Archiv für Wirtschaft

Brexit: Sigmar Gabriel will Briten möglichst schnell loswerden

Nachdem Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Tag nach dem erfolgreichen Brexit-Referendum in vorauseilender Panik seine Reise nach Moskau für diese Woche abgesagt hat, verlangt er nun von Bundeskanzlerin Angela Merkel Druck auf die Briten auszuüben. Es scheint als habe Gabriel das Austrittsverfahren nicht verstanden. Weiterlesen

Börsenfusion: Deus lo vult!

Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hält die Fusion der Deutschen und der Lodoner Börse für „gottgewollt“. Aber wahrscheinlich wird später versucht werden, seine Aussage als witzig-selbstironisch darzustellen.

Auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch hat Kengeter vor ein paar Hundert Zuhörern deshalb alle Zweifler erinnert, dass er in göttlicher Mission unterwegs sei. „Die Fusion ist gottgewollt“, sagte der Börsenchef. Eher unwahrscheinlich, dass Frankfurts Pfarrer den Satz bald von der Kanzel predigen.

Da bekanntlich die Wege des Herrn unergründlich sind, sollte auch bedacht werden, daß gottgewollt nicht gleichbedeutend mit erfolgreich im Sinne des Sprechers ist. Vielleicht möchte sich der Allmächtige (oder gar die Allmächtig_*inne[n]) auch nur der beiden Börsen auf elegante Art und Weise entledigen.

Immer wenn jemand transzendente Begründungen für sein Handeln anführt, zeugt dies vom Fehlen überzeugender Sachargumente für eine Angelegenheit bzw. es soll die Diskussion über eine bereits getroffene Entscheidung verhindert werden. Bei dererlei Argumentationsmustern sollte man genauestens hinsehen, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um den Versuch eine Sauerei zu verbergen. In der deutschen Politik hören wir ja auch permanent Dieses oder Jenes sei alternativlos®, quasi das säkulare Synonym für gottgewollt.

Twitter: 0,67% weniger Benutzer und 500 Millionen US$ Verlust

Die Online-Ableger der Zeitungen (FAZ) überschlagen sich gerade ob des neuen Quartalsberichts von Twitter:

  • Verlust von 2 Millionen Nutzern innerhalb eines Quartals auf aktive 305 Millionen.
  • Steigerung des Quartalsumsatzes um 48% gegenüber dem Vorjahr, auf jetzt 710 Millionen US-$.
  • Jahresverlust 2015: 500 Millionen US$.

Obwohl sich die Nutzerzahlen von Twitter entgegen den rein spekulativen Erwartungen von Börsianern nicht erhöht, sondern um 0,67% gefallen sind, hat Twitter immer noch 305 Millionen aktive Nutzer (oder ganuer gesagt soll haben, denn überprüfbar ist das ja nicht), Weiterlesen

Hewlett Packard: Werbung statt Service

Nachdem uns die EU den inzwischen auf so gut wie allen Seiten anzutreffenden und wegzuklickenden Hinweis auf „Cookies“ eingebrockt hat, hat sich nun Hewlett Packard etwas ganz Spezielles einfallen lassen um das Herz des geplagten Anwenders dabei besonders zu erfreuen. Man darf den dämlichen weil sinnlosen Cookiehinweis nicht einfach nur wegklicken, sondern gleich auch noch ein Paar Fragen beantworten: Weiterlesen

Gesche Joost als Nachfolger von Mehdorn bei SAP

In der Nachricht zum Abtreten von Hartmut Mehdorn ist die eigentliche Nachricht nahezu untergegangen, nämlich die zu seinem designierten Nachfolger im Aufsichtsrat von SAP:

Nachfolgerin von Mehdorn soll die Berliner Design-Professorin Gesche Joost werden. Sie forscht an der Berliner Universität der Künste zu Designthemen, unter anderem zur Interaktion zwischen Menschen und Computern.

