Gaia-X

Wirtschaftsminister Peter Altmaier schwebt ein neues IT-Projekt vor, eine europäische Cloud mit dem Namen „Gaia-X“. Dem Namen nach könnte man vermuten, daß dort alle Pornofilme der Erde gesammelt werden sollen.

Geplant sei ein Netzwerk von Cloud-Anbietern, das US-Konzernen wie Amazon, Google und Microsoft Konkurrenz machen soll.

Altmaier störe sich schon seit Längerem daran, dass deutsche Unternehmen derzeit auf die Dienste von US-Unternehmen zurückgreifen müssen.

Rein prinzipiell hat er Recht, denn es fehlt tatsächlich sowohl aus dem markttechnischen Gesichtspunkt als auch unter dem Sicherheitsaspekt ein Gegengewicht zu dem bislang übermächtigen GAFAM-Komplex (Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft), ob aber mit staatlicher Förderung hier wirklich Abhilfe geschaffen werden kann wage ich zu solange zu bezweifeln, bis die Ursachen für den europäischen Rückstand von der Politik klar benannt werden. Alle GAFAM-Unternehmen sind aus kleinen Klitschen entstanden und haben rasant an Marktanteilen gewonnen, weil sie Produkte und Dienstleistungen anboten die von den Kunden bedenkenlos angenommen wurden. Warum also gibt es keine gleichwertigen Unternehmen in Europa bzw. Deutschland? Das Fehlen von Geld allein kann es nicht sein, es müssen strukturelle Unterschiede sein. Einer der Gründe ist sicherlich, daß man hier das Internet sehr lange nicht Ernst genommen hat und bis heute nicht wirklich tut, weder in der Industrie, noch in der Politik. Übrigens einer der Gründe, warum ich die Steuerdebatte bzgl. der Internetkonzerne für eine Neiddebatte halte. Merkels Äußerung „Neuland” mehrere Dekaden nach Erfindung und weltweiter Verbreitung des Internets ist legendär und bezeichnend. Amazon ist ein reines Dienstleistungsunternehmen welches hier in Deutschland hätte entstehen können, aber es musste erst ein amerikanischer Anbieter kommen, um es zu verwirklichen. Am Anfang war es die unkomplizierteste Möglichkeit auch an Bücher aus Übersee zu kommen, der deutsche Buchhandel sah sich dazu nicht in der Lage. Bis heute ist es tatsächlich so geblieben, allerdings wurde das Sortiment erheblich erweitert und der Amazon-Marketplace bietet Unternehmen aus aller Herren Länder die Möglichkeit ihre Waren feilzubieten. Inzwischen betreibt Amazon hier auch Lager und hat hier Angestellte. Hinzu kamen/kommen rechtliche Hürden (z.B. Störerhaftung). Ein Unternehmen wie Google hätte in Deutschland nicht lang überlebt, denn es wäre bereits in seiner Anfangsphase in Grund und Boden geklagt worden.

Nun soll also beim Cloudcomputing mit staatlicher Finanzierung in das Rennen um Marktanteile eingestiegen werden. Doch was genau soll eigentlich gefördert werden?

Dazu spreche Altmaier mit den Unternehmen, die in der Plattform Industrie 4.0 organisiert sind, berichtet die Zeitung. Dazu zählen Konzerne wie Siemens, Festo, SAP und die Deutsche Telekom. Für das Projekt soll eine neue Organisation gegründet werden, die Technik und Regelwerk der Cloud steuert.

Die Techniken zum Betrieb einer Cloud sind vorhanden, es müsste nur angepackt werden und die genannten Unternehmen sind nicht so finanzschwach, als das sie das nicht selbst in Angriff nehmen könnten. Warum haben sie es bisher nicht getan? Es gibt ja bereits durchaus deutsche Anbieter, wenn auch deutlich Kleinere. Ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für den Betrieb von Rechenzentren sind die Kosten. Immobilien und vor allen Dingen die immer weiter ausufernden Energiekosten. Ich wage mir gar nicht auzumalen, was passieren würde, wenn Greta et al. wüssten wieviel Energie der Betrieb von Rechenzentren erfordert.

Technisch erwäge man im Ministerium einen „Hyperscaler“, berichtet die Zeitung weiter. Dies ist eine Umschreibung für die Art von Cloud, wie sie chinesische und US-Unternehmen anbieten: vernetzte Computer, die je nach Bedarf auf Anfrage extrem viel Rechenleistung und Speicherkapazität anbieten. Die öffentliche Hand soll als Kunde von „Gaia-X“ eine „Schlüsselrolle“ übernehmen.

Es geht also nicht nur um eine simple Cloud die Speicherplatz zur Verfügung stellt, sondern um die Vernetzung unzähliger kleiner Systeme für „Big Data“ und deren Auswertung. Der sicherlich bekannteste Hyperscaler dürften die Amazon Web Services (AWS) sein.

Das Wirtschaftsministerium habe sich auf Anfrage nicht dazu äußern wollen, welche Unternehmen Teil der Cloud sein werden und mit wie viel Geld das Ministerium deren Aufbau fördert.

Es wird also sehr teuer für Steuerzahler oder es ist so wenig, daß dabei gar nichts Vernünftiges herauskommen kann.

„Wir brauchen eine europäische Dateninfrastruktur gerade auch als Grundlage für einen Datenpool für Künstliche Intelligenz. Wir stehen hier kurz vor dem Durchbruch. Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Tagen hierzu konkrete Umsetzungsschritte bekanntgeben können“

Von was für einem Datenpool genau spricht er hier? Das hört sich für mich nach „wir sammeln einfach alle Daten derer wir habhaft werden können und versuchen dann mit KI darin irgendwas zu finden“ an. Das ist schon vom Ansatz her ineffektiv.

Mal abwarten was daraus wird, denn diese Leute haben ja schon andere IT-Projekte vollmundig angekündigt — man denke bspw. mal an DE-Mail, oder die elektronische Patientenakte — und mit Karacho in den Dreck gefahren, aber, Nachtigall ick hör‘ Dir trapsen, im Kern dürfte es bei diesem Projekt um unsere Daten gehen, auf die die Regierung ungehinderten Vollzugriff haben will. Mir schwant da nichts Gutes, schließlich war Gaia auch die Mutter der Zyklopen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.