Welche Ziele verfolgt Edward Snowden?

Je mehr ich über die Snowden-Affäre nachdenke, desto mehr Fragen werfen sich für auf. Die ganze Geschichte klingt für mich nicht wirklich rund, aber vielleicht muss man auch in einem Geheimdienst gearbeitet haben, um seine Handlungen zu verstehen.

Tätigkeit
Nachdem was der Presse zu entnehmen ist, ist Snowden, 30 (Jahrgang 1983), ein ehemaliger Soldat ohne High School Diplom, aber mir sehr guten Programmierkenntnissen. Gleichzeitig behauptet er, innerhalb der NSA auf so gut wie alles Zugriff gehabt zu haben. Dennoch klingt es für mich erstaunlich, auch unter Berücksichtigung seiner Tätigkeit als Administrator und/oder Programmierer, da es in der Natur der Aufgabe liegt auf mehr Daten Zugriff zu haben als andere Angestellte, daß jemand in diesem relativ jungen Alter bereits eine derartige Bewegungsfreiheit innerhalb des Geheimdienstes gehabt haben soll oder sind die Abteilungen innerhalb der NSA nicht gegeneinander isoliert? Noch dazu besteht auch eine Konkurrenzsituation zwischen NSA und CIA, für den Snowden ja auch gearbeitet hat.
Dokumente
Warum werden eigentlich keine Orginaldokumente im großen Umfang verlinkt?
Flucht
Derzeit sieht es so aus, als ob Snowden seine Aktion über längere Zeit geplant hat. Was wollte er mit seinem Fluchtweg bezwecken? Dient seine Fluchtroute nur dazu, die Medienaufmerksamkeit zu erhalten, um ihn über Umwege mit finanziellen Mitteln zu versorgen? Immerhin ist er für die beteiligten Zeitungen Washington Post und Guardian eine Goldgrube. Flugreisen sind heutzutage nicht dazu geeignet diskret unterzutauchen. Ich bin nicht wirklich überzeugt, daß er sich tatsächlich zunächst nach Hongkong absetzen wollte, aber erst dort gemerkt haben will, daß die Chinesen ihn nicht wollen. Warum hat er nicht einfach seinen Jahresurlaub in Südamerika oder Island verbracht und dann nach dem Hochkochen dort Asyl beantragt? Seine Fluchtroute erscheint daher unnötig lang und risikobehaftet. Man könnte natürlich an dieser Stelle darüber spekulieren, ob er den Russen oder Chinesen etwas glaubhaft unterjubeln wollte (sollte?).
Sicherungskopien
Er behauptet als Lebensversicherung verschlüsselte Sicherungskopien seiner Daten bei verschiedenen Personen hinterlegt zu haben, die diese Daten im Falle seines überraschenden Ablebens dann veröffentlichen würden. Man braucht wohl keine Zweifel zu haben, daß Geheimdienste wenig Skrupel kennen, unliebsame Subjekte zu beseitigen. Die NSA und CIA propagieren offen den Einsatz von bewaffneten Drohnen, aber auch Mossad und KGB gehen gerne mal auf Nummer sicher. Die Sicherungskopien schützen auf jeden Fall gegen Datenverlust, man stelle sich vor, ihm kommen die Daten abhanden (wie auch immer), dann stünde er als Großmaul da. Doch warum sind die Sicherungskopien verschlüsselt? Gewohnheit eines Geheimdienstlers? Damit die Kopien im Falle seines Todes ihren Zweck erfüllen können, muß er auch die Schlüssel dazu herausgegeben haben. Als Druckmittel taugen verschlüsselte Daten nur dann, wenn man einen Deal plant und die Daten bei Abschluss eben doch nicht veröffentlicht sehen will. Hierfür müsste man jedoch wiederum die Schlüssel geheim halten. Damit taugen die Daten dann nicht mehr als Lebensversicherung. Außerdem ist die Schutzfunktion der Kopien meiner Meinung nach sowieso begrenzt, denn er hat ja angekündigt die Daten zu veröffentlichen. Aus Sicht des Geheimdienstes macht der Zustand der Vitalfunktionen von Snowden unter diesem Gesichtspunkt keinen Unterschied. Einzig könnte sein Tod dann als Zeichen der Abschreckung für Nachahmer dienen.
Sonstiges
Angeblich ist Snowden mit vier Laptops unterwegs. Ist der Mann auf der Flucht oder zieht der nur um?

Unabhängig vom Verhalten Snowdens finde ich es darüberhinaus bemerkenswert, daß Journalisten immer noch nicht gelernt haben ihre Daten zu verschlüsseln und dafür extra ein „YouTube-Video“ benötigen. Außerdem macht es wenig Sinn die Daten immer ausschließlich mit sich herumzutragen. Hier würde ein einfacher Diebstahl ausreichen ihm den Zugriff auf die Daten zu entreißen. Da es auch schlicht technisches Versagen von Rechnern geben kann, muss er eigentlich sowieso irgendwo Sicherungskopien hinterlegt haben.

Ein Kommentar

  1. […] wenn ich mir noch nicht wirklich über die Motive von Edward Snowden sicher bin, könnte er durchaus als ein Beispiel für das sein, was […]

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