Genderismus: Vorbild Saudiarabien

Vor ein paar Tagen lief die 3. Gender Studies Tagung unter dem Titel „Arbeit 4.0 – Blind Spot Gender“. Die Veranstaltung plätscherte so vor sich, wirklich substantiell Neues gab es nicht und die Tatsache, daß unterschiedliche Berufsgruppen unterschiedlich stark von der Digitalisierung betroffen sind und dann dementsprechend auch mal eher Frauen oder Männer betroffen sind, ist inzwischen eine Binsenweisheit. Auf dieser Tagung hielt auch die amtierende Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Manuela Schwesig, einen Vortrag zum Thema „Mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen im digitalen Zeitalter“. Daß Ministerin Schwesig hart auf der Genderismsusschiene fährt, ist bekannt, dennoch seien ein paar Punkte aus ihrem Vortrag kurz erwähnt.

Eingangs sprach sie noch von Frauenquote, um dann aber mehmals betont von Geschlechterquote zu sprechen, eben der Einführung einer Geschlechterquote. Offenbar wird jetzt versucht den Begriff Frauenquote durch Geschlechterquote zu substituieren, wahrscheinlich weil es neutraler klingt, auch wenn das Ziel, die Einführung von Frauenquoten, unverändert bleibt und als Maßnahme um vorsorglich der zunehmenden Kritik mit Verweis auf die Verfassungwidrigkeit einer Frauenquote zu begegnen, auch wenn feministisch orientierte Juristen die Auffassung verteten, Art. 3 (2) GG sei nicht symmetrisch und daher Maßnahmen zur einseitigen Förderung von Frauen, bspw. durch Quotenregelungen, nicht verfassungswidrig sind.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Interessant auch ihre Einlassungen zum Gender-Pay-Gap. Zumindest nach außen hin hat sich auch bei ihr die Erkenntnis durchgesetzt, daß der geschlechtsspezifische Lohnunterschied von über 23% nicht haltbar ist, da verschiedene Effekte (bspw. die höhere Teilzeitquote bei Frauen) herausgerechnet werden müssen. So vertrat sie die Auffassung, daß, je nachdem wer gerade die statistischen Berechnungen durchführt, ein reales Lohnungleichgewicht von 3-6% besteht. Dennoch seien ihrer Meinung nach auch 3-6% immer noch ungerecht, die durch frauenfördernde Maßnahmen bekämpft werden müssten. Das Problem bei dieser Betrachtungsweise ist, daß derzeit die Ursache des verbleibenden geschlechtsspezifischen Lohnunterschieds nicht schlüssig erklärt werden kann und daher Maßnahmen zu seiner Beseitigung nur auf bloßen Vermutungen beruhen, denn es ist keineswegs klar, ob dieser Unterschied tatsächlich auf der Diskriminierung von Frauen beruht.

Weiterhin verteidigte sie intensiv ihre Initiative zum Lohntransparenzgesetz. Wie sie durchaus richtig feststellte, ist es in Deutschland ein Tabu über Gehälter zu sprechen, oft sogar vertraglich mit einer Schweigepflicht belegt (Anm. die ist allerdings auch international weit verbreitet). Da Frauen bei Gehaltsforderungen weniger offensiv als Männer aufträten und deshalb eher zu geringe Forderungen stellten (Wie war das noch mit Männer und Frauen sind nicht nur gleich, sondern Frauen können alles besser?), auch weil ihnen die Information über die Höhe der Gehälter in einer vergleichbaren Position fehle und sie daher nicht wüßten wieviel sie verlangen könnten, soll ein Lohntransparenzgesetz diese Benachteiligung beheben. Unbeantwortet blieb natürlich die Frage aus welchen Gründen die Männer unter identischen Bedingungen dennoch bessere Eregbnisse erzielen, denn die derzeitige Lohnintransparenz betrifft sie ja gleichermaßen. Hinzu kommt natürlich noch, daß es bei der Mehrheit der Stellen keine großartigen Gehaltsverhandlungen gibt — gerade auch die überwiegende Zahl der Teilnehmer der Veranstaltung werden aus Töpfen mit öffentlichen Mitteln finanziert —, da diese nach Tarif entlohnt werden und hier wieder nur Politik für Besserverdienende gemacht wird, wie bei der Frauenquote für Aufsichtsräte. Wenn es diese großflächigen Gehaltsunterschiede bei gleicher Leistung wie behauptet geben sollte, wäre es eigentlich die Aufgabe der Gewerkschaften bestehende Tarifverträge auf Ungleichbehandlungen zu durchforsten und diese ggf. zu bereinigen. Davon hört man aber nichts.

