Globuli bei warmen Lichte betrachtet

Homöopathika werden in verschiedenen, oftmals absurd hohen (1:1060, 1:10100, ja selbst 1:101.000), Verdünnungen hergestellt und verkauft. Rein rechnerisch kann bei derart hohen Verdünnungen kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr in den Globuli vorhanden sein. Wenn denn aber unterschiedliche Globuli eine jeweils spezifische Wirkung entfalten sollen, müssten sie sich unterscheiden, doch worin liegen die Unterschiede?

Eine Arbeitsgruppe von der medizinischen Universität Lublin, Polen, hat sich des Problems angenommen und einige Homöopathika analytisch mittels Infrarotspektroskopie (IR-Spektroskopie) untersucht [1]. Bei dieser, in der analytischen Chemie häufig verwendeten Methode werden Proben Infrarotstrahlung ausgesetzt und die Absorption bei verschiedenen Wellenlängen gemessen. Bei unbekannten Substanzen unterstützt sie die Strukturaufklärung, da verschiedene chemische Molekülgruppen charakteristische Absorptionslinien zeigen und bei bereits bekannten Substanzen lässt sich ein Nachweis der Substanz in der Probe führen.

Als Untersuchungsmaterial dienten die zehn handelsüblichen Homöopathika — fünf anorganische Substanzen und fünf organische Tinkturen — Aconitum napellus, Alumina, Ammonium carbonicum, Antimonium crudum, Bryonia alba, Camphora, Colchicum autumnale, Histaminum, Iodum and Magnesia muriatica, jeweils in den „Potenzen“ 5 CH, 9 CH, 15 CH, entsprechend den Verdünnungen 1:1010, 1:1018, 1:1030 aus der Apotheke nebenan. Von diesen Proben wurden an sechs Tagen, jeweils in unterschiedlicher, zufallsbestimmter Reihenfolge — um Beeinflussung durch Geräteveränderungen wie bspw. Erwärmung auszuschließen — Infrarotabsorptionsspektren im Bereich von 1-15 µm aufgenommen, mithin also 10 Proben × 3 Verdünungen × 6 Tage = 180 Spektren.

Die Auswertung der Spektren, selbst unter Zuhilfenahme statistischer Verfahren, verlief insofern ergebnislos, als das sich weder die Spektren der Globuli unterschiedlicher Verdünnungen, noch die, unterschiedlicher Substanzen voneinander unterscheiden ließen. Die einzig gemessenen Unterschiede lagen innerhalb der durch atmosphärische Störungen, Geräteveränderungen während der Messung etc. üblichen Schwankungen. Das es immer eine gewisse Streuung der Meßergbnisse gibt, ist jedem der wissenschaftlich arbeitet vollkommen einsichtig (Im Gegenteil, wenn zwei Messungen vollkommen identische Ergebnisse liefern, deutet dies eher auf einen Fehler oder gar auf Datenfälschung hin.). Aus diesem Grunde wurde auch die chronologische Reihenfolge der Proben bei der Messung durch Zufall festgelegt, denn andernfalls hätten normale systematische Fehler (bspw. durch Temperaturänderung im Gerät oder der Proben) als Unterschiede der einzelnen Proben identfiziert werden können.

Resümee

Aus Sicht der Infrarotspektroskopie waren alle Globuli, egal welcher Verdünnung oder welchen angegebenen Inhalts identisch und inhaltsleer!

Die Autoren sind jedoch vorsichtig und wollen ihre Arbeit nicht allgemein als einen Beweis zum Nichtfunktionieren der Homöopathie oder des Gegenteils verstanden wissen, sondern weisen nur darauf hin, daß Homöopathie in der IR-Spektroskopie unsichtbar ist.

Literatur

  1. Chemometrics meets homeopathy – an exploratory analysis of infrared spectra of homeopathic granules. K. Gorlowska, J. Gorlowska, R. Skibiński, Ł. Komsta. J. Pharm. Biomed. Anal. 2015, 115:36-38, DOI: 10.1016/j.jpba.2015.06.025, PubMed #26148470

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