Twitter: 0,67% weniger Benutzer und 500 Millionen US$ Verlust

Die Online-Ableger der Zeitungen (FAZ) überschlagen sich gerade ob des neuen Quartalsberichts von Twitter:

  • Verlust von 2 Millionen Nutzern innerhalb eines Quartals auf aktive 305 Millionen.
  • Steigerung des Quartalsumsatzes um 48% gegenüber dem Vorjahr, auf jetzt 710 Millionen US-$.
  • Jahresverlust 2015: 500 Millionen US$.

Obwohl sich die Nutzerzahlen von Twitter entgegen den rein spekulativen Erwartungen von Börsianern nicht erhöht, sondern um 0,67% gefallen sind, hat Twitter immer noch 305 Millionen aktive Nutzer (oder ganuer gesagt soll haben, denn überprüfbar ist das ja nicht), gleichzeitig konnten sie den Quartalsumsatz um 48% steigern. Dennoch verdienen sie immer noch kein Geld und es ist auch nicht absehbar wann es dies tun wird. Twitter hat seit seinem Bestehen noch nie Gewinn eingefahren und auch die 500 Millionen Miese des letzten Jahres müssen irgendwie finanziert werden. Mich würde mal ernsthaft interessieren bei welcher Nutzerzahl sie eigentlich den Durchbruch in die Gewinnzone erwarten, bzw. bis zu welchem Betrag Investoren dort Willens sind Kapital zu verbrennen. Immerhin darf man davon ausgehen, daß bei Twitterinvestoren die Vorstellung herrscht, daß ein Geschäftsmodell welches bei 300 Millionen aktiven Nutzern nicht gewinnbringend funktioniert, bei 1 Milliarde oder mehr auf einmal enorme Gewinne abwirft. Allerdings verstehe ich auch nicht wirklich, wofür Twitter auf der anderen Seite eigentlich derart viel Geld ausgibt. Die Betrieb der Server und deren Energiebedarf, sowie die Administratoren und ein paar Prorgammierer müssen bezahlt werden, dies ist alles nicht billig, aber derartige Summen wie Twitter sie verbrennt sind dafür sicher nicht notwendig. Wenn man böswillig ist, könnnte man glatt auf die Idee kommen, dort soll Geld aus dunklen Quellen gereinigt in den Kreislauf zurückgebracht werden.

Auch reine Philantropie kann es nicht sein, denn mit 500 Millionen US$ pro Jahr könnte man sehr viel mehr erreichen. Erwarten die Investoren tatsächlich in einigen Jahren einen Rücklauf von Aberhunderten von Millionen oder steckt doch noch etwas Anderes dahinter? Ich hatte vorletztes Jahr schon mal darüber nachgedacht, ob hinter derartigen Startups nicht auch politisch-geheimdienstliche Akteure stecken könnten, die andere Interessen verfolgen. Man muss immer bedenken, daß das Twitter so wie es die Nutzer sehen nichts produziert und keine Werte schafft. Würde Twitter heute abgeschaltet werden, hätte dies auf die Wirtschaft im Großen keinerlei Einfluss, nur ein paar Twitterjunkies würden endgültig kollabieren.

Nebenbeibemerkt bin ich persönlich der Auffassung, daß Twitter mit seiner restriktiven Kontrollwut rund um das Twitter-API eine blühende Gemeidne erst kaputt gemacht hat. Die Entwickler selbst waren zahlenmäßig zwar unbedeutend, haben aber letztlich alle Zielgruppen mit Clients versorgt und waren in der Lage neue Ideen schnell und vor allen Dingen unkompliziert umzusetzen. Wenn man jetzt noch die Zeichenzahl von 140 moderat auf mind. 200 bis max. 300 erhöhen würde, so das in der Summe die Zeichenzahl der Kurz-URLs, der Hashtags und der Name des Gesprächspartners nicht mehr so stark auf den Inhalt durchschlägt, könnten sicher wieder mehr Nutzer angezogen werden. Bei der ins Gespräch gebrachten Erhöhung der Zeichenzahl von 140 auf 10.000 geht der Witz von Twitter verloren, der ja gerade in der Kürze der Botschaften begründet ist. Außerdem gibt es für diese Zwecke bereits Dutzende andere ähnliche Blogsysteme (sogar werbefreie und offene, wie z. B. GNUsocial) und ob die angekündigte Umstellung der Zeitleiste von rein chronologisch auf algorithmische Relevanz bei den Nutzern ankommt ist zweifelhaft. Abgesehen davon, betreffen die angekündigten Änderungen nur die vorhandenen Nutzer, tragen aber nicht zur Neukundengewinnung bei (Niemand benutzt Twitter nicht, weil die Zeitleiste nicht nach Relevanz sortiert ist).

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