TCM trifft Marx

Die eigenwilligen Vorstellungen des Dr. med. Achim Kürten, dem Inhaber des Zentrums für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin, zu physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper waren hier bereits vor längerer Zeit das Thema. Seit einigen Jahren arbeitet das TCM in zunehmenden Maße mit dem sogenannten „Coach“ Hartwig Marx zusammen, der nicht ganz unbeachtet bleiben sollte.

Erste Anlaufstelle für weitere Informationen zu diesen Coach ist zunächst seine Webseite. Bei Betrachtung seines Lebenslaufes fällt schnell ins Auge, daß er ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen ist. Neben diversen Aktivitäten, die ihn als sportlich und weltgewandt erscheinen lassen sollen, nennt er die — natürlich was auch sonst — gemeinnützige Hartwig-Marx-Stiftung sein Eigen und ist auch bei diversen anderen Stiftungen und Firmen Mitbegründer und/oder Vorsitzender bzw. Geschäftsführer. Ausgesprochen wortkarg ist er hingegen was seine Qualifikationen angeht. So beliebt es ihm mitzuteilen, daß er in Berlin und Köln studiert haben will, doch welches Studienfach und ob gar ein Abschluss vorhanden ist, findet er ebensowenig erwähnenswert, wie welche Ausbildung er in Hamburg, Bordeaux und Chur genossen haben will.

Weiterhin wirbt er mit „40 Fach- und Fachbuchveröffendlichungen“, allerdings offenbart er auf seiner Seite mit den Publikationen eine eher eigenwillige Zählweise, denn er inkludiert Diplomarbeiten und eine Dissertation Dritter in seine Zählung.

  • MATSCHUK, H.: Therapieverlauf b. Heroinabhängigen außerhalb geschlossener Einrichtungen, Diplomarbeit, Fb Psychologie, FU-Berlin 1981
  • BUSCHERMÖHLE, U.: Konzeption, Wahrnehmung u. Kontext in d. gruppenunterstützten außerstationären Suchtkrankenbehandlung, Diplomarbeit, Fb Philosophie u. Sozialwissenschaften, FU-Berlin 1983
  • GROß, F.: Medizinische Aspekte der gruppenunterstützten ausserstationären Suchtkrankenbehandlung, Promotion, Berlin 1984
  • MÜLLER, R.: Kreativitätserziehung in gemeindenahen Therapieprojekten am Beispiel des Congaspielens, Diplomarbeit, Fb Erziehungswissenschaften, TU-Berlin 1985
  • MERZ,K.: Zur Motivation ehrenamtl. Laienhelfer in d.außerstat.Behandlung Drogenabhängiger Diplomarbeit, Fb Erziehungswissenschaften, Phillips-Universität Marburg/Lahn 1989

Seine Bücher sind der Nationalbibliothek unbekannt und viele seiner Artikel über seine eigene Stiftung erschienen. Selbst ein Interview muss als Zählpapier herhalten. Ein solches Vorgehen ist keineswegs geeignet wissenschaftliche Reputation nachzuweisen, schon gar ist es dazu angetan die Seriosität zu steigern, sondern diese Form der Selbstdarstellung ist eher der Vesuch mit einer umfangreichen Liste potentielle Kunden zu beeindrucken. Der geneigte Kunde weiß nach der Lektüre zwar, daß sich Hr. Marx mit Suchtproblematiken beschäftigt hat, nicht aber wirklich was ihn zum Coaching befähigt. Auch seine Angaben unter Consulting sind eher spartanisch:

Es erfolgen Beratungen von Systemen, also Paaren, Familien, Betrieben und Organisationen zur Nutzung ihrer Ressourcen.

So ganz nebensächlich ist dies bei Preisen von 3.500 € für das Grundseminar von 11 Tagen und 1.500 € für ein viertägiges Aufbauseminar für den Kunden jedenfalls nicht. Bei all den verschwommenen Darstellungen wundert es nicht, daß es ihm höchst willkommen sein muss, wenn ihm über eine Einrichtung wie die des TCM, Kunden zugeführt werden.

