Ruf nach Legalisierung der Mädchenbeschneidung

Es kommt wie es bereits von vielen Gegnern der Knabenbeschneidung befürchtet, so auch hier und hier, wurde: Der Ruf nach Legalisierung der Mädchenbeschneidung! In einer Veröffentlichung von Oktober diesen Jahres fordert der Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität in Menofiya (Ägypten), Mohamed Kandil, von allen Politikern ein Überdenken des Verbots der Mädchenbeschneidung. Seine Erkenntnisse entstammen einem Fachliteratustudium zur Mädchenbeschneidung aus Veröffentlichungen der Jahre 1980-2012. Die Ergebnisse des Literaturstudiums lassen ihn zu dem Ergebnis kommen, daß nicht genügend Beweise für die Schädlichkeit der Mädchenbeschneidung vorliegen und deshalb zumindest Typ I legalisiert werden solle.

There is insufficient evidence to support the claims that genital cutting is a harmful procedure if performed by experienced personnel in a suitable theatre with facilities for pain control and anesthesia. Cutting, however, is advised not to go beyond type I.

Seine Argumentation deckt sich weitestgehend mit der der Befürworter der Knabenbeschneidung, denn auch er fordert Aufklärung der Eltern und durch die Legalisierung will er eine Abwanderung in die Illegalität verhindern, um schlimmere Komplikationen zu verhindern. Ebenso wie bei den Befürwortern der Knabenbeschneidung geht es auch ihm nicht wirklich um die Mädchen (Kinder), sondern um die möglichst ungestörte Verwirklichung der Glaubensvorstellungen der Eltern.

Law makers around the globe are invited to review the legal situation in relation to female genital cutting. Proper counseling of parents about possible risks is a must in order to make informed decision about circumcising their daughters. The procedure should be offered to parents who insist on it; otherwise, they will do it illegally, exposing their daughters to possible complications.

Er sieht in der Typ I Beschneidung von Mädchen das Äquivalent zur Knabenbeschneidung. Dies führt ihn zu dem Schluss, daß wenn Knabenbeschneidung als unbedenklich gelte, dies auch für die Mädchenbeschneidung Typ I gelten müsse und daher ebenfalls legalisiert werden müsse.

In Islam and Judaism, male circumcision is a must while female is not. In Islam, if female circumcision is desired by parents, it should not go beyond type I FGC (Ia is removal of the prepuce and Ib is removal of the prepuce and clitoris) according to hadith “Sunna type of circumcision”. This type of female genital surgery is equated with male genital surgery.
[…]
The ban against FGC seems to be gender based, especially because no similar act was taken against male circumcision. If male circumcision is considered safe by anti FGC groups, they should advise how to render FGC as safe as male circumcision instead of enforcing the ban against it.

Bis zu diesem Punkte ist seine Schlußfolgerung insofern logisch zwingend, als daß eine Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Beurteilung gegeben sein muss. Seine Behauptungen lassen aber eben auch den umgekehrten Schluss zu, nämlich daß sowohl Beschneidungen von Jungen als auch von Mädchen verboten gehören. In seiner Betrachtung läßt er die Regelungen aus den Allgemeinen Menschenrechten (Recht auf körperliche Unversehrtheit), der UN-Kinderrechtskonvention (Art 24 (3)) und daß es keine medizinische Indikation für eine (Teil-)Amputation gesunder Körperteile gibt, vollkommen außer acht.

Anscheinend sieht er im Verbot der Mädchenbeschneidung eine Diskriminierung, denn die Frauen aus Gesellschaften welche Genitalverstümmelung praktizieren, werden erst dadurch stark und begehrenswert.

Women in societies which practice FGC and the practicing immigrant minorities living in the west consider that strength and identity partly come from the pain and difficulty which FGC causes, making them ‘strong’ and ‘desirable’ women.

Vielleicht könnten ja ein paar schnelle Schnitte einige unserer Frauen stark (und begehrenswert ?!) genug machen, um eine Komikernation (Angela Merkel) zu regieren, den eigenen Identitätskern (Charlotte Knobloch) zu festigen und weiterhin vollkommen ausgewogen für ein Recht auf Beschneidung (Bilkey Öney) einzutreten.

Unter der Annahme, daß sich in westlichen Nationen hoffentlich niemand ernsthaft für die Legalisierung der weiblichen Gentialverstümmelung einsetzen wird, kann vielleicht paradoxerweise seine Forderung nach Legalisierung der weiblichen Genitalverstümmelung dazu führen, daß über eine Gleichbehandlung der Geschlechter auch die Jungen ihr Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit zugestanden bekommen.

