Das kleine Survival-Handbuch

Das kleine Survival-Handbuch

Das kleine Survival-Handbuch,
ISBN 978-3-7688-1874-2

Aus der Vielzahl der Überlebensbücher sticht „Das kleine Survival-Handbuch“ von Rob Beattie zunächst durch seine transparente, neongelbe PVC-Buchhülle mit Reißverschluß hervor. Es ist im Taschenbuchformat gehalten und eignet sich somit für Jackentasche oder Wandergepäck. Der verständlich geschriebene Inhalt ist in neun Kapitel gegliedert:

  1. Die Vorbereitung
  2. Es geht los
  3. Wenn man festsitzt
  4. Wenn man sich verirrt
  5. Verletzungen und Unfälle
  6. Schutz suchen
  7. Feuer machen
  8. Wasser und Nahrung
  9. Hilfe holen

An diese neun Kapitel schließt sich eine 10-seitige Kurzreferenz mit Stichworten zu ausgewählten Situationen und einem Verweis auf die Seiten im Hauptteil des Buches an. Warum die Kurzreferenz nicht im Inhaltsverzeichnis auftaucht oder wenigstens die Seitenränder farblich abgesetzt sind, erschließt sich nicht, ist aber bei dem geringen Umfang des Buches auch nicht von überragender Bedeutung. Abgeschlossen wird das Buch von zwei Seiten Register und einer Seite für Notizen des Lesers.

Der Text liest sich flüssig, auch wenn man an einigen Stellen der Übersetzung kurz stolpert wie bspw. beim Begriff „diagonaler Winkel“, wenn schlicht quer gemeint ist. Das Buch enthält keinerlei Fotos, aber es finden sich in rot gehaltene Strichzeichnungen zur Verdeutlichung eines Sachverhaltes. Meist sind sie sinnvoll, wenige dienen nur der Auflockerung des Textes oder sind weniger gelungen (Darstellung der Wolkenformationen), an anderer Stelle hingegen wäre eine Zeichnung hilfreich gewesen (stabile Seitenlage).

Der Inhalt ist durchweg wissenswert und stellt eine gelungene Auswahl notwendiger Kenntnisse bereit. Allerdings gilt für dieses Buch auch, was für alle Bücher dieser Art gilt: Man sollte sie nicht erst im Falle eine Falles anfangen zu lesen, sondern bereits vor Antritt der Reise gelesen und das Ein oder Andere ausprobiert haben. Darüberhinaus sollte jedem, allein schon durch den geringen Umfang des Buches, kĺar sein, daß die Zielgruppen „nur“ zivilisationsgewohnte Wochenendwanderer oder Pauschaltouristen sind, denn für längere Touren jenseits der schnellen Erreichbarkeit zivilisatorischer Einrichtungen reicht der Inhalt nicht aus.

Die Ratschläge sind durchweg brauchbar und wissenswert, aber bei einigen Erklärungen wäre mehr Sorgfalt nötig gewesen. Didaktisch ist es nicht empfehlenswert Menschen nur zu sagen, daß sie etwas nicht tun dürfen, aber nicht warum sie es nicht dürfen, wie bspw. bei den Hinweisen zur Hilfe bei Unterkühlung (S. 61):

Vorsicht:

  • Keine unterkühlten Körperteile massieren!
  • Keine direkte Hitze (Feuer o. Ä.) zuführen.
  • Keinen Alkohol reichen!

Einige Erklärungen sind falsch, wie bei der von Blitzen (S. 38):

[…] Partikel laden sich auf […] bilden ein negativ geladenes elektrisches Feld. Gleichzeitig entwickelt sich am Erdboden ein positiv geladenes Feld, das umso stärker ist, je näher es den Wolken kommt […]

Oder bei der medizinischen Erklärung zur Blasenbildung (S. 56):

Was sind Blasen?
Die ständige Reibung zerstört Hautzellen an der betroffenen Stelle. Der Körper setzt daraufhin Histamine (körpereigene Abwehrstoffe) frei, die sich in flüssiger Form in einer Blase sammeln, um die darunter nachwachsende Haut zu schützen.

Mit ein paar Worten mehr wäre es möglich gewesen man eine richtige Erklärung zu formulieren. Um dann den Umfang des Buches zu halten, hätte man die bei diesem Buch überflüssige Kurzreferenz weglassen können. Beim Streichen der Kurzreferenz hätte man auch gleich noch Platz gewonnen, um den Abschnitt mit den Notfallsignalen ausführlicher (Boden-Luft-Markierungen, Körpersignale) zu gestalten.

Erwartungsgemäß findet sich auch eine Vorschlagsliste mit Dingen die in ein „Survival-Kit“ gehören. Es mag unterschiedliche Vorstellungen darüber geben, was genau und wieviel hineingehört, aber über das Grundlegene besteht Einigkeit, so auch hier. Allerdings bleiben einige Kritikpunkte. Das Papier und Bleistift hineingehören ist jedem klar, nicht aber, dass es wasserfestes Papier gibt. Dieser Hinweis fehlt. Eine Outdoor-Axt im einfachen Überlebensbeutel ist wohl übertrieben. Abgesehen von dem Modetrend alles für draußen mit dem Begriff Outdoor zu titulieren, wäre allerhöchstens ein Beil sinnvoll, aber ein wirklich stabiles Messer, neben dem obligatorischen Taschenmesser, dürfte in vielen Fällen die bessere Wahl sein. Beim Nähzeug fehlt der Hinweis auf die äußerst hilfreichen stärkeren Nähnadeln, wie sie zum Nähen von Segeln verwendet werden. Ebenso fehlen in der Packliste einige Meter rostfreier Draht (Messing oder Stahl) und eine Pinzette. An der Empfehlung zur Mitnahme eines Esbit-Kochers werden sich die Geister scheiden. Wenn man keine Fertignahrungsmittel dabei hat ist er meines Erachtens wenig geeignet, da schnell ein Brennstoffproblem entsteht und er für anderes Brennmaterial wenig geeignet ist. Ich persönlich ziehe einen, wenn auch etwas schwereren, Hobo-Ofen, allerdings in seiner modernen, klappbaren Form, vor. Ist Lesestoff in einem „Survival-Kit“ notwendig oder doch nur überflüssiger Ballast?

Es ist besser dieses Buch gelesen zu haben, als gar keines, dennoch erscheint der Preis im Vergleich mit anderen, wesentlich ausführlicheren Werken zu hoch.

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