    (an die Armen >) „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
    (an die Dummen >) Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“

    …wurde aber von den Armen nicht verstanden und von den Dummen schon gar nicht. Auch die zeitgemäße Übersetzung bereitet den Überlebenden noch immer die allergrößten Verständnisschwierigkeiten,…

    (an die Armen >) „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“
    (an die Dummen >) „Der Kurzsichtige ist selbstsüchtig, der Weitsichtige wird in der Regel bald einsehen, dass im Gedeihen des Ganzen der eigene Nutz am besten verankert ist.“

    …sodass wir nur auf den Zeitpunkt warten können, an dem die reale Angst vor Armageddon größer wird als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem „Verlust“ der Religion:

    http://www.juengstes-gericht.net

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