Photovoltaikpflicht

In letzter Zeit wird viel über (neue) Pflichten und eher gar nicht über Rechte diskutiert. Nun fordert der Vorsitz der deutschen Umweltminister eine Photovoltaikpflicht bei Neubauten:

Neubauten in Deutschland sollen nach Ansicht von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies verpflichtend mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. „Wir brauchen diese Pflicht bundesweit. Jedes Dach, das neu errichtet wird, muss verpflichtend mit Photovoltaik belegt sein. Das gilt dann für das Einfamilienhaus genauso wie für den Gewerbebau oder logischerweise für öffentliche Gebäude“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.
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Die Frage von Photovoltaik spiele aber nicht nur bei Neubauten eine Rolle, man müsse auch Lösungen finden, wie bei Sanierungen umgegangen werde, erläuterte Lies. „Die eigene Dachfläche mit Photovoltaik zu belegen, lohnt sich immer.

Ich gebe zu, ich kenne mich zwar mit dem konkreten ökonomischen Betrieb von Photovoltaikanlagen nicht aus (genausowenig wie Politiker), aber bei Forderungen von Politikern nach umfassenden Pflichten werde ich hellhörig, denn mit Pflichten ist das im Allgemeinen so eine Sache, sie werden meist dann verlangt bzw. verhängt, wenn sich freiwillig nichts bewegt, womit ich wiederum nicht gesagt haben will, daß Pflichten grundsätzlich abzulehnen sind. Führerscheine, Pilotenscheine und Sachkundenachweise bei verschiedenen Berufen sind sinnvoll, das wird auch kein vernünftiger Mensch bestreiten. Der Stillstand kann aber verschiedene Gründe haben, religiöse oder andere unsachliche Voreingenommenheiten oder eben auch rein Sachliche. Bei Letzteren dient dann eine Pflicht immer zur Durchsetzung von auf anderem Wege nicht erreichbaren ideologischen Volkserziehunsgmaßnahmen.

In der Breite sehe ich bei der Photovoltaik keine prinzipiell fehlende Akzeptanz dieser Technik an und für sich in der Bevölkerung und speziell bei Bauherren. Somit stellt sich die Frage, warum der Markt hier nicht funktioniert, wenn denn sich diese Anlagen in Deutschland, immerhin befinden wir uns auf dem 50 Breitengrad, tatsächlich so schnell rentieren sollten, wie von der Politik behauptet. Bauherren können in der Regel recht gut rechnen, allein schon weil bei Vielen Geld nicht im Überfluss vorhanden ist. Sofern es also nicht um reine Prestigebauten oder um militärische Anlagen geht, bei denen die Erstellungs- und Betriebskosten nicht der entscheidende Faktor sind, müssten Photovoltaikanlagen seit einigen Jahren ein Renner unter Bauherren aller Art sein sein. Allein niedrigere Betriebskosten bei gleichbleibender Mietzinshöhe wäre bei Geschäftsbauten, bei denen die Dachfläche im Vergleich zum Umbauten Volumen auch noch eher klein ist, in der Regel ein hoher Antrieb zu Installation und Nachrüstung, sollte die Politik recht haben. Da dies nicht der Fall ist, gehe ich für mich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, daß die Politik hier einem (ideologischen) Denkfehler aufsitzt.

Bei der Frauenquote haben wir ein ähnliches Problem vorliegen. Auf politischer-genderfeministischer Seite wird gern das Gender-Pay-Gap von 23% niedrigeren Gehältern für Frauen gegenüber Männern bei gleicher Arbeit argumentativ für eine Frauenquote angeführt. Träfe das zu (trifft es nicht, es wird nur wider besseres Wissens öffentlich, besonders vor Wahlen, behauptet) dann würden sich Arbeitgeber wohl kaum eine enorme Reduktion der Lohnkosten um 23% durch Einstellung von Frauen entgehen lassen und Männer müssten durch die Politik geschützt werden, da sie keine Arbeit mehr fänden. Die Realität straft die Politik Lügen. Warum sollte es bei der Photovoltaikpflicht anders sein, wird sie doch von derselben politischen, volksumerziehenden Richtung gefordert.

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