Negativzinsen

Offenbar sind in der Europäischen Zentralbank weitergehende Zinsenkungen geplant. Da der Zinsatz bereits bei (nahe) Null angekommen ist, läuft es auf Neagtivzinsen für alle raus. Ich frage mich, was man sich davon verspricht, denn immerhin betrifft es die über 500 Millionen Bürger in der EU direkt. Glaubt man wirklich, daß die sich die Enteignung widerstandslos gefallen lassen werden?

Doch der Druck auf die Geldhäuser ist längst zu groß. Minus 0,5 Prozent müssen die Institute berappen, wenn sie über Nacht Gelder bei der EZB parken – eine Milliardenbelastung für die gesamte Branche! Daher wird nun Wirklichkeit, wovor EZB-Kritiker schon lange warnen: Die Banken bitten bald nicht mehr nur Firmen für die Verwahrung ihrer Einlagen zur Kasse, sondern auch Privatkunden. Auf den Punkt gebracht: Wer sparen will, zahlt künftig drauf!

Das ist schon seit Jahren so, schleichende Enteignung der Bürger, insbesondere der weniger Vermögenden, denn die wirklich Reichen haben ihr Vermögen ohnehin bereits allein aus Gründen der Risikoverteilung breit gestreut. Kleinsparer können es facto nicht streuen.

Unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde dürfte sich die Politik der Minuszinsen sogar noch verschärfen. „Es gibt eine Grenze, wie weit und wie tief man in den negativen Bereich vordringen kann“, sagte Lagarde jüngst in einem Interview. „Es gibt bei allem einen Boden, aber den haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erreicht.“

Wo liegt denn nun diese Grenze im Negativen? Oder sieht man die erst dann, wenn die Folgen unübersehbar werden? Was passiert wenn man diese Grenze erreicht hat, aber theoretisch weiter absenken müsste?

Für Bankkunden wäre dies der Super-GAU. Die Geldinstitute wären unweigerlich gezwungen, nicht nur ihre vermögende Privatkundschaft mit Strafzinsen zu belasten. Bis dato gelten Freigrenzen von 100.000 Euro und mehr. Das wäre dann passé. Auch die Sparvermögen von Kleinsparern müssten dann dran glauben – sie würden ebenfalls entwertet.

Immer diese unsinnige Terminologie: Super-GAU. Es kann keinen Super-GAU geben, da ein GAU per defintionem den „größten anzunehmenden Unfall“ darstellt, daher ja auch der Name GAU. Aber sei es drum, sind großflächige Negativzinsen überhaupt ohne weitergehende totalitäre Eingriffe in die Verfügungsgewalt der Bürger über ihr Privatvermögen möglich? Warum sollten bei Neagtivzinsen die Bürger ihr Geld weiterhin auf einer Bank belassen, wenn es „unter dem Kopfkissen“ wertstabiler ist? Wie will man einen Bankenrun verhindern, außer durch Maßnahmen, wie Abschaffung des Bargelds, Verboten von Geldtransfers in Ausland oder Edelmetall- und Devisenbesitzverboten?

Mir erscheint das alles wie ein Teufelskreis eines sich selbst verstärkenden Fehlers zu sein.

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