Sextouristin

Die Journalistin Henriette Hell hat ein Buch über ihre Erfahrungen als weltreisende Sextouristin in eigener Sache in Kairo, Tansania, New York, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Istanbul, Paris, Peru und Rom veröffentlicht.

Henriette Hell ist enttäuscht von deutschen Männern – denn die kümmern sich beim Sex meistens nur um ihre eigenen Interessen. Deshalb begab sich die Journalistin auf eine Mission:

„Ich würde für unbestimmte Zeit um die Welt reisen und in jedem Land, das ich durchquerte, mit einem Einheimischen Sex machen. In der Hoffnung, dass die Männer in anderen Kulturkreisen lässiger und liebevoller mit dem weiblichen Orgasmus umgingen und ich endlich einen Mann finden würde, der mich nicht aus rein egoistischen Gründen zum Orgasmus bringen wollte – sondern einen, der es mir quasi per Zufall mal so richtig schön besorgen würde.“

Ich stelle mir gerade den #Aufschrei vor, hätte ein Mann ein Buch über eine Weltreise geschrieben, deren einziges Ziel das Flachlegen lokaler Schönheiten ist, um sich anschließend darüber zu beklagen, daß die alle nichts taugten.

Was will Fr. Hell eigentlich? Wenn ihr der Mann keinen Orgasmus verpasst ist er ein Versager und wenn er ihr einen verschafft dann auch, weil sie der Meinung ist er, hätte es rein egoistischen Gründen getan. Egal was passiert, der Mann ist schuld, war zu erwarten. Die Idee, daß, wenn es mit den meisten Männern nicht klappt, es an ihr, entweder an ihrer Auswahlstrategie für Männer oder ihren miserablen liebhaberischen Fähigkeiten liegen könnte, scheint ihr abwegig zu sein. Woran erkennt sie, daß es ein egostischer Grund war, zumal der weibliche Orgasmus für die Befriedigung des Mannes nicht unbedingt notwendig ist und nicht doch der gewollte Zufall? Worin unterscheiden sich die beiden Orgasmenarten? Außerdem impliziert die umgangsprachliche Verwendung von „Zufall“, eine gewisse Seltenheit. Wenn sie also auf Zufallstreffer hofft, muß sie die Ereignishäufigkeit erhöhen, also mit deutlich mehr Männern schlafen. Bei entsprechender Qualifikation, könnte das sogar einträglicher sein Journalismus.

Mal abgesehen von der Tatsache, das Liebesnächte durchaus mal in die Hose gehen können, hat guter Sex eben auch etwas mit Geben und Nehmen zu tun und funktioniert dann am Besten, wenn ein eingespieltes Team zu Gange ist, wo jeder Kenntnis der Bedürfnisse des/der Anderen hat. One Night Stands dienen ausschließlich der Triebafuhr aufgestauter Energien und nicht der Therapie von Orgasmusproblemen. Daher scheint mir die Strategie, sich (zufällig? gut aussehen soll er, lockersitzendes Geld natürlich auch, denn Frau vögelt nicht gerne mit leerem Bauch) einen Mann raus zu suchen, sich von ihm teuer ausführen lassen und sich dann im Bett auf den Standpunkt zu stellen „mach’ mir mal zufällig einen Orgasmus“ reichlich bescheuert zu sein.

Abschließend stellt sich noch die Frage wie echt der alternative Reisebericht tatsächlich ist oder ob es sich nicht doch um eine geschickte, vielleicht sogar einträgliche, Aufmerksamkeitsstrategie handelt, schließlich „würde [sie] für unbestimmte Zeit um die Welt reisen“. Wundern würde es mich nicht.

Literatur

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