Spaß mit der Luca-App

Wieder einmal hat sich der Staat von windigen Geschäftemachern bei einem IT-Projekt über den Tisch ziehen lassen. Der einzige Zweck der dieser App war ohnehin nur der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche ein behördensicheres Alibi-Werkzeug zur Wiederaufnahme bzw. Fortführung ihres Geschäftsbetriebes in die Hand zu geben. Findige Geschäftsleute, die von IT keine Ahnung haben, haben sich die Luca-App auf die Schnelle zusammenschustern lassen und bei einigen von IT ebenso ahnungslosen Landesregierungen teuer verkaufen können. Ob sie funktioniert ist dabei egal. Hauptsache die Veranstaltungsbrache kann endlich wieder arbeiten und die Politik kann sich nach den diversen Maskendebakeln (zuerst waren sie lt. Politik unnötig und nur Propaganda rechtspopulistischer Fremdenfeinde, dann konnte es gar nicht genug Maskenträger geben und dann hatten Politiker Maskenverkäufe als privates Zubrot im erbärmlichen Abgeordnetendasein entdeckt) als Macher gerieren. Jetzt ist das Rennen in vollem Gange: Finden sich schnell genug genügend Teilnehmer um Luca zum Quasi-Standard werden zu lassen oder fliegt der Betrug früh genug auf auf um die weitere Geldverbrennung zu stoppen. Ergebnis: noch offen.

Schon seit einiger Zeit gibt es heftige Kritik an der technischen Ausgestaltung der Luca-App (Universität EPFL in Lausanne, Telepolis, Golem, Zerforschung), doch nun hat auch die Spaßfraktion die App entdeckt.

Jan Böhmermann hat von Berlin aus mit rund 100 Besuchern einen nächtlichen Luca-Rundgang im Zoo von Osnabrück unternommen.


Enno Lenze hat einfach mal testweise ein privates Treffen auf Luca angemeldet und seine allerengsten Twitterfreunde mit dem auf Twitter geteilten QR-Code des Treffens eingeladen an seiner Coronaparty teilzunehmen (den ganzen Twitterstrang lesen oder Zusammenfassung). Das Treffen war ein grandioser Erfolg, die Zahl der aktuell Anwesenden stieg schnell über die Zahl derjenigen, die überhaupt eingebucht waren. Bei Über 600.000 Teilnehmern hat der Betreiber jedoch das Treffen wegen Verdachts auf Mißbrauch gelöscht. Wie mag er nur zu diesem Schluss gelangt sein? Wer sich eingebucht hatte konnte Enno Lenze jeder Zeit der Teilnehmerliste entnehmen. Überraschungsgast war „Pen is“ (ich wusste gar nicht, daß die Autorenvereinigung PEN eine Sektion im islamischen Staat hat). Zwischendrin (exakt bei 411.468 Teilnehmern) war jedoch die App auf dem ganz Händi dysfunktional geworden, der Status des Treffens ließ sich nicht mehr aktualisieren und das Treffen auch nicht mehr beenden. Nachdem der Veranstalter die Coronaparty beendet hat sind seine Gäste (teilweise?) in der Zombieparty gefangen, sie werden in dem nicht mehr vorhandenen Treffen eingebucht. Sie müssen daher die App de- und wieder neuinstallieren.

Auch ansonsten zeigt sich App recht gesprächig (Gesprächsfaden lesen!).

Wie man sieht ist die App ein echtes deutsches Qualitäts-IT-Produkt und super sicher. Man hat mit Sicherheit seinen Spaß!

Nachtrag 12.04.2021:

Netzpolitik ist den bisherigen Kosten der Luca-App für den Steuerzahler nachgegangen und hat bei Staatskanzleien und Ministerien nachgefragt. Ergebnis:

Die Betreiber von Luca erhalten knapp 20 Millionen Euro von den Bundesländern, in denen die App landesweit eingesetzt werden soll. Das geht aus Antworten hervor, die netzpolitik.org von den zuständigen Staatskanzleien und Ministerien erhalten hat.
[…]
Bundesländer:
Mecklenburg-Vorpommern: 440.000 €
Berlin: 1.200.000 €
Brandenburg 990.000 €
Niedersachsen: 3.000.000 €
Hessen: über 2.000.000 €
Rheinland-Pfalz: ?€
Bremen: rund 260.000 €
Baden-Württemberg: 3.700.000 €
Schleswig-Holstein: rund 1.000.000 €
Saarland: ?€
Bayern: 5.500.000 €
Sachsen-Anhalt: rund 1.000.000 €
Hamburg: 615.000 €
– Alle Rechte vorbehalten Luca / NeXenio

Anzumerken ist, daß es sich hierbei um Jahreslizenzen handelt! Ziemlich viel Geld für ein durch und durch marodes System.

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