Merkwürdiger Maulwurf beim BND

Unsere Bundesregierung ist mal wieder besorgt, allerdings nicht etwa um’s Volk, sondern wie immer nur um sich selbst, um ihre „parlamentarische Freiheit“ und wegen des „erheblichen diplomatischen Schadens“ zwischen Deutschland und den USA, weil es beim BND einen Maulwurf der Amerikaner geben soll, der für die Russen arbeiten möchte. Ein kleiner Mehrfachagent löst eine diplomatische Krise aus, aber beim systematischen Bespitzeln des ganzen Volkes durch die NSA übt man sich in Kontemplation gemäß buddhistischer Primatologie (Drei Affen …). Und diese Besorgnis äußert sich nun darin, daß man auf den „Fluren des Bundestags darüber spekuliert, wie man der US-Regierung symbolisch eins auswischen könnte“. Symbolisch? Symbolisch ist ein anderes Wort für Nichtstun! Was für erbärmliche Vereine sind doch Parlament und Deutscher Bundestag. Einfach widerlich.

Soweit das übliche Geschäft der Geheimdienste, schließlich wollen und sollen alle Geheimdienste Maulwürfe für ihre Zwecke anwerben. Auch wenn ich von Geheimdiensten und deren Schergen rein gar nichts halte, so will ich doch hoffen daß der BND etwas für die Steuergelder tut und ebenfalls über entsprechende Maulwürfe bei fremden Regierungen und Diensten verfügt. Alles andere wäre ein Armutszeugnis für den BND.

Aber etwas Anderes verwundert mich dann doch sehr, wenn man denn Nachrichten Glauben schenken darf.

Der Verfassungsschutz fing vor einigen Wochen eine E-Mail von ihm ab, in der er russischen Behörden seine Spionagedienste angeboten haben soll.

Den Vorgang empfinde ich als kafkaesk. Wir schreiben das Jahr 1 nach Snowden und ein Geheimdienstmitarbeiter, von einem Geheimdienst der e-Mails am Internetknoten DE-CIX abfängt, schreibt eine e-Mail, in dem er den Russen Spionagedienste anbietet? Ist dieses Verhalten bloße Naïvität, grenzenlose Dummheit à la „das Internet ist für uns alle Neuland“ oder steckt etwas Anderes dahinter? Bei einem derartigen Kontaktversuch könnte man auf die Idee kommen, er wollte enttarnt werden. Interessant wäre auch zu wissen, wie der Verfassungschutz an die e-Mail gekommen sein will. Ist das Internet für die russische Gegenstelle ebenfalls Neuland und man arbeitet dort mit unsicheren Computern oder hat der BND-Maulwurf sein Angebot auch noch in einer unverschlüsselten e-Mail unterbreitet?

Scheinbar will er die Amerikaner auf die gleiche Art kontaktiert haben:

Den Kontakt stellte er offenbar vergleichsweise simpel her: Er soll eine E-Mail an die US-Botschaft geschrieben und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit ins Spiel gebracht haben.

Kann ein beamteter Berufsagent tatsächlich derart dumm sein? Wieviele Geheimdienste hat er noch mit seinem Spam beglückt? Ich werde den Eindruck nicht los, als ob bei dieser Geschichte noch etwas Wesentliches fehlt.

Nachtrag 05.07.2014:
Kann es sein, daß es sich bei dem BND-Maulwurf um Maxwell Smart alias Agent 86 (MiniMax) handelt? So eine bizarre Klamotte kann sich doch nicht wirklich in einem echten Geheimdienst abspielen.

Der 31-jährige Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) hatte sich vor mehreren Wochen per Google-Mail den Russen als Informant angedient. Das BfV las die Mail mit und schlug dem BND-Mann mit einer gefälschten russischen Adresse ein Treffen vor, das dieser jedoch ablehnte.
Im Bemühen, den Spion zu enttarnen, wandte sich der Verfassungsschutz daraufhin an die US-Behörden mit der Frage, ob die fragliche Google-Mail-Adresse dort bekannt sei. Eine Antwort blieb aus. Stattdessen meldete der BND-Mann kurz darauf seinen Mail-Account ab.
[…]
Aus Ermittlerkreisen verlautete, auf dem Rechner befinde sich eine Wetter-App. Frage der Nutzer das Wetter in New York ab, öffne sich automatisch ein Kryptoprogramm.

Ein BND-Miarbeiter soll Google-Mail benutzten um mit den Russen ins Geschäft zu kommen? Ist der Mann tatsächlich so blöde oder ist die ganze Geschichte eine Räuberpistole? Dazu noch ein Kryptoprogramm hinter einer Wetter-App, das alles hört sich auch mehr nach Hollywood an.

Ein Kommentar

  1. […] davon aus, daß die Dokumente von Außenstehenden unbefugt weitergeleitet werden. Doch wie der Fall des BND-Doppelspions gezeigt hat, gibt es auch mindestens ein internes Problem. So wie es bisher aussieht scheint sich […]

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