Plagiatsaffäre Schavan: Täuschung oder Unwissenheit?

Heute kommt der Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf zusammen, um über den Fall Schavan zu beraten. Das bei der Erstellung der Dissertation unsauber gearbeitet worden ist, steht zweifelsfrei fest und kann von jedem der es sich antun möchte nachgelesen werden. Die Fragen, die es zu beantworten gilt sind, ob die Fehler gravierend genug für eine Aberkennung sind und ob es sich um eine absichtliche Täuschung handelt.

Der Spiegeltitel „Spitzenforscher verteidigen Schavan“ ist natürlich grober Unfug, denn nur die Wissenschaftsorganisationen haben Elemente des Verfahrens der Universität Düsseldorf kritisiert. Das ist etwas anderes, als das ihr Spitzenforscher zur Seite gesprungen wären, die mit Sicherheit Sinnvolleres zu tun haben, als sich um Schavans Titel zu kümmern, auch wenn sie wohl mehr als froh sein dürften wenn Fr. Schavan endlich von der politischen Bildfläche verschwände. Die Schützenhilfe der Wissenschaftsorganisationen ist selbst wohl auch nicht altruistisch und den Werten der Wissenschaft verpflichtet, sondern hat handfeste ökonomische Gründe, ist doch Schavan die entscheidende Geldquelle. Gerade die geldvernichtende DFG ist ein rein politischer Augias-Stall mit viel Mauschelei, der mal gehörig ausgemistet gehört.

Aber auch einzelne Professoren zeigen ein eigenartiges Argumentationsverhalten bei der Verteidigung von Fr. Schavan:

„Die Mängel in der Arbeit sind offensichtlich, ich sehe jedoch keine Täuschungsabsicht“, sagt etwa der ehemalige Präsident der Humboldt-Universität Berlin, Christoph Markschies, der „Welt am Sonntag“.

Er hat die Doktorarbeit gelesen und viele der Vorwürfe überprüft. „Ich halte die Fehler für nicht drastisch genug, um den Doktorgrad abzuerkennen.“ Falls dies passiere, müsste die Uni „sicherlich noch vielen anderen Personen den Doktorgrad entziehen“.

Ja und, warum eigentlich nicht? Vermutlich, weil in diesem Falle die Universitäten Selbstkritik üben und zugeben müssten, daß Ausbildung und Betreuung der Studenten erhebliche Mängel aufweisen. Das ginge natürlich gar nicht, denn man will schließlich Exzellenzcluster werden bzw. bleiben.

Aber die wesentliche Frage ist doch, ob eine absichtliche Täuschung vorlag. Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Frau Schavan hat in ihrer bisherigen Karriere zweifelsfrei bewiesen, daß sie von Wissenschaft nichts versteht. Somit stellt sich die Frage, ob sie es jemals gewusst und dann vergessen hat oder noch nie gewusst hat. Hat sie es gewusst läge eine absichtliche Täuschung vor, hat sie es noch nie verstanden läge keine absichtliche Täuschung vor. Ich persönlich halte es aber für ausgeschlossen, daß jemand der einmal das Prinzip Wissenschaft verstanden hat, es wieder vergisst (von Erkrankungen wie bspw. Demenz, die hier nicht zur Debatte stehen, mal abgesehen). Insofern kann die einzig logische Schlussfolgerung nur lauten, daß im Falle ihrer Dissertation keine absichtliche Täuschung vorlag, denn Fr. Schavan hat weder damals, noch heute das Prinzip Wissenschaft verstanden. Somit gereicht ihr ihr fehlender Intellekt in Sachen Wissenschaft zum Vorteil, leider.

Für Fr. Schavan war die Promotion nur Mittel zum Zweck um politisch in Ämter aufsteigen zu können, in denen sie heillos überfordert ist, was letztendlich den Steuerzahler sehr viel Geld gekostet hat und weiter kosten wird, da sie hohe Pensionsansprüche erworben hat. Weitaus schlimmer als das, zählt jedoch ihre negative Wirkung auf die universitäre Ausbildung, durch systematische Absenkung der wissenschaftlicher Standards (unter freiwilliger Mithilfe der Universitäten). Was wiederum nicht verwunderlich ist, da sie eben „Wissenschaft“ nicht verstanden hat. Ein Teufelskreis der nur durch die Entfernung von Fr. Schavan aus der Politik durchbrochen werden kann.

Ich muß allerdings auch zugeben, daß ich im Umfeld der Parteien niemanden sehe, von dem ich annehmen könnte, daß er es besser machen würde, aber jetzt heißt es sowieso erstmal abwarten, zu welcher Entscheidung der Rat heute kommen wird, vielleicht „Vertagung“ (bis nach der Wahl)?

Nachtrag 22.01.2013:
Wie jetzt durch die Presse (Spiegel, Zeit) geht, hat der Universitätsrat mit 14 Ja-Stimmen und einer Enthaltung bei 15 Stimmberechtigten für die Einleitung eines Verfahrens gestimmt. In der Praxis bedeutet dies zunächst nur, daß ein Anfangsverdacht besteht und die Dissertation erneut geprüft wird. Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Der nächste Sitzungstermin in dieser Sache ist auf den 05.02.2013 anberaumt.

Wer an der oben erwähnten systemischen Unfähigkeit bzw. Unredlichkeit von Fr. Schavan noch immer zweifelt, sollte einen Blick ins Schavanplag werfen, denn dort wird aufgezeigt, daß Fr. Schavan auch in anderen, viel später erstellten Schriften (1998, 2002), wenn auch keine akademischen Qualifikationsschriften, weiterhin unzulässig zitiert. Wie oben schon erwähnt, hat sie m. M. n. die elementaren Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens schlicht nicht verstanden. Es ist somit schon zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen irrelevant, ob der Dr. Titel aberkannt wird oder nicht, sie ist als Bildungsministerin einfach nicht tragbar, wollen wir nicht zu einer Komikernation werden, wie es Fr. Merkel belieben müsste zu formulieren.

Weiterführendes:

Ein Kommentar

  1. […] wird wohl nicht ganz unbeachtet bleiben, daß Fr. Schavan auch später ihre unsaubere Arbeitsweise beibehalten […]

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