Die Einheit des Landes muss gewahrt bleiben

Immer wieder wird im Konflikfall von politischer Seite beschworen, daß die Bewahrung der Einheit eines Landes zu den wichtigsten Dingen zählt, die nun erreicht werden müssten. Aktuell hört man es im Falle der Ukraine und des Irak, nur wirklich begründet wird es nie. Die Behauptung wird einfach als Axiom in den politischen Disskussionraum gestellt, eine Abwägung des Für und Wider gibt es nicht, zumindest nicht öffentlich, obwohl die Öffentlichkeit in einer Demokratie durchaus Anspruch auf eine derartige Begründung hätte, sind es doch die Bürger von deren Geld evtl. Maßnahmen bezahlt werden müssen. Bei anstehenden Militäreinsätzen wird ggf. sogar manchen Bürgern eine lebensgefährliche Mission abverlangt.

Es kann natürlich durchaus gute Gründe dafür geben, die Einheit eines Landes bewahren zu wollen, aber es kann ebenso triftige Gründe geben ein Land in mehrere Einheiten aufzuteilen, aber sie sollten in jedem Fall kommuniziert werden. Auch spielt der Standpunkt bei dieser Frage eine enorme Rolle, das altbekannte cui bono. Für wen ist die Einheit des Landes von Nutzen? Für die Bürger des jeweiligen Landes oder für Außenstehende? Primäres Ziel sollte es immer sein, Gewalthandlungen zu minimieren.

Um etwas konkreter zu werden, warum sollte uns hier an der Einheit der Ukraine gelegen sein? Meines Erachtens geht uns die Frage primär überhaupt nichts an. Wenn die Bürger der Ukraine eine Aufteilung des Territoriums in mehrere unabhängige Einheiten vornehmen wollen, so ist dies zunächst einmal zu respektieren. Daß es dann in späteren Phasen für uns bei Vertragsverhandlungen bspw. zu Gaslieferungen etwas komplizierter werden könnte, sollte kein Verhinderungsgrund sein. So wie es für mich bisher aussieht, verfolgt man hier nur deshalb eine Politik zur Bewahrung der Einheit der Ukraine, weil unbedingt das ganze Territorium in die Nato eingegliedert werden soll, um möglichst nahe an russische Grenzen zu gelangen (als nächster Kandidat steht dann Weißrussland auf der Liste). Die Wünsche der Ukrainer scheinen hierbei von untergeordnetem Interesse zu sein. Zumal auch massiv einseitig berichtet wird. So wird z.B. das Einsickern russischer Söldner in die Ostukraine permanent angeprangert, aber die Entsendung amerikanischer Söldner in die Westukraine wann immer möglich ausgeblendet.

Ähnliches gilt für die Forderung nach der Bewahrung der Einheit des Irak. Gerade hier scheint mir eine Neuziehung der Grenzen in der gesamten Levante und der Türkei ein Teil der Lösung zu sein, will man dort — nach Niederschlagung der IS aka ISIS aka ISIL durch lokale Kräfte — langfristig Ruhe. In der Levante, wie auch in Afrika, sind die Grenzen alles andere als historisch gewachsen. Sie wurden durch Kolonial- und Schutzmächte nach ihren Vorstellungen gezogen, ethnische und religiöse Gegebenheiten blieben dabei weitestgehend unberücksichtigt, was bis heute für ein vielfältiges Konfliktpotential sorgt. Rein logisch betrachtet sollte die bloße Tatsache, daß durch Dritte eine Grenze mitten durch einen religiösen oder ethnischen Lebensraum gezogen worden ist, kein Grund sein sich bis auf’s Äußerste zu bekämpfen, aber Menschen, insbesondere Religiöse und Ideologen, handeln offensichtlich ausschließlich nach ihrer eigenen (Schein-)Logik. Hiermit beweisen die betroffenen Ethnien nur eindringlich, daß sie keinen Deut besser sind als die vormaligen Kolonialherren. Da dem nun aber mit reiner Vernuft nicht beizukommen ist, sollten neue Grenzen als eine echte Option in Betracht gezogen werden. Doch auch hier verweigert man sich dem vehement, da Außenstehende vollkommen andere Interessen, als die der dort lebenden Ethnien verfogen.

Ein Kommentar

  1. […] beharrliche Festhalten an der Einheit des Kunstgebildes Irak erscheint mir wenig hilfreich bei der Suche nach Lösungsansätzen für die […]

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