Brasilianische Gesetzeslage behindert Herausgabe von Untersuchungsmaterial

Auf Zeit-Online wurde unter Berufung auf den Artikel „Few Zika samples are being shared by Brazil, worrying international researchers“ beim US-Magazins STATnews berichtet, daß Brasilien die Zika-Forschung behindere. Gemeint ist eigentlich die derzeit gültige innerbrasilianische Gesetzeslage, welche die Weitergabe von entsprechendem Untersuchungsmaterial unter Strafe stellt und somit nahezu jede legale Kooperation, die von Probenaustausch abhängig ist, im Keim erstickt. Die Aussage impliziert jedoch, daß es bei veränderter Rechtslage, die den Wissenschaftlern ihre Handlungsfeiheit zurückgibt, deutlich besser liefe, was aber nur sehr eingeschränkt zutrifft. Im STATnews-Artikel wird der Präsident der brasilianischen Bundesforschungs- und Produktionseinrichtung Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz), Paulo Gadelha, wird mit den Worten zitiert:

Even if we wanted to send this material abroad, we can’t because it’s considered a crime.

Die Aussage „Selbst wenn wir das Material ins Ausland schicken wollten, können wir es nicht, weil es als Verbrechen eingestuft werden würde.“ beschreibt in ihrer Doppeldeutigkeit die Situation in Brasilien recht treffend. Vollkommen unabhängig von der jeweils geltenden Rechtslage sind die Eifersüchteleien und Animositäten allein innerhalb brasilianischen Forschergemeinde enorm und verhindern an vielen Stellen den Fortschritt wirkungsvoll. Auch wenn es (natürlich) nicht offen ausgesprochen wird, so wird dennoch sehr oft nach dem Motto gehandelt, „wenn ich es nicht machen kann, soll es auch kein Anderer können“. Bei internationalen Zusammenarbeiten kommt dann auch noch der Nationalstolz hinzu. Verschärft wird das Problem dadurch, daß bedingt durch den allgegenwärtigen massiven Ressourcenmangel — selbst an der relativ gut ausgestatteten Fiocruz — es deutlich weniger Arbeitsgruppen zu den jeweiligen Themen gibt und somit Einzelne immer wieder in zentrale Positionen kommen, die die gesamte Forschung auf dem Gebiet in der einen oder anderen Art kontrollieren können, da sie an der Resourcenzuteilung ausschlaggebend mitwirken. Dies sind dann meist, wie anderswo auf der Welt auch, Egomanen, deren Interesse mehr an der Erlangung einer bedeutungsvollen Position, als an Wissenschaft liegt. Dementsprechend betreiben sie dann auch mehr Politik, vowiegend in eigener Sache, als Wissenschaft und für Laborarbeit ist man sich sowieso zu schade, man kommt ggf. ja sowieso mit auf die Publikation (andernfalls ist der Ofen aus). Jeder der dann auf dem jeweiligen Gebiet etwas bearbeiten möchte, ist de facto auf deren Wohlwollen zwingend angewiesen. Diese Lage wird weidlich ausgekostet und ist vielerorts geradezu konstituierend für das Selbstwertgefühl einiger Weniger (Frauen sind dabei deutlich schlimmer als Männer) an den Schaltstellen. Insofern wird auch bei veränderter Gesetzeslage nicht so schnell das Paradies ausbrechen.

Biopiraterie mag die nicht ganz unberechtigte Begründung für die Gesetze gewesen sein, aber es steckt eben auch die Mentalität dahinter, dass, wenn man es nicht selber machen kann, niemand davon profitieren soll. Die Grundlage für die Existenz von Biopiraterie wiederum ist das Patentunwesen der „westlichen“ Welt, allen voran wie es von den USA vorangetrieben wird, auf natürlich vorkommende Moleküle.

Selbstverständlich gibt es diese Typen auch in Deutschland und allen anderen Ländern zu Hauf, aber ihre Wirkmächtigkeit wird in den Industrieländern einerseits dadurch abgeschwächt, daß es zu fast jedem Thema eine Vielzahl voneinander unabhängiger Arbeitsgruppen gibt und andererseits, sie (noch) nicht ganz so einfach über die Resourcenaufteilung bestimmen können. Die Gefahr in Deutschland kommt momentan eher aus der Ecke der Genderisten, die „Diversity“ über Fachwissen stellen und als einen Wert an für sich betrachten. Auf dieser Grundlage laufen die Bestrebungen „Genderaspekte“ in alle Entscheidungsprozesse, ja selbst bis hin zu wissenschaftlichen Publikationen, durch die Installation von entsprechend geschulten Kadern einfließen lassen zu wollen, um so die Kontrolle über die Aktivitäten der Wissenschaftler zu erhalten. Mit allen negativen Folgen für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung, sowie die Meinungsfreiheit.

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