Archiv für Theofiktion

Grüne Doppelmoral

Die Grünen wollen das Anbieten und Durchführen von Therapien zur Heilung von Homosexualität unter Strafe stellen, haben aber Ende letzten Jahres für die Legalisierung der Genitalverstümmelung bei Knaben gestimmt. Beides entspricht in grünen Augen dem Kindeswohl.

Die Grünen wollen Therapieangebote die auf die „Heilung von Homosexualität“ bei Kindern und Jugendlichen abzielen, wie sie bei uns von (fundamental)christlichen Gruppierungen angeboten werden, unter Strafe stellen:

Das Anbieten und die Durchführung von Therapien, die das Ziel haben, die sexuelle Orientierung bei Minderjährigen zu verändern, werden mit einer Geldbuße von mindestens 500 € geahndet.

Natürlich sind diese Angebote unsinnig, denn Homosexualität ist genausowenig heilbar wie schwarzes Haar oder blaue Augen, noch ist sie in einer freien Gesellschaft überhaupt behandlungsbedürftig. Religiöse Kreise rechtfertigen diese Angebote jedoch mit dem biblischen Verbot von Homosexualität. Immerhin schon ein gedanklicher Fortschritt, spricht doch die Bibel von der Todesstrafe für männliche Homosexuelle. alles lesen ⇒

Gott befahl das Opfern

Der gestrige Tag hat mal wieder sehr gut den Irrsinn von Religion verdeutlicht. Auf der einen Seite eine Mutter die ihre Kinder opfern wollte, weil es ihr Gott befohlen hat:

Die 36-Jährige habe nach anfänglichem Leugnen eine seltsame Erklärung abgegeben: Sie habe ihre 6, 13 und 16 Jahre alten Töchter “opfern” wollen. Gott habe ihr dies befohlen. Vor einem Jahr sei sie Augenzeugin eines Selbstmords geworden und nun überzeugt, dass eigentlich sie selbst habe sterben sollen. Deswegen habe sie auf ihre schlafende sechsjährige Tochter eingestochen. Die Frau sollte psychiatrisch untersucht werden.

Sie kommt in die Psychiatrie und es erheben sich keine (christlichen) Stimmen wegen Gotteslästerei gegen die Behörden, denn die halten die das Hören von Stimmen für eine psychische Erkrankung. Offenbar geht es es vielen Gläubigen ebenso. alles lesen ⇒

Die katholische Kirche erlaubt — Mit welchem Recht?

Gestern wurde auf der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen, daß vergewaltigte Frauen auch in katholischen Krankenhäusern unter bestimmten Bedingungen die „Pille danach“ erhalten können. Der Beschluss wird von den Medien an prominenter Stelle verkündet und von der Politik parteiübergreifend begrüßt. Nicht gestellt hingegen wird die Frage, mit welchem Recht die katholische Kirche befugt ist, die Allgemeinheit betreffende Entscheidungen zu treffen und was von Seiten der Politik unternommen wurde, um ähnlich gelagerte Fälle in Zukunft auszuschließen.

Quer durch den analogen und digitalen Blätter- und Senderwald wird seit gestern vollmundig verkündet, daß vergewaltigte Frauen jetzt auch in katholischen Krankenhäusern die „Pille danach“ erhalten können, sofern diese nur die Befruchtung der Eizelle verhindert. So haben es die deutschen Bischöfe auf der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) beschlossen und verkündet zu Trier (Frankfurter Rundschau, Focus, Süddeutsche, Tagesspiegel, Tagesschau). Selbst die ansonsten nicht zimperliche TAZ läßt ganz handzahm verlauten: alles lesen ⇒

Wahlkampfauftakt unter’m Kreuz

Anstatt sich um die Regierungs- und Parlamentsarbeit zu kümmern werden viele führende Mitglieder des Wächterrates der Bundesrepublik Deutschland als Amtsträger auf dem 34. Deutschen evangelischen Kirchentag (DEKT) ihre Zeit und unsere Steuergelder verschwenden. Man beklagt sich ansonsten immer über den Zeitdruck unter dem die Aufgaben der parlamentarischen Arbeit zu erledigen sind, aber offensichtlich findet man im Terminkalender genügend Platz für die aktive Teilnahme an einer privaten Veranstaltung zum Thema Märchenerzählerei, wohl auch um Wahlkampf zu betreiben. So wird Bundespräsident Joachim Gauck nicht nur am Eröffnungsgottesdienst teilnehmen, sondern auch an einer vom ZDF organisierten Gesprächsrunde. Neben Bundeskanzlerin Merkel, die einen Hauptvortrag halten wird, werden weiterhin Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Bundesumweltminister Peter Altmaier, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, SPD-Möchtegernkanzler Peer Steinbrück und die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen Hannelore Kraft erwartet. Da dies ein evangelischer Kirchentag ist, tauchen hier natürlich auch nur die Namen protestantischer Politiker auf, die Schar der katholischen wie Andrea Nahles, Wolfgang Thierse etc. fehlen daher an dieser Stelle. alles lesen ⇒

Chef-Exorzist dankt Benedikt XVI.

Der katholische Ex-Chef-Exorzist bedankt sich beim Ex-Papst Benedikt XVI für die freundliche Unterstützung der Geisteraustreiberei.