Fr. Prof. Dr. Gesche Joost wurde im letzten Bundestagswahlkampf von Peer Steinbrück in sein „Kompentenzteam“ berufen (klar, weil: Frau, Akademikerin, sehr blond) Weiterlesen

Adblocker: Irreführende Warnmeldungen

Die Aktion von 1 & 1 bei GMX und Web.DE mit den irreführenden Sicherheitshinweisen um unbedarfte Nutzer zum Entfernen von Werbeblockern zu verleiten passt vollkommen ins Bild. Das dürfte auch nicht die letzte Aktion gewesen sein. Vor zwei Wochen hatte ich hier auf ein Interview der Internetworld mit Philip Missler, dem Geschäftsführer des Werbeunternehmens InteractiveMedia CCSP GmbH (Deutschen Telekom), in dem er klar stellt, daß seiner Meinung nach Adblocker „vehement in das Recht der Publisher eingreifen“. Das ist natürlich blanker Unsinn, da die Veränderungen auf dem Rechner des Benutzers und auf Veranlassung des Benutzers stattfinden. Noch darf man auf dem eigenen Rechner tun und lassen was man will, auch wenn es den Werbefuzzies nicht passt. Aber die Einstellung der Werbebranche ist damit deutlich formuliert worden. Das Feindbild sind Adblocker und aus Sicht der Werbeunternehmen tatsächlich so etwas wie Schadsoftware. Unter diesem Aspekt sind die Aussagen der Unternehmen die Malware-Warnungen dienten nur zur Sicherheit der Kunden und seien keine Täuschungsabsicht wenig glaubwürdig und meiner Meinung nach eine reine Schutzbehauptung. Es geht ausschließlich darum, Werbeblocker ausszuschalten, egal wie, um mehr Umsatz generieren zu können.

Die Unternehmen regen sich zwar über die „Kostenloskultur“ auf, aber begründen nie warum sie unbedingt daran teilnehmen wollen. Genausowenig wie eine Brauerei gezwungen ist Freibier auszugeben, ist irgendjemand verpflichtet eine Internetseite zu unterhalten oder Dienstleistungen im Internet anzubieten, schon gar nicht kostenlos. Wenn die Unternehmen meinen, sie verdienten zu wenig, hindert sie niemand daran ihre Dienste von heute auf morgen einzustellen, gemäß der in den meisten AGB’s enthaltenen Klausel. Das ist ihr gutes Recht. Aber offensichtlich ist der Nutzen immer noch groß genug, als das eine Einstellung in Frage käme. Insofern ist die Klage über Adblocker nur ein Lamentieren mit vollem Bauch.

Weiterführendes:

Freihandel und Exportüberschuss

In ihrem halbjährlichen Währungsbericht kritisieren die USA das deutsche Wirtschaftsmodell, welches zu hohen Handelsüberschüssen führt (Spiegel.de, Spiegel.de, Süddeutsche.de). Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, da die Kritik ausgerechnet aus dem Land kommt, welches selbst permanent nahe am Staatsbankrott agiert und mit seiner Politik die Wirtschaft etlicher Länder ruiniert hat. Nichts desto trotz sind sind die hohen Exportüberschüsse auf Dauer schädlich und damit selbstverständlich durchaus kritikwürdig. Hinter der Kritik durch die USA dürfte aber auch die Absicht stecken, das geplante Freihandelsabkommen möglichst schnell unter Dach und Fach zu bekommen, insbesondere weil auch bereits einige leise Stimmen laut werden, die Verhandlungen darüber auf Grund der Spionageaffäre auszusetzen. Auch neigen Abkommen mit den USA nicht daran, unter zuviel Ausgewogenheit zu leiden. Somit ist klar, daß die USA mit dem Freihandelsabkommen einzig ungehinderten Zugang zum europäischen Markt, insbesondere auch zum Deutschen mit seinen hohen Handelsüberschüssen haben wollen. Weiterlesen