Homöopathie im Gesundheitswesen ist bandenmäßiger Betrug

Vor Kurzem gab bei der Deutschen Welle ein Interview mit Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops (LMU, DfG), Inhaber der Schwerpunktprofessur Rheumatologie und Klinische Immunologie am Klinikum der Universität München Sprecher des Fachkollegiums Medizin in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DfG) zum Thema Homöopathie und ihrem vielfachen Einsatz trotz Wirkungslosigkeit. Inhaltlich kann man dem Gesagten zwar zustimmen, dennoch werden einige wesentliche Punkte des Problems nur sehr unzureichend angesprochen.

Das ist auch ein wertvoller Hinweis. Warum gibt es überhaupt einen Markt für Homöopathie? Was macht die Attraktivität dieser Lehre für die Patienten aus?

Der Homöopathie darf man eins nicht absprechen: Das tatsächliche Bedürfnis, die medizinische Versorgung nicht nur durch Laborwerte und technische Details darzustellen, sondern den Patienten als Menschen wahrzunehmen. In den homöopathischen Rechtfertigungsschriften nimmt die Zuwendung zum Patienten immer einen großen Stellenwert ein.

Die Art und Weise der Interaktion mit dem Patienten macht durchaus auch einen großen Teil der Erfolge in der Schulmedizin aus. Wir dürfen diesen Aspekt nicht hinten herunterfallen lassen.

Da gehört es vielleicht einfach dazu, dass wir diese Strömung in Deutschland haben und dass die Homöopathie hier auch von Krankenkassen bezahlt wird – obwohl jeder weiß, dass es keine Studien gibt, die die Wirksamkeit der Mittel in einer definierten Indikation belegen würden.

Die überwiegende Zahl der Patienten weiß eben oftmals tatsächlich nicht ob des Unsinns, der sich hinter der Homöopathie verbirgt (um so schlimmer, wenn ihnen dann auch noch ein studierter Mediziner damit kommt) und in dem allgemeinen Umgang wird die Homöopathie und mit ihr viele andere Verfahren, allein schon durch den Begriff „Alternativmedizin“ auf die gleiche Stufe wie Medizin gehoben. Es ist eben gerade keine gleichwertige Alternative, sondern einfach nur Unsinn, zutiefst unethisch noch dazu, wenn es ein Arzt anbietet. Der Patient erwartet im Wesentlichen nur, daß sich ihm ein Therapeut zuwendet und von seinem Leiden befreit. Viele Homöopathen, Heilpraktiker und andere Scharlatane sind oftmals charismatische Persönlichkeiten, die diese Zuwendung geben können und zu denen der Patient schnell Vertrauen fasst. Geben können sie diese Zuwendung allerdings nur, weil sie sich ihren Zeiteinsatz auch entsprechend honorieren lassen, gerne umgehend in der Praxis gleich im Anschluss einer jeden einzelnen Behandlung. Gerade die Besserverdienenden, oft als „Bildungsbürgertum“ bezeichnet, sind daher auch die Zielgruppe von Krankenversicherern, Heilpratikern und Ärzten die Homöopathie anbieten. Wirkliche Zuwendung findet sich bei denen nur dort, wo sich das Geld befindet. Seit geraumer Zeit erschließt sich eine erhebliche Anzahl an Ärzten mit der Homöopathie eine weitere legale, aber illegitime Einnahmequelle. Wohl auch weil die Marketingkampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) weniger erfolgreich bei den Patienten war als geplant.

