Grautöne

Die Genderpostille Zeit wirft in einem Artikel die Frage auf, ob die Selbsttötungen der US-Filmproduzentin Jill Messick und des schwedischen Theaterregisseurs Benny Fredriksson eine Folge der #MeToo-Debatte, ausgelöst durch den Weinstein-Skandal, sind. Im Verlaufe des Artikels wird richtigerweise festgestellt, daß die Welt nicht nur in schwarz und weiß zerfällt, sondern es auch Grautöne gibt und das man bei solchen Debatten auch Gegenstimmen zu Wort kommen lassen soll.

Daß dieser Artikel gerade in der Zeit erschien ist an Verlogenheit kaum noch zu überbieten. Zeit-Online gehört zu den Angeboten, die ganze vorne auf derartige Züge aufspringen, den Mann als das Böse ansehen und einfache Behauptungen und wilde Spekulationen über Mögliche sexuelle Belästigungen völlig einseitig verbreiten. Sie sind bei der Treibjagd als Erste mit dabei, wenn es um die mediale Hinrichtung eines Mannes geht. Grautöne kennt man bei Zeit-Online nämlich nicht. Daß dem so ist hat die Zeit gerade selbst unter Beweis gestellt.

Die Zeit hatte die Gunst der #MeToo-Stunde in der Hoffnung auf ein deutsches #MeToo genutzt und in zwei Artikeln (Zeit Magazin 2/2018 vom 03.01.2018, 24.01.2018) schwere Vorwürfe beruhend auf Behauptungen und Gerüchten gegen den Regisseur Dieter Wedel thematisiert und damit eine mediale Lynchjustiz gegen ihn eingeleitet.

Der ehemalige Bundesrichter und Strafrechtler Thomas Fischer befüllte jahrelang eine Kolumne bei der Zeit, in der er, manchmal durchaus auf launige und spitze Art, zu allerlei Strafrechtsfragen Stellung bezog. So auch im Fall Dieter Wedel, allerdings gefielen der Zeit seine Einlassungen zum Thema überhaupt nicht und wurden daher nicht von ihr veröffentlicht. Er bot sie daraufhin Media.de an, wo sie dann auch ins Netz gestellt wurden. Die Folge: Die Zeit kündigt die Zusammenarbeit mit Thomas Fischer auf, seine Kolumne wird eingestellt und selbst die Vergünstigung in Form seines Gratis-Abos der Zeit wird ihm gestrichen.

Und eben diese Zeit beklagt nun, daß es nur noch schwarz und weiß gäbe und Grautöne fehlen. Thomas Fischer war genau einer dieser unbequemen Grautöne, deren Fehlen man nun beklagt. Man musste mit ihm nicht übereinstimmen, aber er hat eben genau den fehlenden Blickwinkel geliefert. Sein großer Vorteil ist, daß er finanziell unabhängig agieren kann und nicht auf die Medien als Brotwerwerb angewiesen ist. Engagierte aber abhängige Journalisten können sich einen Konflikt mit dem Medium nicht erlauben, sie müssen auf Linie schreiben, die meisten tun es sowieso bereits freiwillig, weil sie sich Aktivisten in eigener Sache sehen. Es wird viel von (Meinungs) Vielfalt geredet, aber sobald sich einer anschickt die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wird er stummgeschaltet und dann wundern sich die Medien, wenn ihnen einseitige, höchst tendenziöse Berichterstattung vorgeworfen wird und ihre Glaubwürdigkeit zusammen mit den Absatzzahlen zu recht in den Keller geht.

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