Telekomischer Lifestyle

Lifestyle, ich kann es schon nicht mehr hören. Haben wir nicht genug Konzerne die sich bereits mit Lifestyle befassen? Die Einkaufsstraßen der Städte sind voll von Klamottenläden und jetzt sollen die Telekomläden auch dazu mutieren, so der Technikvorstand, Claudia Nemat, übrigens eine ehemalige MacKinsey:

Die Deutsche Telekom will neue Partnerschaften aufbauen, um beim Geschäft von mit Digital-Technik ausgestatteten Kleidungsstücken und Accessoires mitzumischen. Dies erklärte Claudia Nemat, für Technik zuständiger Vorstand der Telekom, gegenüber der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstagausgabe). „Wir wollen als Telefonkonzern deutlich mehr mit Mode- und auch Sportartikelherstellern kooperieren, damit wir vom Trend hin zu intelligenter Kleidung profitieren.“ Konkret will der Konzern mit „renommierten Partnern“, so Nemat, im Mai einen internationalen Wettbewerb ausschreiben, bei dem Designer oder Start-Up-Firmen Ideen für neue Kleidungsstücke oder Accessoires einreichen können. […]
Nemat will den Konzern in einen „digitalen Lifestyle-Konzern“ umbauen, sagt sie. Das soll sich auch in den T-Shops zeigen. Nemat: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es in den T-Shops künftig auch eine Ecke für intelligente Kleidung gibt. Das können Jacken sein, die im Winter auf eine bessere Wärmedämmung umschalten. Es werden intelligente Uhren sein, es wird Sportkleidung sein.“

Die Telekom ist ein Telekommunikationsunternehmen und soll entweder dieses Geschäft aufgeben oder sich gefälligst um den Netzausbau kümmern. Aber zum Klamottenverkauf braucht man keine Ahnung von Technik zu haben. Man lässt sich von Anderen Vorschläge unterbreiten, lässt irgendwo produzieren und will dann überteuert verkaufen und produziert ganz nebenbei auch noch eine weitere Unmenge an Elektronikschrott für den Sondermüll. Hochwertige Arbeitsplätze schafft das in Deutschland ebenfalls nicht, sondern in Asien, da Deutschland den Zug zur Produktion von Elektronik vor langer Zeit verpasst hat und hier dafür auch kein Know-How mehr vorhanden ist. Ich kann mir nicht helfen, aber das sieht mir wieder nach so einem Manöver aus, als ob da jemand von Technik nicht allzu viel Ahnung hat und daher auf ein anderes Geschäftsfeld wechseln will. Wenn Frauen in diese Positionen aufgerückt werden, kommt ganz schnell die Sprache auf Work-Life-Balance und LifeStyle, alles so Modeworte, die für „Volles-Gehalt-bei-Ohne-Arbeit-und-Sachkenntnis“ stehen. Wenn man bedenkt, welchen Eindruck der veröffentlichte Lebenslauf erweckt, Studium von Physik, Mathematik und Philosophie, 17 Jahre McKinsey, Tätigkeiten in „zahlreichen europäischen Ländern, sowie in Nord- und Südamerika“ ist nur schwer vorstellbar, daß derjenige wirklich nur Lifestyle im Kopf haben sollte, oder der Lebenslauf ist „geschickt“ formuliert. Gesellschaft und Politik diskutieren über Datensicherheit, ausgeleitete Daten durch Geheimdienste an den Netzknoten, Netzneutralität, Hochgeschwindigkeitsnetze, Breitbandausbau, Drosselkom etc., und was fällt dem Technik-Vorstand dazu ein? Lifestyle! Weil er angeblich einen Trend zu intelligenter Kleidung ausgemacht haben will.

Und dann die Idee von Jacken, die im Winter automatisch auf bessere Wärmedämmung umschalten sollen. Wofür braucht es da einen Telekommunikationskonzern? Soll das ferngesteuert werden wie bei der Umstellung von Normal- auf Sommerzeit? Die Idee allein. Die Frau hat angeblich ein Diplom in Physik und sollte daher wissen wie Wärmedämmung im Prinzip funktioniert. Das Material in der Jacke würde man Sommer wie Winter mit sich herumtragen, zusätzlich noch die Steuerelektronik und Energieversorgung, mit der dann die Jacke vermutlich etwas aufgeblasen wird, um ein isolierendes Luftpolster zu erhalten. Mal vom Problem knickender Leitungen, Erdung sowie wasser- und waschfester Elektronik abgesehen, dürfte die Kombination aus leichter Sommerjacke und dicker Winterjacke deutlich preisgünstiger, praktischer und vor allen Dingen haltbarer sein.

Aber das Ganze passt tatsächlich in die Strategie der Deutschen Telekom, denn die sponsert ja noch die Designprofessur von Gesche Joost (vgl. Design Research Lab Büro), inzwischen auch Internetbotschafterin für Deutschland. Das ist diejenige, die nicht nur Händis mit Fell- und Glitzerfolie beklebt, sondern auch diejenige, die, als sie vor einiger Zeit gefragt wurde, ob sie ihre e-Mails verschlüssele, dies mit einem Hinweis auf die Verwendung des VPN an der Akademie bejahte. Also Fr. Joost gab neulich im Deutschlandfunk ein Interview und was wurde vorgstellt:

Welche Chancen stecken in der Digitalisierung? In einem „Design Research Lab Büro“ entwerfen Gesche Joosts Studenten der Designforschung an der Universität der Künste zum Beispiel intelligente Kleidung wie eine „Notfallstrickjacke“, die gemeinsam mit alten Menschen entwickelt wurde. Darin wird Wolle mit leitendem Garn kombiniert, das einen Notruf ans Smartphone weitergeben kann.

Intelligente Kleidung und eine Notfallstrickjacke mit leitendem Garn.

Wenn die so weitermachen, brauchen die wirklich bald ’ne Menge gut isolierender Jacken, weil sie sich werden warm anziehen müssen. Zwangsjacken wären manchmal auch nicht schlecht. Das Hauptproblem ist allerdings weniger, daß eine Aktiengesellschaft dies entwickeln möchte, sondern daß die Politik diese Leute hofiert und für kompetent hält. Dieses Land wird einfach immer lächerlicher.

3 Kommentare

  1. Butzman sagt:

    Die Telekom ist in ihrer Arbeit ungefähr so kompetent wie der Schreiber Ihrer Texte hinsichtlich Rechtschreibung: Katastrophe pur!

  2. Andreas sagt:

    Da hat’s der Butzman aber einem gegeben…
    OK, es gibt Zeichendreher (2x), da wurde 2x ein „e“ gespart.
    Na und?
    Und den grundsätzlichen Murks mit dem „ß“ bzw „ss“ – von wegen Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung, auch Reform genannt – zähle ich nicht.

  3. Die Zeichen sind zurückgedreht und zwei „e“ habe ich preiswert auf der Resterampe erstehen können.

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