Freihandel und Exportüberschuss

In ihrem halbjährlichen Währungsbericht kritisieren die USA das deutsche Wirtschaftsmodell, welches zu hohen Handelsüberschüssen führt (Spiegel.de, Spiegel.de, Süddeutsche.de). Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da die Kritik ausgerechnet aus dem Land kommt, welches selbst permanent nahe am Staatsbankrott agiert und mit seiner Politik die Wirtschaft etlicher Länder ruiniert hat. Nichts desto trotz sind sind die hohen Exportüberschüsse auf Dauer schädlich und damit selbstverständlich durchaus kritikwürdig. Hinter der Kritik durch die USA dürfte aber auch die Absicht stecken, das geplante Freihandelsabkommen möglichst schnell unter Dach und Fach zu bekommen, insbesondere weil auch bereits einige leise Stimmen laut werden, die Verhandlungen darüber auf Grund der Spionageaffäre auszusetzen. Auch neigen Abkommen mit den USA nicht daran, unter zuviel Ausgewogenheit zu leiden. Somit ist klar, daß die USA mit dem Freihandelsabkommen einzig ungehinderten Zugang zum europäischen Markt, insbesondere auch zum Deutschen mit seinen hohen Handelsüberschüssen haben wollen. Man darf daher wohl davon ausgehen, daß die Forderung der Amerikaner nach mehr Importen durch Deutschland richtig übersetzt „importiert mehr amerikanische Waren“ heißen soll. Die USA haben nicht das geringste Interesse daran, daß wir mehr Produkte aus Asien, Lateinamerika oder Afrika importieren.

Läßt man aber mal die politischen Differenzen außer acht, stellt sich für mich bei der Forderung nach mehr Importen die Frage, wer eigentlich was importieren soll. Die Allokation der Exportüberschüsse erfolgt nicht beim gemeinen Bürger, im Gegenteil dieser ist seit Jahren mit steigenden Preisen, Gebühren und Abgaben bei gleichzeitig stagnierenden und sinkenden Gehältern konfrontiert. Außerdem sind ein Großteil der Gebrauchs- und Konsumgüter, angefangen bei Kleidung bis hin zu de facto allen Elektronikgeräten — die wir in dem angeblichen Hochtechnologieland Deutschland ünberhaupt nicht in der Lage sind herzustellen, schon gar nicht zu konkurrenzfähigen Preisen —, bereits Importprodukte. Ein mehr an Importen könnte hier allenfalls durch noch kürzere Produktzyklen erreicht werden, mit allen dadurch einhergehenden Problemen wie noch unausgereiftere Produkte und größere Müllberge. Auch wenn ich kein prinzipieller Gegner von Freihandel bin, finde ich die Vorstellung noch mehr Schrottprodukte („Müll by Design“) in unseren Läden vorzufinden nicht gerade sehr erbaulich. Die Oberschicht wiederum ist zu klein um einen nennenswerten Beitrag zum Überschussabbau leisten zu können. Bleiben noch die Industriebetriebe übrig. Doch welche Produkte könnten hier in größerem Umfang importiert werden als bisher? Andersherum gefragt, welche Güter werden derzeit auf Grund von Hanmdelshemmnissen nicht importiert? Genauer, welche amerikanischen Produkte oder Industriegüter sollten das sein, zumal die Qualität oftmals stark zu wünschen übrig lässt? Mir fällt da nichts ein, aber vielleicht fehlt mir auch nur der Überblick.

Ein Kommentar

  1. […] Somit käme dem Kinderpornografiemarkt eine erhebliche Wirtschaftsleistung zu. Immerhin beklagen sich die US-Amerikaner lebhaft über Deutschlands Exportüberschuss von 200 Milliarden Euro. Da der überwiegende Teil der […]

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