Ins Absurde glitt Fr. Schwesig aber bei ihrem Vergleich mit Saudiarabien ab. Sie steht für eine Förderung der Frauen in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern (MINT) und stellte in diesem Zusammenhang klar, daß in Saudiarabien 50% aller Informatikstudenten weiblich seien und wir in Deutschland erstmal dahin kommen müssten. Ähnliche Vergleiche sind mir von feministischer Seite bereits mehrmals unterkommen. Genderisten behaupten von sich immer, daß sie das bestehende Sytem hinterfragten, übernehmen aber nicht nur hier einfach Zahlen weil sie ihnen ins Konzept passen. Noch dazu von Ländern die in MINT-Fächern global gesehen vollkommen irrelvant sind und die in diesen Bereichen keinerlei Reputation aufweisen. Ohne jetzt über den genauen Prozentsatz zu streiten, lässt sich tatsächlich belegen, daß in einer ganzen Reihe von Ländern, die nicht gerade als feministisches Paradies bekannt sind, der Anteil weiblicher Studenten in MINT-Fächern erstaunlich hoch ist. Nun aber Saudiarabien, Katar und ähnliche Länder zum leuchtenden Vorbild zu stilisieren ist absurd. Nirgendwo auf der Welt und zu keiner Zeit hatten und haben Frauen mehr Möglichkeiten ihre individuellen Interessen selbstbestimmt zu verwirklichen als in der westlichen Welt. Sie müssen es einfach nur tun. Gerade die arabischen Länder sind ein Paradebeispiel für patriarchale Gesellschaften (man bedenke, in SA ist Frauen selbst Autofahren untersagt), die in Allem feministischen Interessen widersprechen. Daher ist es naheliegend, daß der höhere Frauenanteil andere Ursachen hat und bestimmt nicht auf besondere Freiheiten der Frauen in diesen Ländern zurückgeführt werden kann. Der höhere Frauenanteil könnte bei gleicher weiblicher Interessenlage wie bei uns, in einem frauenfeindlichen System allein durch das Desinteresse der Männer (schlechte Berufaussichten, schlechte Bezahlung, geringes Ansehen, o.Ä.) an MINT-Fächern in die Höhe schnellen. Aber allein die Annahme, Saudiarabien sei hier besonders frauenfreundlich ist einfach nur weltfremd, unglaubwürdig und bedarf der Erklärung bevor es als nachahmenswert deklariert wird. Anstatt also an dieser Stelle wirklich mal Ursachenforschung zu betreiben wird Saudiarabien als Vorbild gepriesen. Hauptsache es kommt dabei heraus, daß Frauen in Deutschland diskriminiert werden. Überhaupt neigt der heutige Feminismus zu einer merkwürdigen Überhöhung des Islams.

4 Kommentare

  1. […] in Deutschland überhaupt nicht existiert, was Fr. Schwesig neulich sogar selbst eingestanden hat (Vorbild Saudi Arabien), bezieht sich auf Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Hier verknüpft es sie auf […]

  2. […] und gibt zu, daß die kolportierte Zahl von 21% weniger Gehalt für Frauen, weil sie Frauen sind nicht stimmen kann. Genderisten kommen auch immer sofort ins Schwimmen, wenn man von ihnen konkrete Beispiele hören […]

  3. […] das heutige Afghanistan und natürlich auch Saudiarabien zum Vorbild nehmen, wie schon einst von Manuela Schwesig vorgeschlagen. In kaum einem anderen Land leben die Frauen so sicher und so frei wie dort, wenn sie […]

  4. […] mit islamischen Theokratien wie Afghanistan oder Saudiarabien ziemlich en vogue (Strickkurs, Informatikstudentinnen, Frauenkino). Diesmal ist es die Spiegelkolumnistin Margarete […]

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