Mit Östrogen in 80 Tagen um die Welt

Das ZDF beginnt heute im Fernsehen seinen mit der BBC neu gedrehten Weihnachtsvierteiler (Achtteiler in Mediathek) im ZDF. Die Geschichte ist kurz erzählt, der reiche Phileas Fogg, ein durch und durch von Selbstzweifeln zutiefst geprägter und von Problemen durchsetzter, ziemlich feiger Engländer, wettet im noblen Reform Club mit einem alten Schulfreund Bellamy um 20.000 Pfund, daß er in 80 Tagen die Welt umrunden könne.

Auf die Schnelle wird ein neuer Diener und Begleiter, Jean Passpartout, engagiert, ein Kellner aus dem Reform Club, weil der schon lange in Diensten von Fogg stehende Diener schon viel zu alt für derartige Unternehmungen ist. Passpartout ist ein junger, weit in der Welt herumgekommener Neger, der immer wieder bei jeder sich bietenden Gelegenheit betont, er sei Franzose, damit es auch wirklich jedermann mitbekommt. Bei der Überfahrt gesellt sich die, nach Anerkennung strebende, da von ihrem weißen Vater unterdrückt, eine Story witternde junge, trinkfeste wie toughe Journalistin Abigail Fortescue, „Fix“ genannt, die Tochter eines Zeitungsherausgebers aus dem Reform Club, zu ihnen. Sie zeichnet mit ihrem goldenen Herzen, aber dennoch energisch, für den Rest Films im Wesentlichen den Erfolg der Reise vor. Bei der Durchquerung des Wilden Westens geht Phileas Fogg nicht auf die Avancen einer Postkutschenfahrerin ein, trifft aber in New York seine alte und einzige Liebe seines Lebens, Stella, die er damals so schmählich enttäuscht hat, wieder. Man spricht sich aus, trennt sich freundschaftlich und Phileas Fogg betritt zusammen mit Fix und Passpartout den Ozeandampfer zur letzten großen Etappe seiner Reise, der Überfahrt nach Großbritannien. Die Überfahrt verläuft ohne größere Schwierigkeiten, die bereits auf der Reise angelegten zarten Bande zwischen Fix und Passpartout verfestigen sich und man erreicht schließlich, nach einem nächtlichen Zwangsaufenthalt im Gefängnis für Phileas Fogg bei der Einreise nach England zu rechter Zeit den Reform Club. Die Wette ist gewonnen, Bellamy wird wegen Unehrenhaftigkeit aus dem Reform Club ausgestoßen und Fix und Passpartout, wie konnte es anders sein, haben sich gefunden. Zu dritt macht man sich auf in das nächste Abenteuer.

Man muss es zugeben, es geht nicht anders, sie haben es geschafft Jules Vernes’ Geschichte durch Beseitigung von Charm und Selbstironie, wie sie bei den älteren Verfilmungen von In 80 Tagen um die Welt zu finden sind, und Ersetzen durch einen problembeladenen Antihelden auf Feminismus und Vielfalt zu trimmen. Für eine wirklich neue Geschichte hat es bei den Drehbuchautoren auch hier nicht gereicht, so wie man es schon von der verpatzten Fortsetzung von Ghost Busters kennt.

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