Alexa, die große Schwester

Star-Trek-Fans kennen es schon lange, man sagt ein Schlüsselwort („Computer“), stellt anschließend eine Frage und der mit Spracherkennung ausgestattete Computer liefert die passende Antwort. Amazon bietet nun genau so eine unauffällige Mikrofon-Lautsprecher-Kombination an. Einmal in der Größe einer Mineralwasserflasche unter dem Namen Echo für 179,99 € und eine kleinere Version, Echo Dot, für 59,99 €. In Deutschland allerdings bisher nur auf Einladung, wohingegen die Geräte in den USA bereits frei verkauft werden. Konfiguriert werden sie über eine App auf dem Händi, die permanente Internet Verbidnung zum Internet wird per WLAN hergestellt. Auf ein in den Raum gesprochenes Schlüsselwort („Alexa“) hin, werden die Geräte aktiviert und versuchen den dem Schlüsselwort folgenden Befehl zu interpretieren und entsprechend zu reagieren (Musik abspielen, Auskunft geben, Termin ansagen, etc.). Im Grunde erwirbt der Kunde mit den Echo-Geräten eine persistente Raumüberwachung, in dem Glauben darauf, daß tatsächlich nur der Befehlssatz per Internet an die Server von Amazon zur Auswertung übermittelt wird.

Nun spielt das Gerät in einem Mordprozess in Bentonville (Arkansas, USA) eine Rolle (heise, The Information). Die Ermittler fordern von Amazon.com die Herausgabe der Audio-Aufzeichnungen und sonstiger Daten des vernetzten Lautsprechers eines Tatverdächtigen, da der Beschuldigte die Zugangsdaten nicht preisgibt, zu Recht, denn er muss sich nicht selbst belasten. Bisher soll Amazon die Herausgabe veweigert haben und diese auch nur unter Vorlage rechtsgültiger und ordnungsgemäß zugestellter Aufforderungen tun wollen. Also eine reine Formalie und nicht weiter bemerkenswert. Das eigentlich interessante an dem Fall ist aber, daß die Daten nicht allein nur zur Spracherkennung an die Amazonserver übermittelt werden, sondern die Kommandos, bzw. die Sprachfetzen die Echo dafür hält, offenbar dort auch (dauerhaft?) gespeichert werden. Selbstverständlich alles nur zur Qualitätsverbesserung.

Ich bin jetzt wirklich mal gespannt wieviele Leute sich diese 24-Std.-Raumüberwachung in die Wohnung stellen werden. Durch nur leichte Modifikationen an der Aktivierung könnte man also in Zukunft live in den Zimmern fremder Leute mithören. Gut, man hat ja schließlich nichts zu verbergen, aber gilt das auch für alle Besucher? Wird man es in Zukunft ganz normal finden an Wohnungstüren folgendes Schild vorzufinden?

Mit Betreten dieser Räumlichkeiten willigen Sie unwiderruflich in die Übermittlung, Aufzeichnung und dauerhafte Speicherung Ihrer Gespräche oder Teile davon ein.

Schöne neue Welt.

2 Kommentare

  1. Fiete sagt:

    Moin Feuerwehrmann,
    das ist ja Big Brother original.
    Daß Alexa keine gute Sache ist weiß man ja etwa seit „Alexa-F.O“… .
    Aber das Ding ist ja quasi Alexa²!
    Und es gibt echt Leute, die sowas nicht nur nicht verhindern, sondern sich sozusagen einbauen, „weil es toll ist“?
    ( Facepalm! )

  2. Ein gewisses Faszinosum ist diese Technik ja schon. Ich fand das damals bei „Raumschiff Enterprise“ ganz praktisch. Es handelt sich dabei auch um das ureigenste Kommunikationsmittel des Menschen: seine Sprache.

    Nur bleibt eben bei den diversen Abhörskandalen (nicht nur Geheimdienste, man denke auch an die Sache mit dem Online-Vibrator) und Hackerangriffen unverständlich das Menschen immer noch nichts gelernt haben. Die Ignoranz ist enorm.

    Mal abwarten wie erfolgreich das Ding in DE tatsächlich werden wird. Bei freier Verfügbarkeit muss man dann halt bei Besuchen nach Überreichen der Blumen oder des CrystalMeth an der Wohnungstür fragen, ob es drinnen ein Echo gibt. Der Abend verläuft dann vielleicht ruhiger als erwartet.

    Mir kommt so ein Ding jedenfalls nicht über die Schwelle.

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