Über linke Solidarität mit Schwächeren

Der reiche Salonlinke Jakob Augstein mit eingeklagter Reichweite fühlt sich und die Gesellschaft wegen der Quarantänemaßnahmen im Verlauf der aktuellen Coronaviruspandemie eingesperrt. Dümmer geht es kaum noch.


Erstaunlich wieviel Unsinn einer, der sich für einen Intellektuellen hält, in 197 Zeichen unterbringen kann.

Ich will mich jetzt gar nicht über die Inkompetenz der Bundes- und Landesregierungen im Speziellen und die der Gesundheitsminister im Besonderen, durch völlig verspätet und dann auch noch halbherzig eingeleitete Maßnahmen auslassen, aber offenbar ist das Denkvermögen von Jakob Augstein durch die gegenwärtige Lage hoffnungslos überfordert.

Man soll für ein paar Tage die sozialen Kontakte zwecks Unterbrechung der Infektionskette auf ein Minimum reduzieren um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus’ zu reduzieren, damit im Gesundheitssystem Zeit gewonnen wird und Überlastspitzen verhindert werden. Das kann doch eigentlich auch für einen Salonlinken nicht allzu schwer zu verstehen sein, aber offensichtlich täuscht man sich da, weil man die intellektuelle Kapazität überschätzt. Man fragt sich unwillkürlich was für ein zu Hause er hat, als daß er sich und sogar die ganze Gesellschaft für eingesperrt hält, bloß weil er ein paar Tage zu Hause bleiben soll.

Aber selbst wenn es so wäre, wäre es dann zuviel verlangt? Wohl kaum, insbesondere von einem Linken Vorbeter. Es sind doch die Linken die offensiv und bei jeder sich bietenden Gelegenheit lauthals die Solidarität aller für die Schwächsten und Ärmsten der Gesellschaft einfordern. Wenn es aber wirklich darauf ankommt diese Solidarität auch selbst zu erbringen, sind sie die ersten die sich verweigern, wenn ihnen höchstpersönlich eine zu erbringende Leistung, noch dazu eine die sie einschränkt, abverlangt wird.

Das zeigte sich bei der Flüchtlingskrise wo man großzügig Bürgschaften für Migranten übernahm, aber in dem Moment wo es ans Zahlen ging das große Jammern anfing und man die Kostenübernahme durch den Staat, also aller, verlangte. Das zeigt sich hier, wo ganz konkret die gesundheitlich Schwächeren — genau das sind die Wenigen von denen Augstein spricht, überwiegend Ältere — allein dadurch, daß man für ein paar Tage seine sozialen Aktivitäten aussetzt, geschützt werden sollen. Bei Linken wird immer nur die Solidarität von Anderen eingefordert, man selber möchte damit nicht behelligt werden.

Überhaupt kommen allerorten Linke gerade mit Vorschlägen zur Entsorgung der Alten aus der Reserve:


Außerdem kann überhaupt nicht die Rede davon sein, daß man sozialen Kontakten komplett entsagen soll, selbst das wäre zumutbar, sondern nur der physische Kontakt für ein kurze Zeitspanne. Niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte war es derart einfach und preiswert rund um die Uhr über das Internet multimedial mit Menschen in allen Teilen der Welt, wenn gewünscht sogar in Echtzeit, zu kommunizieren und seine Gedanken auszutauschen. Niemals war ein mitteilsamer Geist freier als heute.

Weiterhin scheint auch Augstein, wie die meisten Linken, den Begriff der offenen Gesellschaft nicht verstanden zu haben. Mit offener Gesellschaft wird eine Gesellschaft beschrieben, die offen für neue Ideen ist, der kein dogmatisches Weltbild zu Grunde liegt, dem sich alle Mitglieder der Gesellschaft unterzuordnen haben, also das genaue Gegenteil einer sozialistischen oder theokratischen Gesellschaft. Mit offener Gesellschaft ist jedoch nicht Grenzenlosigkeit gemeint, da eine offene Gesellschaft auch durch Grenzen vor ihren Feinden geschützt werden muss.

Vielleicht tut ihm „das Eingesperrtsein“ ja mal ganz gut, damit er in der Entschleunigungsphase Zeit hat nachzudenken, bevor er etwas verschriftlicht. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht. Das Ganze wäre völlig belanglos, wäre Augstein nur eines dieser 2-Follower-Trollkonten auf Twitter, aber er gehört zu den Wortführern eines Linkenflügels, die meinen anderen die Welt erklären zu können. Mir jedenfalls graust vor diesen Linken und ihrem Menschenbild.

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