Digitalisierung auf Berlinisch

Berlin demonstriert praktische Digitalisierung in Deutschland: Ein Großteil der Busflotte ist mal wieder, wie schon letzten Oktober, anonym unterwegs, keine Nummer, kein Fahrtziel in der Anzeige. Ein Softwareupdate soll schuld sein:

Die Busflotte fährt derzeit ohne Anzeige durch die Stadt. Der Grund: Die Fahrzeuge können sich nach Angaben der BVG nach einem Software-Update nicht mehr im zentralen System anmelden. Für die Fahrgäste hat das zwei konkrete Auswirkungen.

So können die Busse „nicht automatsch mit Liniennummer und Ziel beschildert“ werden, außerdem könnten an „den Daisy-Anzeigern sowie in der App und FahrInfo keine Echtzeit-Abfahrten angezeigt“ werden, teilt das Unternehmen am Donnerstag mit. Betroffen sei „ein Großteil der Busflotte“.

Wer entwirft eine Technik, bei der die Busse trotz technisch funktionierender Anzeige nicht der Lage sind ohne Verbindung zur Zentrale wenigstens eine Nummer anzuzeigen, gesteuert über das ohnehin vorhandene Pult beim Fahrer? Ein technisches System muss doch so ausgelegt sein, daß bei erwartbaren Störungen der Zentrale bzw. Verbindungen zu ihr grundlegende Funktionen in der Peripherie autonom aufrecht erhalten werden können. Brennt die Zentrale ab, wird ein zentrales Kabel gekappt funktioniert nichts mehr. Ausfälle kann und wird es immer geben, warum werden aber nicht minimale Rückfalltechniken mit eingeplant?

Warum wird unter Digitalisierung eigentlich immer nur totale Zentralisierung verstanden? Alle geplanten Digitalprojekte, wie Gesundheitskarte, elektronisches Rezept, digitaler Impfpass etc., benötigen zwingend eine funktionsfähige Zentraleinheit. Die Politik wirbt großartig damit, daß die Menschen einen QR-Code (quick response code, 2D-Matrixcode) auf ihr Händi oder in Papierform erhalten, nur enthält dieser Code nicht die relevanten Daten (in der Praxis wegen zu geringer Kapazität), sondern stellt nur einen Zeiger auf die Daten in der Datenbank des jeweiligen Zentralrechners dar. De facto erhält der Nutzer nie seine Daten.

Früher hatten Busse ein feste Schilder mit Nummer und Ziel an Bord, die wurden komplett abgeschafft. Die beweglichen Klammern für das Anklemmen derartiger Schilder sind aber selbst in den modernsten Bussen noch immer vorhanden. Einige wenige Busfahrer (Warum eigentlich nur so wenige?) waren helle genug wenigstens einen Zettel mit der Nummer an die Frontscheibe zu kleben, der größte Teil fährt munter anonym durch Landschaft. Warum hat als primitive aber wirkungsvolle Rückfallmaßnahme nicht jeder Bus standardmäßig eine (gelbe) Plastikscheibe ca. 30 × 30 und einen Allesschreiber an Bord? Das ist hinreichend für die dreistellige Nummer. Nummer und Fahrtziel der Busse ändern sich ja nun auch nicht minütlich, so daß eine fehlende Echtzeitverbindung kein größeres Problem darstellen sollte, außer offensichtlich in Berlin.

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