SPD will Rolle der Medien stärken

Bei Meldungen wie der, daß die SPD die Rolle der Medien stärken will und sie sich dazu ausgerechnet den Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner einlädt, frage ich mich, wo die SPD hin will. Offensichtlich ist die SPD der Meinung, daß die Medien schwach sind, obwohl ihnen die Affäre Wulff eigentlich das Gegenteil sagen müßte. Außerdem erscheint es mir als bemerkenswert, daß die SPD meint den Medien eine Rolle (Welche genau soll das sein?) quasi gesetzlich festschreiben zu müssen. Weiterhin stimmt bedenklich, daß der Springer-Verlag wohl als Sprecher „der Medien“ angesehen wird und die SPD an einer Gegenposition keinerlei Interesse zu haben scheint. Ausgewogenheit war noch nie ihre Stärke.

Das Schicksal der ‚Financial Times Deutschland‘ und der ‚Frankfurter Rundschau‘ sind nur prominente Beispiele für eine Veränderung der gesamten Medien- und Kulturlandschaft

Zu der Zeit, als die SPD Eigentümerin der FR war, hätte sie die Möglichkeit gehabt zu zeigen, ob sie in der Lage ist Unternehmen zukunftsfähig zu machen, aber mir scheint, als wolle sie nur das Geschäftsmodell „gedruckte Tageszeitung“ schützen. Politiker im Allgemeinen haben ein massives Problem mit Allem, was mit dem Internet zu tun hat, wie sich jeden Tag den Nachrichten entnehmen lässt. Einerseits weil sie die Technik schlicht und ergreifend nicht beherrschen, oft sogar noch stolz anklingen lassen, daß sie „solche Aufgaben“ delegieren können, andererseits schmerzt der Verlust der Deutungshoheit über Ereignisse enorm. Dennoch werden sie um eine Anpassung an moderne Zeiten nicht herumkommen, den auch der Heizer auf der Elektrolok ist genauso verschwunden, wie die Telefonzelle. Alles Gedruckte erlebt eine Krise, wie mir eine kleine Begebenheit über Weihnachten mal wieder vor Augen führte. Ein Pärchen ostasiatischer Touristen erkundigte sich auf dem Bahnsteig bei mir nach dem Weg. Ohne Umschweife hielt er mir ein Tablett-PC mit bereits korrekt ausgewähltem Kartenausschnitt hin, sie präsentierte die Zieladresse auf einem Smartphone. In diesem konkreten Falle brauchte ich die Karte nicht, da ich die beiden nur drei Bahnsteige weiter zum richtigen Zug schicken musste, aber der Vorgang demonstriert recht eindeutig in welche Richtung sich Medien und Kommunikation bewegen: Weg von Gedrucktem. Die folgenden Genrationen wachsen bereits jetzt in einem Umfeld auf, in dem nicht mehr regelmäßig gedruckte Zeitungen und Zeitschriften gekauft werden. Nicht nur die Verlage werden neue Wege beschreiten müssen, auch klassische Zeitungskioske werden sich wandeln (müssen).

„Wir sind der Überzeugung, dass die reale Nutzung des Netzes zur legalen Nutzung werden muss. Dabei gilt es, eine angemessene Vergütung zu gewährleisten.“ Nötig sei ein modernes Urheberrecht, das Kreativen und Urhebern faire Einkommen ermögliche und das Recht mit digitalen Nutzungspraktiken in Einklang bringe.

Abgesehen davon, daß es zunächst sinnvoller wäre sich mit der Finanzbranche zusammenzusetzen, um ein internettaugliches, anonymes Micropaymentsystem zu entwickeln, geht es der SPD auch nicht wirklich um die Urheber, sondern um die Rechteverwerter, denn die bekommen den größten Teil vom Kuchen und das wird auch so bleiben, sonst hätte man nicht ausgerechnet Mathias Döpfner eingeladen, sondern Vertreter der Urheber. Wer bestimmt eigentlich, was angemessen ist? Warum soll dies ausgerechnet nur bei Urhebern und nicht auch bei allen anderen Freischaffenden und Arbeitnehmern ermöglicht werden? Was zeichnet Urheber aus? Sollen Mindestlöhne für Urheber im Urheberrecht festgesetzt werden? Kann es sein, daß die SPD den Unterschied zwischen Verwerter und Urheber nicht verstanden hat oder verstehen will? Und nicht zu vergessen: Gibt es überhaupt ein Recht darauf, von einem bestimmten Beruf leben zu können?

Aber nicht nur die Lage am Tageszeitungsmarkt ist kritisch.

Mit dieser Aussage wird Herr Steinmeier langfristig recht behalten, doch ist es gerade nicht die Aufgabe der Politik derart unverhohlen Geschäftsmodelle von einzelnen Unternehmen, die sich nicht bewegen wollen zu schützen. Mir sieht das ganze Vorhaben eher nach dem Versuch aus — neben der notwendigen Wahlkampfhilfe —, neue Formen der Subventionen zu finden. Die Aktion der SPD droht also für den Verbraucher, bzw. Steuerzahler teuer zu werden.

Ich frage ich mich des Öfteren wie Springer et al. reagieren würden, wenn Google nicht mehr nur als Suchmaschine, sondern selbst redaktionell agieren würde. Büros in diversen Ländern hat es bereits und an Geld fehlt es nicht. Es wäre daher für Google ein Leichtes selbst ein nachrichtenproduzierendes Korrespondentennetz auf die Beine zu stellen. Google News wären dann tatsächlich News von Google.

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