Neben seinem Leherstuhl für Gynäkologie und Geburtshilfe an der ägyptischen Universität, ist Mohamed Kandil auch Mitglied bei der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung. Allerdings hat die Stiftung nach Publikwerden seiner Veröffentlichung die Notbremse gezogen und ihn zumindest von der offiziellen Mitglieder- und Publizistenliste entfernt.

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie tief archaïsche Denkmuster auch in vermeindlich aufgeklärten Menschen verankert sind und zeigt überdeutlich die Unvereinbarkeit von Wertvorstellungen der Aufklärung einerseits und der Religion/Tradition andererseits. Westliche Politiker betreiben ein gefährliches Spiel, wenn sie die Augen vor den Folgen ihrer Beschwichtigungspolitik gegenüber den Religionen verschließen.

Weiterführendes:

11 Kommentare

  1. Stephan sagt:

    Mein rosa Einhorn hat eine Tradition ins Leben gerufen, die mir vorschreibt, dummschwätzenden Professoren die Eier ab zu schneiden.
    Wo wohnt der Mann ?

  2. Rein theoretisch besteht noch die Möglichkeit, daß er als Agent Provocateur genau das Gegenteil von dem erreichen will, was er schreibt. Ich bin nicht wirklich überzeugt davon, aber ausschließen kann ich es auch nicht.

  3. […] Ruf nach Legalisierung der Mädchenbeschneidung (Feuerwächter) Tweet Schlagworte: Beschneidung, Genitalverstümmelung, Gesetzesvorlage […]

  4. […] Ruf nach Legalisierung der Maedchenbeschneidung (Feuerwächter.org) […]

  5. […] der Klitoris-Beschneidung Typ I (siehe unten), laut. Das forderte z. B. der ägyptische Professor Mohamed Kandil von der Universität […]

  6. […] Inzwischen werden sogar wieder Stimmen laut auch Mädchenbeschneidung zu erlauben. Ist es also auch monströs, wenn sich Eltern dsbzgl. vor dem Strafrichter wiederfänden oder […]

  7. Achim Wolf sagt:

    Sehr geehrte Frau Karch,

    Genitalverstümmelung ist zur Hauptsache ein Problem in Ländern, in denen die Männer Frauen unterdrücken, rücksichtslose Machos sind und sich selbst beweisen wollen, wie potent und männlich sie angeblich sind. Der Männlichkeitswahn wiederum ist ein Grund für das weltweite Bevölkerungswachstum, das insgesamt zur grössten Bedrohung der Menschheit geworden ist.

    Unsere Initiative für weltweite Geburtenregelungen stärkt auch die Rechte der Frauen und Mädchen, wie das Recht auf körperliche und psychsiche Unversehrtheit, sowie das Recht auf freie Entscheidung über Nachkommenszeugung und Schwangerschaft.

    Berichten Sie daher über die folgende Kampagne bei change.org für weltweite Geburtenregelungen und unterstützen Sie diese mit Ihrer Unterschrift, in Ihrer Zeitschrift und auch auf Ihrer Homepage: http://chn.ge/1bSmBDH

    Mit freundlichen Grüßen
    Achim Wolf

  8. @Achim Wolf

    1. Der Kommentar sollte wohl woanders hin. Eine Fr. Karch ist hier jedenfalls unbekannt.
    2. Wenn man schon seine Petition per Kommentar hart am Spam bekannt machen will, sollte man bei Copy-&-Paste-Texten aufpassen und sich wenigstens die Mühe machen den Artikel zu lesen (siehe http://scienceblogs.de/bloodnacid/2013/10/18/wtf-forensik-selbstverstummelung-durch-cannabis-psychose/#comment-11428).
    3. Die Schuld der weiblichen Genitalverstümmelung allein auf den Mann abzuwälzen, ist zu einfach, sind es doch die Frauen die auch diese Tradition am Leben erhalten. Sie schicken ihre Töchter und Enkelinnen, trotz der eigenen unangenehmen Erfahrungen, zu den Beschneiderinnen. Es sind nicht die Männer, jedenfalls nicht in der überwiegenden Zahl, die hier Druck auf die Frauen ausüben. Insofern geht die verlinkte, längliche Petition ohne wirklich konkrete Forderungen, dsbzgl. auch an der Sache vorbei. Selbst wenn die Mütter Geburtenkontrolle betrieben, hieße das nicht automatisch, daß sie auch auf die weibliche Beschneidung verzichten würden, da diese bereits selbstbestimmt (i.S.v. unabhängig von Männern) durchgeführt wird.

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