Nun zum Kernanliegen dieses Artikels. Auf der Webseite des TCM (sic!) sah man sich veranlasst, darauf hinzuweisen, daß man nicht allen Patienten beim Coaching habe helfen können:

Einigen dieser Menschen konnten wir nicht helfen, weil sie streitbar mit Ihrer Umgebung umgingen, weil sie in der Arbeitswelt mit den Kollegen und Vorgesetzten unangemessen umgingen oder weil die Partnerschaft entweder nicht vorhanden war oder mit der Zeit erschöpft oder ebenfalls streitbar.

Ein Umstand der bei jedem Therapeuten im Laufe seines Berufslebens auftritt, ist im Grunde nicht extra erwähnenswert, aber in diesem Falle kann die prophlyaktische Schuldzuweisung durchaus ihren Grund haben. Bei der engen Zusammenarbeit zwischen dem TCM und Hrn. Marx kann man davon ausgehen, daß diese Aussage mit Sicherheit auch keine unautorisierte Darstellung von Dr. Kürten ist, denn Hr. Marx hat unter https://www.tcm24.de/hartwigsseineseite/ einen eigenen passwortgeschützten Zugang zu der Webseite des TCM.

Im Laufe der letzten Zeit habe ich Kontakt zu ehemaligen Patienten von Hrn. Marx bekommen, deren Aussagen zu seinen Methoden eher den Eindruck erwecken, daß Hr. Marx Teil des Problems und nicht dessen Lösung ist. Da Vieles von dem Gesagten und von den übersandten Dokumenten vertrauliche Hintergrundinformationen darstellen kann ich momentan nicht näher ins Detail gehen, aber ich gehe davon aus, daß mögliche Betroffene wissen wovon die Rede ist. Daher nun die Frage an meine Leser, welche Erfahrungen sie mit Hrn. Marx gemacht haben. Von besonderem Interesse ist für mich natürlich alles was in direktem Zusammenhang mit seinem „Coaching“ steht, aber auch sein sonstiges Geschäftsgebahren könnte weiter erhellend sein. Für Antworten steht natürlich nicht nur der öffentliche Kommentarteil unter diesem Artikel zur Verfügung, sondern — und vielleicht sogar vor allem — e-Mail. Entweder direkt über die Kontaktseite per automatisch verschlüsselter e-Mail an mich oder über die dort angegebene e-Mailadresse und mit separatem öffentlichen PGP-Schlüssel, um von Anfang an Vertraulichkeit zu wahren. Die eingehenden persönlichen Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt werden.

2 Kommentare

  1. Mulder sagt:

    Ich kann vor Herrn Marx nur warnen. Ich habe vor drei Jahren ein Coaching bei ihm besucht und habe dieses relativ schnell wieder abgebrochen. Manipulation ist sein Geschäft. Entweder man vergöttert ihn oder er ist dein Feind. Professionell ist Herr Marx auf jeden Fall nicht. Da ich seine Praktiken in Frage gestellt habe wurde ich sofort von ihm beschimpft und sogar bedroht. Auch bei der Sektenleitstelle in Berlin ist Herr Marx kein Unbekannter. Betroffenen kann ich diese empfehlen. Sie kennen die Vorgehensweise solcher „Coaches“ und können weiterhelfen.

  2. Alex Haag sagt:

    Vielen Dank, Sie beschreiben es ganz passend. Auch auf Marx neuer Webseite wird weiter geprahlt, z.B. „Vom Automobilkonzern im Dax, über das Medienimperium hin zu namhaften Stiftungen, der Deutschen Industrie- und Handelskammern mit ihren 190 Außenstellen, Hidden Champions und Startups – Hartwig Marx arbeitet mit Ihnen allen.“ Ha ha, ich pack mich weg. Dieser Mensch scheint, der Realtität entwichen zu sein. Auf der Wolke Marx gibt es halt nur einen Gott. Auch ich habe diesen Herren vor einigen Jahren in seinem Gruppencoaching kurzzeitig erleben müssen. Als erfolgreiche Uunternehmer kann ich allerdings nur warnen: wäre ich Herrn Marx Empfehlungen gefolgt, wäre meine Firma schon längst bankrott. Er selbst kennt das nur zu gut. Das Restaurant Florian, dass er vor kurzer Zeit als Geschäftsführer übernommen hat, hat er in nur einem Jahr in den Ruin gewirtschaftet.

    Auf solche „Coaches“ wird leider viel zu wenig Aufmerksam gemacht.

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