Integration von Migranten durch soziokulturelle Assimilation

Im Wissenschaftsjournal „Journal of Ethnic and Migration Studies“ ist eine beachtenswerte Untersuchung mit brisanten Ergebnissen vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) über den Arbeitsmarkt- und Integrationserfolg von Moslems in eropäischen Gesellschaften erschienen [1]. Eine Kurzfassung in deutscher Sprache gibt es direkt beim WZB. [2]

In den meisten europäischen Ländern sind Migranten sowohl der 1. Generation wie auch der Folgenden überdurchschnnittlich häufiger und länger von Arbeitslosigkeit betroffen und haben häufiger schlecht(er) bezahlte Jobs mit noch dazu geringerem Status als in der Mehrheitsgesellschaft üblich. Den geringsten Erfolg zeigen hierbei Migranten aus islamischen Kulturen, wie Bangladesch, Nordafrika, Pakistan und der Türkei. Die Untersuchung geht der Frage nach, worin die Ursache für das schlechte Abschneiden moslemischer Migranten, und darunter insbesondere der Frauen, liegt.

Auch wenn ethnische Diskriminierung nicht von der Hand zu weisen ist, wie bspw. Studien mit fingierten Bewerbungen immer wieder zeigen, läßt sich der geringe Erfolg auch unter Berücksichtigung demografischer Merkmale gerade moslemischer Einwanderer allein dadurch nicht erklären.

Kurz gesagt gibt es eine starke positive Korrelation zwischen dem Grad der soziokulturellen Assimilation (Sprachkenntnisse, Nutzung der Medien des Aufnahmelandes, interethnische Bekanntschaften, Ausmaß der Abweichung der Auffassung zur Rolle der Frauen von Herkunftskultur zu Aufnahmekultur) und dem Arbeitsmarkterfolg. Gerade unter den moslemischen Zuwanderern ist die soziokulturelle Assimilation im Vergleich mit anderen Migrantengruppen besonders schlecht ausgeprägt. Erstere sind konservativer, traditionsverhafteter, besitzen geringere Sprachkenntnisse und insbsondere bei Frauen wird kein Wert auf Bildung gelegt. Generell behindern religiöse Unterschiede (Geschlechterverhältnisse, Einstellung zu und Umgang mit Andersgläubigen, Heiratsverhalten) zwischen Quell- und Zielkultur die Integration. Theoretisch könnte die geringe soziokulturelle Assimilation eine Folge des fehlenden Arbeitsplatzes sein, denn über diesen kommt es vermehrt zu Kontakten mit der Aufnahmegesellschaft, aber diese Begründung erklärt eben nicht hinreichend die Unterschiede innerhalb der Migrantengruppen, insbesondere nicht das schlechte Abschneiden moslemischer Migranten. Dennoch schließt die Untersuchung Diskrimnierung nicht komplett aus.

Fazit

Meiner Auffassung nach ist das Ergebnis der Untersuchung ist aus dreierlei Hinsicht hochbrisant. Einerseits steht es der öffentlich proklamierten Politik und deren Anhängern diametral entgegen, die darüberhinaus jeden, der in den letzten Jahren ähnliche Verlautbarungen äußerte, als Rechtsextremisten brandmarkte, in Folge dessen es zu einem massiven, aber deshalb voll berechtigten Vertrauensverlust zu den ehemaligen Volksparteien kam. Andererseits muss man jetzt auch die politische Einflussnahme auf Migranten aus dem Ausland, wie sie von und durch den türkischen Präsidenten Erdoğan ausgeübt wird, der seine türkischen Landsleute in Deutschland dazu aufgerufen hat sich nicht zu assimilieren und über den DITIB versucht die Moscheen zu kontrollieren, noch kritischer sehen. Zum Dritten ist es
nicht mehr statthaft der Mehrheitsgesellschaft das Intgergationsversagen mit dem pauschalen Vorwurf der Diskriminierung vorzuwerfen. Wobei auch zu berücksichtigen ist, daß wenn ein Arbeitgeber ein- oder mehrmals auf entsprechenden Unwillen gestoßen ist, er dann seine Schlüsse daraus zieht. Dies könnte man dann wiederum als induzierte Diskrimnierung werten.

Literatur

Ein Kommentar

  1. […] gerade ein Interview von Ruup Koopmans — der sich selbst als links einstuft —, dem Leiter der Studie zur geringen Integration von migrierten Moslems, über die ich gestern geschrieben hatte, zum Thema mit deutlichen Aussagen […]

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