Bergrettung: Nicht überall muß gerettet werden!

Das Erdbeben hat eines der ärmsten Länder der Welt getroffen aber man macht sich mehr Gedanken um ein verlorenes Weltkulturerbe und vermutlich ums Leben gekommene Bergsteiger. Die Innenstadt von Kathmandu ist für die Anzahl der Menschen sehr eng und unübersichtlich und die Gebäude sind im Grunde überbevölkert. Das letzte Problem was die Menschen dort unten jetzt haben, ist die Sorge um das Weltkulturerbe, sondern die um ihr Leben und das ihrer Angehörigen. Wenn die Nachrichten stimmen und die Zugangswege zu den Bergdörfern tatsächlich verschüttet sind, was ohne Weiteres glaubwürdig ist, da dort bergtypisch viele Wege an Bergflanken und Pässen vorbeiführen, könnten die Zahlen der Toten in den nächsten Wochen noch beträchlich ansteigen.

In Thorung Pedi hatte im Oktober vergangenen Jahres ein plötzlicher Schneesturm eine Katastrophe ausgelöst. Mindestens 43 Menschen starben, darunter 21 ausländische Bergtouristen. Schon damals wurde Kritik daran laut, dass es in Nepal keine Bergrettung gibt.

Fordern ist immer leicht, nur wenn’s ans Bezahlen geht, werden andere scharf angesehen. Vielleicht sollte man auch einfach mal die prinzipielle Frage erörtern, ob es überhaupt Bergrettung für Bergsteiger und Bergwanderer geben muss, denn diese begeben sich aus freien Stücken und ohne jegliche Notwendigkeit in diese Gegenden, um die durchaus eindrucksvolle Landschaft zu erwandern, zu genießen. Wer in diese Gegenden fährt, weiß im Voraus, daß er im Falle des Falles auf sich selber gestellt ist. Ich persönlich stehe sogar auf dem Standpunkt, daß die Unzugänglichkeit und mancher Orts die Abgeschiedenheit auch Teil sowie Ziel des Erlebnisses sind.

Bevor man eine relativ teure und spezifische Bergrettung für Touristen fordert, sollte man erst einmal das grundlegende Gesundheitssystem, die Wasser- und Lebensmittelversorgung etc. für die Bevölkerung eines Landes sicherstellen und unterstützend eingreifen. Die Fürsorge für Touristen sollte an letzter Stelle stehen. Außerdem wird bei der Forderung das dem Menschen innewohnende Phänomen der Risikokompensation nicht berücksichtigt. Je besser ausgebaut das Rettungssystem ist, desto unbedarftere Leute kommen mit ihrer Vollkaskomentalität in solche Regionen, weil es ja ein gut ausgebautes System gibt, ein Teufelskreis. Weiterhin sollte auch nicht unbedacht bleiben, daß sich Bergretter oftmals selbst in Lebensgefahr begeben müssen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Was bringt es, einen Touristen zu retten, wenn der Bergretter dabei umkommt? Nichts!

Übrigens sehe ich das für Regionen wie die Alpen ebenso, auch dort muß nicht jeder an jedem Ort gerettet werden. Es wäre weitaus besser, auf allen Karten die eher unzugänglichen Regionen deutlich auszuweisen und auch klar zustellen, daß dort keine Bergrettung erfolgt. Diese Gebiete sind natürlich weiterhin für jedermann offen zugänglich, allerdings wortwörtlich auf eigene Verantwortung. Als Nebeneffekt käme es der Bergwelt auch zu Gute. Analoges gilt für Wüsten, das Outback und die Weltmeere. Allzu abseits der Verkehrswege ist jedermann ausschließlich für sich selbsr verantwortlich.

Nachtrag 27.05.2015

Offensichtilich bin ich nicht der Einzige, den die übertriebene Besorgnis um die Bergsteiger am Himalaya stört. Reinhold Messner kritisiert „Zwei-Klassen-Rettung“. Er hat recht, denn die, denen es jetzt noch dreckiger geht als sonst, müssen dort mit ihren Familien weiter leben, sie können nirgendwo anders hin.

2 Kommentare

  1. Bergson sagt:

    Übertriebene Besorgnis um Bergsteiger in Nepal? Gehe ich mit. Und Messner hat recht. Womit ich gar nicht mitgehe ist:

    Übrigens sehe ich das für Regionen wie die Alpen ebenso, auch dort muß nicht jeder an jedem Ort gerettet werden. Es wäre weitaus besser, auf allen Karten die eher unzugänglichen Regionen deutlich auszuweisen und auch klar zustellen, daß dort keine Bergrettung erfolgt.

    So eine Forderung ist fernab jeglicher Realität. Mit gleicher Konsequenz kann man dann auch Seenotrettung u.ä. einstellen. Muss ja keiner mit nem Boot aufs Meer, nur so aus Vergnügen. Rettungsschwimmer brauchts auch nicht. Sollnse halt die Schilder am Strand beachten. Selber schuld. etc.

    Gebiete im Gebirge als „gefährlich“ und ungefährlich“ zu deklarieren ist völlig unmöglich. Ein vereister Wanderweg bei Nebel kann hochgefährlich sein, eine senkrechte 500m Wand im Granit harmlos für den Könner. Bergretter machen ihren Job übrigens freiwillig, u.a. auch deswegen, weil sie selber Bergsteiger sind und ev. auch mal in eine schlimme Lage kommen können. Unfälle geschehen (nicht nur im Gebirge) meist aus einer Verkettung von kleinen Ursachen, der Erfahrene merkt in der Regel rechtzeitig solche beginnenden Szenarien. Nur, Erfahrung muss man eben auch erstmal sammeln. Zu meinen, man könne per Strichen auf der Landkarte Gefahren reduzieren ist albern (sorry für diese Frechheit, aber ich finde sie angemessen 🙂 )

    Vorsichtshalber noch: Klar, es gibt sie, die Idioten. Von nix eine Ahnung, einfach mal losziehen und wenn es nicht mehr weiter geht -> Handy -> Rettung anrufen. Immerhin zahlen sie dafür.

  2. Wozu du Schilder, wenn klar ist, daß es keine Rolle spielt, ob man sie beachtet oder nicht? Allerdings besteht ja auch nicht die Gefahr, daß mein Vorschlag umngesetzt wird. 😀

    Das Problem in unseren Gesellschaften ist halt, daß die Politik allerorten Eigenverantwortung predigt, aber im Grunde niemand eigenverantwortlich handeln soll und inzwischen auch nicht mehr will. Man spricht dann lieber Verbote und Regularien aus und sperrt (gefährliche) Gebiete ganz ab. Es gibt diesen Hang von Menschen, irgendwelche Gefahren einzugehen (was per se für mich vollkommen i.O. ist), dann aber wie selbstverständlich darauf zu bauen, daß einen jemand aus der Scheiße holt. Wenn es dann in solchen Fällen tatsächlich mal wieder gründlich schiefgeht, kommt die Diskussion auf, wie man das hätte verhindern können, wer dafür politisch verantworlich ist etc. Daher meine Meinung knallhart zu sagen „wer da rein|rauf geht ist auf sich selber gestellt“.

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