Ebensowenig ist vielen Patienten überhaupt bewusst, daß der Beruf des Heilpraktikers keinerlei fundierte oder gar verbindliche Ausbildung erfordert. Im Grunde müssten alle Ärzte gegen das Heilpraktikerunwesen Sturm laufen, wildern diese doch in ihren Gefilden, ohne jedoch eine medizinische Ausbildung genossen zu haben. Weitaus schwerwiegender ist der Fall bei approbierten Ärzten, die quasi nebenbei zusätzlich Homöopathie als einträgliches Geschäft anbieten. In diesem Falle muss man ganz klar von Betrug sprechen, da mit der Homöopathie eine Leistung versprochen, unter wissenschaftlichem Gesichtspunkt auch nicht erbracht werden kann. Dies offen klar und deutlich so anzusprechen traut sich jedoch nicht nur Prof. Schulze-Koops nicht, denn hierfür müsste man sich auch mit den Ärztekammern quer legen. Lieber versteckt er sich hinter der wachsweichen Formulierung „obwohl jeder weiß, dass es keine Studien gibt, die die Wirksamkeit der Mittel in einer definierten Indikation belegen würden“. Das ist bis hierhin nichts Geringeres, als vorsätzlicher Betrug! Da die Ärztekammern über ihre Gremien wider besseren Wissens Homöopathiekurse als Fortbildungsmaßnahme anerkennen, kann man bereits von bandenmäßigem Betrug sprechen.

Werbeplakat für Alternativmedizin der DAK

Werbeplakat für Alternativmedizin der DAK an einer Bushaltestelle in Berlin gegenüber eines Kindergartens.

Die Krankenkassen mischen bei dem Geschäft um die Besserverdienenden kräftig mit. Auch hier hat man keinerlei Scheu Bauernfängerei sowie Fehl- und Unsinnsberatung bei den Patienten zu leisten. Exemplarisch hier die DAK:

Das sollten Sie über Homöopathie wissen

  • Vor dem Herunterschlucken sollte das homöopathische Mittel so lange wie möglich im Mund behalten werden. Die Mundschleimhaut nimmt es auf diese Weise schneller auf
  • Homöopathische Mittel dürfen nicht mit Metall in Berührung kommen. Tropfen sollten lieber von einem Plastiklöffel aufgenommen werden
  • Lange eingenommene starke Medikamente können die Wirkung von homöopathischen Mitteln senken
    Zahnbehandlungen, ätherische Öle und Kaffee können die Wirkung stören
  • Tropfen enthalten eigentlich immer Alkohol. Sie können aber auch zu Kügelchen (Globuli), Tabletten oder Salben wechseln

Die Patienten werden systematisch mit unsinnigen, vollkommen haltlosen Ratschlägen dumm gehalten.

Anders ausgerückt: Was in Ärzteschaft und Krankenkassen bzgl. der Homöopathie betrieben wird, ist organisierte Kriminalität!

Anstelle dessen gehen wir in eine Apparatemedizin, wo es vielleicht irgendwann soweit kommt, dass selbst die Analyse von Blutproben in ein Billigland ‚outgesourct‘ wird. Und, überspitzt gesagt, schreibt dann der Computer die Diagnose.
Wenn wir weiter in diese Richtung gehen, werden wir der Homöopathie sehr viel Vorschub leisten, weil das [die Gerätemedizin] nicht das ist, was der Patient wirklich braucht, um als Mensch ernst genommen zu werden.

Und das Ganze ist letztlich auch gepaart mit der fehlenden Ausbildung der Ärzte zur Wissenschaft im Studium. Leider muss man das auch sagen: Ein Arzt, der hier fertig ist, hat oft überhaupt nicht gelernt, was Wissenschaft ist – selbst wenn er einen Doktortitel trägt.

Das Medizinstudium ist in vielen Bereichen nicht viel Anderes, als das Auswendiglernen von Fakten. Die Auseinandersetzung mit einem Patienten, vielleicht sogar mit einem chronisch kranken Patienten, kommt in der Ausbildung viel zu kurz.

Das angehenden Ärzten während des Studiums nicht gelehrt wird, was Wissenschaft ist, wie Wissenschaft lege artis anzuwenden ist und wie Therapien dsbzgl. einzuschätzen sind, ist vollkommen richtig, das eint sie übrigens mit den Sozial- und Geisteswissenschaflern. Man muss aber auch anerkennen, daß das Medizinstudium bereits heute sehr umfangreich ist und es sich nicht beliebig ausdehnen lässt. Um den gordischen Knoten zu durchschlagen, müsste hierfür massiv an einem der größten und erbissen verteidigten Heiligtümer der Ärzteschaft gerüttelt werden: Der Therapiefreiheit! Es müssen klare Regeln gesetzt werden, mit welchen Therapieformen Erkrankungen behandelbar sind.

