DE-CIX dementiert NSA-Zugriff

Der deutsche Austauschknoten DE-CIX des Internet sah sich gezwungen eine Presseerklärung zur NSA-Affäre herauszugeben:

Wir schließen das aus: NSA und andere angelsächsische Dienste hatten und haben keinen solchen Zugang zu den von uns betriebenen Internetknoten und zugehörigen Glasfasernetzen. Ein solcher Zugriff wäre in Deutschland rechtlich in keiner Weise legitimiert

Er schließt also aus, daß angelsächsische Dienste einen Zugang haben. Wenn man dem Hörensagen Glauben schenken darf, soll es auch nicht-angelsächsische Dienste geben. Naïv ist auch die Aussage, daß einem solchen Zugang die rechtliche Legitimation fehlen würde. Nur weil etwas nicht erlaubt ist, heißt es noch lange nicht, daß es es nicht gibt oder nicht möglich ist. Außerdem ist durchaus die Frage zu stellen, ob es tatsächlich keine Legitimation gibt. Die Siegermächte hatten in Deutschland nach dem Krieg immer Sonderrechte, diese waren auch in Geheimabkommen geregelt. Letztendlich konnten sie nach Belieben in das Post- und Fernmeldewesen Einsicht nehmen, wovon sie bekanntermaßen auch reichlich Gebrauch gemacht haben. Wieviele dieser Geheimabkommen mögen die Vereinigung von DDR und BRD überlebt haben, bzw. neu geschlossen worden sein? Dies würde auch die verhaltene Reaktion der Regierung erklären. Zumal die Besorgnis der Regierung nicht der bespitzelten Bevölkerung gilt, sondern den abgehörten diplomatischen Vertretungen:

Wenn sich bestätigt, dass tatsächlich diplomatische Vertretungen der Europäischen Union und einzelner europäischer Länder ausgespäht worden sind, dann müssen wir ganz klar sagen: Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel, das geht gar nicht.

Wobei die SPD um Gabriel und Steinbrück selbst ziemlich scheinheilig, um nicht zu sagen lächerlich agiert, denn auch sie war schon in Regierungsverantwortung. Die sollten zuerst mal bei ihren eigenen Leuten nachfragen, was die wissen. Und wo bleibt eigentlich der Einsatz dieser grandiosen Internetkennerin Gesche Joost aus Steinbrücks „Kompetenzteam“?

Nach der FAZ behauptet der Vorstand Infrastruktur und Netze beim eco-Verband — der Muttergesellschaft des DE-CIX —, Klaus Landefeld, daß alle Daten auf dem DE-CIX-Backbone „hart verschlüsselt“ würden. Abgesehen davon, daß ich nicht wirklich überzeugt bin, daß sie tatsächlich alles auf dem Backbone von sich aus verschlüsseln, vergaß her Landefeld zu erwähnen, wer die Hardwarehersteller sind und wo sich deren Firmensitze befinden, oder will er uns etwa erzählen, im DE-CIX werkele nur in Deutschland entwickelte und hergestellte Hard- und Software?

6 Kommentare

  1. […] Landefeld vom sah sich erneut gezwungen den Zugriff ausländischer Geheimdienste auf den Internetknoten DE-CIX auszuschließen. […]

  2. Moritz Metz sagt:

    Ich bin Journalist und war am Mittwoch für ein Radiofeature beim DE-CIX in Frankfurt. Dort fragte ich den technischen Leiter nach der „harten Verschlüsselung“. Seine Antwort: Die Daten sind NICHT verschlüsselt.

    O-Ton hier zum Nachören:
    https://soundcloud.com/mtz/de-cix-ringleitung-unverschluesselt

  3. Das habe ich mir gedacht, denn der CIX ist ein Austauschknoten für Daten. Es ist seine Aufgabe die Datenpakete, so wie sind, in das jeweilige Bestimmungsnetz weiterzuleiten. Für die inhaltliche Sicherung der Datenpakete ist der Absender verantwortlich, warum sollte der CIX Rechenleistung und Durchsatz für Verschlüsselung — und damit das Geld der Genossenschaft — verschwenden, wenn es dem Absender offenbar egal ist?

  4. […] aber Vermutungen sind eben etwas anderes als Beweise. Noch vor einem Jahr hatte der DE-CIX in einer Presseerklärung verlauten lassen, in der genau dies bestritten wird. Wirklich überzeugt hat mich die Erklärung schon damals nicht, da die Hardware aus den USA […]

  5. […] Gestern ist mal wieder NSA-Untersuchungsausschuss zusmmengetroffen und es wurde offiziell bestätigt, daß der BND umfangreich Daten, auch inländische, am Austauschknoten abgreift (Golem, heise, Netzpolitik). Wer zwischen den Zeilen lesen kann, konnte dies bereits 2013 einer gewundenen Presseerklärung des DE-CIX entnehmen: […]

  6. […] Selbstverständlich ist sowohl von der Ideologie als auch von den technischen Möglichkeiten her vollkommen unplausibel, daß ein Dienst wie die NSA sich nicht in den weltgrößten Internetknoten würde einklinken wollen, auch wenn der DE-CIX einen Zugriff dementiert. […]

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