Der Mann der auszog um Kanzler zu werden

Ich habe mich gestern mal unter die Jünger der SPD-Wahlkampfveranstaltung vor dem Brandenburger Tor gemischt. Da waren tatsächlich aus etlichen Teilen der Republik SPDler angereist um sich hier auf ihren Wahlkampf einzustimmen, der 150. Geburtstag der SPD war nur Namenspatron.

Neben der überdimensionierten Bühne (deutlich größer als bei anderen Großveranstaltungen auf dem Platz des 18. März) gab es die bei solchen Anlässen üblichen Stände mit Propagandamaterial und natürlich die ganz wichtigen Imbiß- und Getränkestände um die Leute zu halten. Alles nichts Aufregendes. Die Stimmung war nicht wirklich schlecht, aber als ausgelassen würde ich das nicht bezeichnet haben wollen, es wirkte alles etwas verhalten, trotz des trocken-warmen Sommertages. Blieb nur noch die Rede des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, aber da kam auch nichts wirklich Mitreißendes. Sie bestand im Grunde nur aus den üblichen Schlagworten der letzten Jahre (Chancengleichheit, Gleichberechtigung, Mindestlohn, pro doppelte Staatsbürgerschaft, Kampf gegen Steuerhinterziehung, sogenannte Euro-Krise etc.) verbunden durch Plattitüden aus dem Floskelgenerator um daraus ganze Sätze formen und eine Stunde füllen zu können. Abgesehen von den zwei Stellen an denen die Merkelbande direkt angesprochen wurde (waren wohl nur zwei Stellen, wenn ich mich recht erinnere), hätte die Rede in ihrer Substanzlosigkeit auch von Fr. Merkel kommen können. Als SPD-Anhänger nickt und klatscht man selbstverständlich wenn das richtige Schlagwort fällt, ruft auch mal Peer dazwischen, aber das war es dann auch schon. Erst im letzten Drittel seiner rund einstündigen Rede teilt er dann dem Publikum sein eigentliches Anliegen mit:

Gerechtigkeit, Respekt, Solidarität — aus diesen Grundprinzipien heraus bewerbe ich mich als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Gut daß er das mal erwähnt hat, sonst wäre es noch in Vergessenheit geraten. Warum sollte man ihn also wählen? Weil man die Merkelbande leid ist? Dazu müsste man glauben, daß es mit der SPD wenigstens nicht schlechter, als mit Schwarz-Gelb wird, nur genau das schafft er nicht darzulegen. Und die Gefahr, daß Peer Steinbrück wegen seines Charismas gewählt werden könnte, besteht nun wirklich nicht.

Hinzu kommt noch, daß der Begriff des „Kanzlerkandidaten“ als solcher ein Popanz ist, denn in unserem Wahlsystem kann man den Kanzler gar nicht wählen. Eine Wahlentscheidung bezieht auch das Personal hinter dem „Kanzlerkandidaten“ mit ein, denn die ganze Gruppe wird hinterher das Land zu lenken versuchen. Und bei denen scheint mir keiner einen Führerschein zu haben. Nicht das jetzt jemand auf die Idee kommt, ich wäre der Meinung bei den Witzfiguren von Schwarz-Gelb sähe es besser aus, ich sage nur Pofalla und Hans-Peter Friedrich, aber um die geht es hier nicht. Alles in Allem bleibt die Frage offen, wofür man die SPD überhaupt braucht, allein weil sie 150. Jahre durchgehalten hat, ist jedenfalls kein Argument.

Gerade als Bewerbungsrede für die Kanzlerschaft überraschte mich sowohl die inhaltliche, als auch emotionale Leere seiner Rede. Immerhin stand hier ein Mann vor seinen Parteigenossen, der sonst von der Finanzbranche für mehrere Tausend Euro eingeladen wird, um Vorträge zu halten. Bei Lichte betrachtet müßte Steinbrück dafür bezahlen, um gehört zu werden. Warum tun sich Banker dies an? Jedenfalls nicht wegen seines Redetalentes oder der Botschaftgen die er zu verkünden glaubt.

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