Dann müsste aber eigentlich die richtige Forderung lauten: Die Schulmediziner brauchen mehr Zeit für ihre Patienten.
Das ist eine plakative aber richtige Forderung, die in vielen Facetten durchgesetzt werden muss: Nicht zuletzt auch bei der Finanzierung. Aber es geht um mehr als nur das Geld: Wenn die Schulmedizin sich darauf besinnen würde, dass Medizin mehr ist, als Laborwerte auseinanderzuklamüsern und auswendig zu lernen, welche Konstellationen es gibt, dann würde – glaube ich – der homöopathischen Idee ganz schnell das Wasser abgegraben.

Nein, nichts gegen mehr Hinwendung zum Patienten aber deren Fehlen allein ist es nicht. Kassen und Ärzteschaft müssen auch wieder lernen nach wissenschaftlichen Kriterien zu handeln und mythische Vorstellungen als das zu bewerten, was sie sind Mythen und nicht als weitere Einnahmequelle.

4 Kommentare

  1. Norbert Aust sagt:

    … aber immerhin nimmt die Zahl der Personen zu, die sich gegen den Unsinn der Homöopathie äußern. Noch vor wenigen Jahren waren selbst Stellungnahmen wie diese Mangelware. Es geht mit kleinen Schritten in eine zu begrüßende Richtung, meine ich.

  2. Richtig, aber leider nimmt auch die Zahl der Personen, inklusive die von Entscheidungsträgern, zu, die sich für diesen Unsinn einsetzen. Vor ein paar Jahren übernahmen die Kassen dererlei Ausgaben nicht, heute ist es eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung entgegen allen wissenschaftlichen Belegen, Besserverdienende damit zu ködern. Das noch zu bohrende Brett ist sehr dick. Und wie so oft, wird die Wende mit gewisser Wahrscheinlichkeit aus den USA kommen.

  3. Magnus Erikson sagt:

    „Das angehenden Ärzten während des Studiums nicht gelehrt wird, was Wissenschaft ist, wie Wissenschaft lege artis anzuwenden ist und wie Therapien dsbzgl. einzuschätzen sind, ist vollkommen richtig, das eint sie übrigens mit den Sozial- und Geisteswissenschaflern.“

    Da die Qualität des Studiums leider abhängig vom Bundesland, der Universität und den Dozenten ist sollte man keine pauschalen Aussagen dazu äußern. Ich selbst studiere Geschichts- und Politikwissenschaften an der Universität Marburg, Hessen. In den Seminaren die ich besuchte wurde zwar meistens nur kurz erklärt was Wissenschaft allgemein ist, was durch das breite Spektrum der Definitionen schwierig sein kann, aber was die Wissenschaft und das wissenschaftliche Arbeiten des Fachbereiches ausmacht wurde meistens relativ intensiv durch genommen. Fast alle Dozenten sprachen von der Verantwortung als angehender Wissenschaftler im Umgang mit Fakten und wissenschaftlichen Methoden, auch die Erkenntnisse die aus Forschungen der Geschichte und Politik gewonnen werden können und welche nicht waren eines der Themen. Mit dem Umgang der Wissenschaft im Studium in anderen Bundesländern kenne ich mich leider nur unzureichend aus aber zumindest an der Universität Marburg wird Wissenschaft in den Seminaren definiert.

  4. […] beliebige Angelegenheit einen Zentralverein gründen. Geht es um Betrug nennt man es dann auch organisierte Kriminalität. Ebenso sind die Flache-Erde-Gesellschaften noch nicht mangels Mitgliedern vom Globus verschwunden. […]

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