Käufliche Fake News

Die FAZ beschreibt in einem Artikel Metoden und Preise von Manipulation und Fake News im Internet. Die Daten stammen aus einem frisch erschienenen 80-seitigem Bericht der Fa. Trend Micro.

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Wohlhabende können sich eine Kampagne im Großformat leisten, etwa vor einer wichtigen Wahl. Für mehrere Hunderttausend Euro würden russische Anbieter wie Topsoc, Smofast, Vtope, Kwoki, like4u oder Zismo schwere Geschütze auffahren. Zum Beispiel: Fünf Nachrichtenseiten im Internet, alle bestückt mit gefälschten Nachrichten, sogenannten Fake News, redigiert von professionellen Manipulatoren. Ein Heer bezahlter Helfer würde die gefälschten Artikel in allen großen Netzwerken teilen und den Algorithmen vorgaukeln, es handele sich um besonders beliebte und wichtige Inhalte. Es wären nicht zwei Dutzend Helfer, sondern Tausende, jeden Tag. So könnte das gehen, zwölf Monate lang. Preis: 357 000 Euro.

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Die Sicherheitsfirma Trend Micro ist diesen Fragen nachgegangen. Das Ergebnis ihres am Dienstag erschienen und mehr als 80 Seiten langen Berichts, der dieser Zeitung vorab vorlag, lautet: Fake News gibt es für jedermann im Internet zu kaufen, und zwar in so unterschiedlichen Regionen wie Russland, China, Indien, im Nahen und Mittleren Osten sowie im englischsprachigen Raum.

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Um dem Problem Einhalt zu gebieten, haben die Analysten von Trend Micro einen einfachen Vorschlag zu machen: Würden Internetnutzer sich gelegentlich die Frage stellen, ob ein Artikel aus einer seriösen Quelle stammt oder nicht, würde das Geschäftsmodell der Manipulatoren schnell in sich zusammenbrechen. Schon von einem kleinen Vorsatz versprechen sich die Analysten eine große Wirkung: Wenn Internetnutzer nämlich mehr als nur die Überschrift eines Artikels lesen, bevor sie ihn in sozialen Netzwerk weiterempfehlen.

Das Alles ist nicht wirklich überraschend, denn Lug und Trug gibt es nicht erst seit Aufkommen des Internets und Versuche politischer Manipulationen seit Anbeginn der Politik. Überhaupt beruhen viele Überlebensstrategien von Organismen auf der Täuschung des Gegners (Mimikry: gelb-schwarz gestreifte harmlose Fliegen, die Wespen ähneln u.ä.), sind also fester Bestandteil des Genoms. Anders ausgedrückt, der Mensch bewegte sich schon immer in einer Umwelt, in der Vieles nicht so schien wie es ist, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Was die medialen Täuschungen angeht hat Trend Mirco mit seinen Lösungsvorschlägen zwar rein prinzipiell recht, aber das Umsetzen ist nicht so einfach, wie es sich anhört, denn was ist eine seriöse Quelle? Woran macht man die fest? An dieser interessanten Stelle endet denn auch der FAZ-Artikel.

Die grundlegende Frage lautet doch, warum haben Fake News überhaupt Erfolg? Die billigste Erklärung lautet natürlich, die Menschen seien zu leichtgläubig und glauben einfach alles, doch ganz so einfach ist es eben nicht. Gerade Politiker müssten sich einmal fragen, welche Ursachen es hat und auf welchem Niveau sie angekommen sind, wenn das Volk jede noch so absurde Meldung über sie für glaubwürdig erachtet! Das ist doch das eigentlich erschrenkende an den Fake News und nicht die bloße (käufliche) Existenz derselben. Dieser Umstand sollte Parteien und den von ihnen aufgestellten Politikern eigentlich massiv zu denken geben. Tut es aber bisher nicht, lieber versucht man Fake News durch Zensurgesetze zu bekämpfen. Letzteres ist wiederum die wirkungsvollste Methode das Ansehen der Politik dauerhaft weiter zu beschädigen.

Der nächste Punkt ist die Frage nach der seriösen Quelle. Hier sollten sich Journalisten an die eigene Nase fassen. Das Problem ist im Grunde identisch mit dem der Politiker. Jede dubiose (neue) Quelle rangiert auf gleicher Glaubwürdigkeitsstufe mit den etablieren Medien, welche sich selbst als seriös betrachten. Offenbar gibt es auch hier eine eklatante Differenz zwischen Eigenwahrnehmung der Medienarbeiter und Fremdwahrnehmung durch die Medienkonsumenten. Journalisten täten gut daran, ihre eigenen Methoden gründlichst zu durchdenken, denn das, was sie selbst für seriös halten, ist es meist nicht, da sie sich nicht (mehr) als Berichterstatter verstehen, sondern als Kämpfer für die „richtige Sache“. Selbst wenn nicht direkt gelogen oder erfunden wird, ist die Berichterstattung oftmals derart einseitig und hochgradig selektiv, daß es von der Wirkung her gleichbedeutend mit Fake News ist, doch diesem Thema geht man aber lieber aus dem Weg.

Nachtrag 14.06.2017:

Es ging in dem eingangs erwähnten Artikel um den Bericht der Fa. Trend Micro, dennoch sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden zu erwähnen, daß Manipulationen nicht nur von sogenannten rechten Hetzern ausgehen, sondern die etablierten Parteien hier genauso mit ihren eigenen Agenturen mitmsichen. Angefangen beim Mietservice von Amtsträgern, über Säuberungen von Wikipedia-Einträgen bis hin zu massiv durch Agenturen angestoßenen und/oder unterstützten Internetkampagnen à la #Aufschrei. Hinzu kommen noch die Aktivitäten die auf Anlass der Parteien direkt aus den Ministerien heraus finanziell gefördert werden (Veruntreuung?), seien es Kampagnen wie „Demokratie leben!“, seien es Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung.

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