Chef-Exorzist Gabriele Amorth, der Anfang 2010 von sich selbst behauptete 70.000 Austreibungen vorgenommen zu haben (zum Vergleich: Der Mann weilte zum Zeitpunkt des Artikels am 10.3.2010 gerade mal 30.994 Tage auf dieser Welt und war rd. 19.400 Tage Priester, das wären mind. 3,6 Austreibungen pro Tag), hat sich bei Benedikt XVI. bedankt:

„Benedikt XVI. hat viel für uns Exorzisten getan. Er hat uns erlaubt, nicht nur vom Teufel besessene Menschen, sondern auch Personen, die teuflische Störungen erdulden müssen, zu behandeln“

Nur zur Erinnerung, falls es jemand vergessen haben sollte, das sind die Irren, die in unserem Lande haufenweise öffentliche Krankenhäuser und Kindergärten, bezahlt von unser aller Steuergeld, betreiben und die von den politischen Akteuren als unverzichtbarer Bestandteil einer Gesellschaft erachtet werden. Einige dieser Krankenhäuser haben übrigens auch eine psychiatrische Station, allerdings nicht zur Eigenbehandlung der Sektenmitglieder.

Ich kann jetzt nicht behaupten, daß ich die Nachricht, von was für Durchgeknallten weite Teile unseres Gesundheitssystems gekapert wurden, als beruhigend empfinde …

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird;
aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

Georg Christoph Lichtenberg

Nachtrag 19.02.2013:
Piotr Dobrowolski:

Die Kirche muss sich ändern

Katholiken wie Säkulare, ja selbst Vollblutatheisten, fordern oft, daß sich die Kirche ändern muss, sich modernen Zeiten anpassen und im 21. Jahrhundert ankommen soll. Doch nur selten wird die Frage gestellt, warum die Kirche überhaupt weiterbestehen soll.

„Die (katholische) Kirche muss sich ändern“, so oder so ähnlich hört man diesen Satz immer wieder und nicht erst seit dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Diese Meinung wird nicht nur von Mitgliedern, sondern auch von Nichtmitgliedern, selbst von Säkularen, vertreten. Insbesondere Letzteres überrascht mich eigentlich, denn was gehen Nichtmitglieder die Vereinsstatuten einer privatwirtschaftlichen Organisation an, mit der sie nichts tun haben, sofern die Statuten nicht den allgemeinen Gesetzen widersprechen? alles lesen ⇒

Wir waren Papst

Na toll, ein Mann in leitender Stellung gibt aus Altersgründen seinen Job auf und auf allen Kanälen gibt es Sonderberichte. Der überwiegende Teil von Tagesschau und Tagesthemen berichtet darüber, das heute-Journal ebenfalls und zusätzlich hinterher noch ein ZDF-Spezial, selbst die Nachtprogramme werden gekippt und jeder greifbare Pfaffe vor eine Kamera gezerrt. Die Zeitungsticker können da natürlich nicht zurückstehen. Das Meiste davon hört und liest sich, wie vorbereitete Nachrufe auf den toten Papst, dabei hat er nur gekündigt, auch wenn der Unterschied nicht groß ist. alles lesen ⇒

Hochschultheologie kämpft ums Überleben

Hochschul-Theologie im Überlebenskampf ist doch für den Jahresanfang schon mal eine recht gute Meldung. Außerdem fügt sie sich nahtlos in den positiven Trend der letzten Jahre:

Zwei kleine Wermutstropfen bleiben allerdings:

  1. Der Überlebenskampf entsteht durch Studentenmangel, das Problem löst sich also biologisch, und ist keine Folge von Einsicht an den Universitäten, daß Theologie vieles ist, aber keine Wissenschaft, mithin nichts an Universitäten und Schulen zu suchen hat. Die Selbstreinigung an den Universitäten funktioniert nicht, diese Erkenntnis wiederum, ist weder gut noch neu.
  2. Die organisierte Theofiktion der Großsekten leidet an Mitgliedermangel, dafür nimmt aber die Anzahl kleiner Splittergruppen mit religiös-esoterischem Gedankengut, welche die Politik erfolgreich unterwandern, zu.

Pille danach verweigert — Wer trägt die Verantwortung?

Nach der Abweisung einer vermutlich vergewaltigten Frau durch zwei Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft, wird allerorten die Frage nach der Verantwortung aufgeworfen. Beantwortet wird sie meist dahingehend, daß die katholische Kirche in der Pflicht steht. Doch diese Sichtweise ist nur ein kleiner Teil unschönen Wahrheit.

Bei der gegenwärtigen Diskussion um die beiden Kölner Skandalkrankenhäuser in katholischer Trägerschaft, die eine vermutlich vergewaltigte Frau abgewiesen haben und um einen weiteren, ähnlich gelagerten Fall, weil die dort beschäftigten Ärzte keine „Pille danach“ verschreiben dürfen stellt sich, neben der Tatsache warum für die „Pille danach“ überhaupt eine Rezeptpflicht besteht, die Frage nach der ursächlichen Verantwortlichkeit. Bei der Suche nach der Antwort, sollte man streng logisch vorgehen, andernfalls droht man seine Energien sinnlos an der falschen Stelle zu verschwenden. alles lesen ⇒

Türkische Kulturgemeinde wirft LEGO Verletzung religiöser Gefühle und Volksverhetzung vor

Der Vorwurf der Volksverhetzung der Türkischen Kulturgemeinde Österreich gegen Lego wegen des StarWars Bausatzes „Jabba’s Palace“ zeugt bei näherer Betrachtung von einem eigenartigen Selbstbildnis einiger Moslems. Gleichzeitig offenbart sie die Gefährlichkeit religiösen Denkens.

StarWars Baukasten „Jabba’s Palace“ von LEGO (Vorderansicht)

StarWars Baukasten „Jabba’s Palace“ von LEGO (Vorderansicht)

Neulich war mir der Aufstand der Türkischen Kulturgemeinde Österreich gegen LEGOs Baukasten „Jabba’s_Palace“ ob seiner Skurilität nur einen kurzen Tweet wert, aber inzwischen zieht die Sache immer weitere Kreise (Spiegel, Welt). Aufmerksamkeit hat die Gemeinde nun reichlich bekommen. alles lesen ⇒