Fortbildung: Behandlung von AIDS in Afrika mit Homöopathie (Teil 2)

In Teil 1 wurde kurz dargestellt, daß der Homöopath Jeremy Sherr in Berlin ein von der Berliner Ärztekammer anerkanntes Fortbildungsseminar halten wird, in dem er über seine Behandlung von AIDS-Patienten in Tansania mit berichtet. Nach diesem Anstoß zog die Meldung ihre Kreise und jetzt berichten Telepolis und Spiegel-Online parallel, daß die Berliner Ärztekammer die Fortbildungspunkte für das Seminar mit Jeremy Sherr zurückzieht. Doch die Presseerklärung der Berliner Ärztekammer kann nur als Schutzbehauptung gewertet werden:

„Nach der Bewertung neuer Erkenntnisse, die uns zum Zeitpunkt der Fortbildungszertifizierung nicht vorlagen, müssen wir annehmen, dass die Veranstaltung als Vehikel genutzt worden ist, um an deren Rande medizinisch nicht vertretbare Inhalte zu vermitteln“, teilte uns die Ärztekammer schriftlich mit. „Dass Herr Sherr in der Vergangenheit höchst problematische Aussagen und Heilsversprechen im Zusammenhang mit Homöopathie und AIDS gemacht hatte, war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Die Bewertung dieser Aussagen und die damit verbundenen Zweifel an der Eignung von Herrn Sherr führen uns nun zu der Entscheidung, das Verfahren zur Rücknahme der Anerkennung einzuleiten.“

Entweder wurde bei der Qualitätskontrolle geschlampt oder die Kammer ist esoterisch unterwandert. Das die problematischen Aussagen von Herrn Sherr der Kammer nicht bekannt gewesen sein sollen mag vielleicht zutreffen, aber genau dies wäre der Beweis, daß bei der Kammer keinerlei Kontrolle über den Seminarinhalt durchgeführt wurde, denn Herr Sherr ist seit rund fünf Jahren im Ausland mit diesem Thema unterwegs und keinesfalls eine unbekannte Größe. Auch liegen die Aussagen Sherrs nicht einige Jahre zurück, sondern er wiederholt sie seit 2009 permanent!
Schon bei der Begriffskombination AIDS-Homöopathie hätten alle Alarmglocken läuten müssen. Darüberhinaus waren die folgenden Unterlagen Bestandteil der Fortbildungsanerkennung, die eindeutig auf das Thema hinweisen:

Hätte man bei der Kammer auch nur fünf Minuten Recherche auf den ihnen wohl unbekannten Namen Jeremy Sherr verwendet, wäre man u.a. auf die folgenden Seiten gestoßen, die nicht erst seit diesem Jahr im Netz stehen:

Spätestens an dieser Stelle hätte die Kammer bereits im Vorfeld klar erkennen können, daß es sich hier um kriminelle Machenschaften handelt, bei denen ein medizinischer Laie in Afrika Menschenversuche durchführt, die noch dazu bar jeder wissenschaftlichen und ethischen Grundlagen sind und die bei Anerkennung als Fortbildung durch die Kammer, nicht nur gebilligt, sondern auch noch gefördert werden.

Es wird übrigens nicht ganz uninteressant sein zu sehen, wie die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin diesen Sachverhalt beurteilen wird (wie andere öffentliche Stellen auch), die vor dem Seminar die Möglichkeit zu Ermittlungen gegen Jeremy Sherr, die Scola Asclepia und die Berliner Ärztekammer bekommen hat.


Nicht direkt zum Thema Berliner Ärztekammer passend, aber dennoch interessant weil aktuell. Ein Bericht eines Teilnehmers eines Homöopathieseminars an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Dort wird für Fortbildungen geworben, die von der Ärztekammer Schleswig-Holstein bepunktet (z. B. Systematische Homöopathie – Fokus Quelle) werden.

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