Vorlesungsstriptease

Eine Studentin der Cornell Universität hat sich aus Protest während ihres Vortrags zu ihrer Bachelorarbeit („senior thesis) mit dem Titel „Re-Imagining The Refugee-host Country Relationship: Tibetans And India“ [1] bis auf BH und Slip ausgezogen, weil sie im Probelauf zur Vorlesung von ihrer Professorin gefragt wurde, was sie anziehen werde, da ihre Hot Pants bezogen auf das Thema doch arg kurz geraten seien. Natürlich ging von der Performance ein Livestream über Facebook in alle Welt.

Auf die Anmerkung ihrer Professorin hin, hatte sie über Facebook ihr potentielles Auditorium aufgefordert die schönste Unterwäsche zum Vortrag anzuziehen. Auf das Kommando „Strip, everybody!“ während des Vortrags zogen sich zusammen mit ihr noch weitere 28 von 44 Teilnehmern bis auf die Unterwäsche aus. Außerdem wurde sie von der Professorin beim Probleauf gefragt, was ihre Mutter von ihrem Auftritt in den knappen Jeansshorts denn halten würde, ihre Antwort:

My mom is a feminist, gender and sexuality studies professor. She’s fine with my shorts.

Wie so oft bei Feministinnen, auf geäußerte Kritik gibt es erst Tränen und dann zieht man blank. Sie reden von „hinterfragen“ (Gibt es eigentlich auch ein „vorfragen“?), das betrifft aber niemals ihr eigenes Verhalten, dieses darf selbstverständlich niemals auch nur andeutungsweise hinterfragt werden. Die Idee, daß die Präsentation ihres Hinterns bei einem Vortrag zum Thema Flüchtlinge eventuell ein nicht angemessenes Verhalten darstellen könnte und zu der Annahme verleiten könne, daß sie das Thema nicht mit dem nötigen Ernst angeht, kommt ihr nicht. Weiterhin zeugt es jedenfalls nicht von gutem Benehmen, dann auch noch das Thema Flüchtlinge als Schlachtfeld für ihre persönliche feministische Selbstverwirklichung zu mißbrauchen.

Das ist die eine Seite der Medaille, die Andere ist, daß man einerseits auf gar keinen Fall auf den Körper reduziert werden möchte, tut aber andererseits alles um die Aufmerksamkeit auf eben diesen zu lenken und wundert sich anschließend, wenn man nicht Ernst genommen wird. Genau das ist ihr auch hier gelungen, jeder kennt sie nun halbnackt, nur über den Inhalt des Vortrags weiß man nichts. Eine Auseinandersetzung auf intellekuellem Niveau kennen sie nicht, wie sollten sie auch in der Birne ist ja nichts drin, daher wird, wenn es nicht läuft wie sie es wollen, blank gezogen. Damit wird dann die benötigte Aufmerksamkeit generiert. Eigentlich hat nur noch eine Demonstration des Lieblingsthemas von Feministinnen gefehlt: Die Menstruation. Ein Halsband aus blutigen Tampons oder für das Publikum Notizblöcke aus benutzen Slipeinlagen? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht hebt sie sich das für ihre Masterarbeit auf.

“I am not responsible for anyone’s attention because we are capable of thinking for ourselves and we have agency,” Chai said.

Offensichtlich hat die Dame nicht das geringste Verständnis dafür, wie menschliche Interaktion funktioniert, denn der Akteur auf der Bühne hat einen enormen Einfluss auf die Aufmerksamkeit der Rezipienten. Nicht nur das Gegenteil von Chais Aussage ist der Fall, sondern darüberhinaus sollte es sogar das Ziel sein, die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln. Eben dies ist geradezu das Merkmal eines guten Präsentators, wenn es ihm gelingt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche seiner Präsentation zu lenken. Ein Vortrag in monotoner Stimme im Halbdunkel abgelesen schafft es problemlos mehrere hundert Leute einzuschläfern und ein Zauberkünstler lebt davon die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf Belangloses zu lenken, damit sein Trick klappt.

In keeping with her thesis, Chai said that the only way to make progress is to continue to view each other as equals despite appearance, clothing or difference.

Man solle einander als Gleiche ansehen, trotz Auftreten, Kleidung oder Unterschied. Erstens ist das ein Widerspruch in sich, denn wenn es Unterschiede gibt sind sie eben nicht gleich, zweitens wird doch immer Vielfalt gefordert. Vielfalt und Gleichheit schließen sich aber gegenseitig aus, prinzipienbedingt kann es ohne Unterschiede keine Vielfalt geben. Davon mal abgesehen, hat sie den Punkt überhaupt nicht verstanden. Das Problem war ihre Zurschaustellung in Verbindung mit dem Thema Flüchtlinge.

Literatur

  1. Re-Imagining The Refugee-host Country Relationship: Tibetans And India. Letitia Chai. A Thesis Presented to the Faculty of the College of Arts and Sciences of Cornell University In Partial Fulfillment of the Requirements for the Degree of Bachelor of Arts. May 2018, 104 S., lchai_Thesis.pdf (2,8 MB).
    Prüfsumme sha256:
    dea9002d5e2b300cad756777b0d52201bd0980adc36a40f2f1db7e0b54e2f2d9

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