Tag Archiv für Studie

Integration von Migranten durch soziokulturelle Assimilation

Im Wissenschaftsjournal „Journal of Ethnic and Migration Studies“ ist eine beachtenswerte Untersuchung mit brisanten Ergebnissen vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) über den Arbeitsmarkt- und Integrationserfolg von Moslems in eropäischen Gesellschaften erschienen [1]. Eine Kurzfassung in deutscher Sprache gibt es direkt beim WZB. [2] Weiterlesen

Mobilfunk und Spermienqualität

Wieder mal zirkuliert (heise.de) eine Studie [1], in der man meint herausgefunden zu haben, daß Mobiltelefonnutzung die Spermienqualität negativ beeinflusst. Ein näherer Blick auf das, was da untersucht wurde lohnt, da in gewissen Kreisen mit hoher Resonanz dieser Studie gerechnet werden kann. Weiterlesen

Vorurteilsbehaftete Fleischesser und empathische Veganer

Seit einiger Zeit geistert eine Studie durch’s Internet (z. B. Presseerklärung der Uni Mainz¹, hier) deren Ergebnis sein soll, daß Fleischesser einen Hang zu Dominanz und authoritären politischen Einstellungen haben sowie zu mehr Vorurteilen neigen, als Vegetarier und diese wiederum mehr als Veganer. Eine Darstellung, die einen näheren Blick in die Originalveröffentlichung [1] lohnt, zumal zu erwarten ist, daß diese Studie bei zukünftigen Diskussionen zum Pro und Contra von Vegetarismus/Veganismus noch in Erscheinung treten wird.

Den Anstoß zu der Untersuchung in Deutschland könnte eine ähnliche Untersuchung von 2008 gegeben haben [2], bei der sich „Gemüsevermeider“ („vegetable avoiders“) in einer Selbstbeschreibung öfter rechtslastigem Authoritarismus und gesellschaftlicher Dominanz anhängend, als Vegetarier und diese wiederum häufiger als Veganer erwiesen haben. Allerdings handelt sich dabei um eine reine Literaturstudie/Metastudie. Weiterlesen

Raucherkosten

Es geistert mal wieder eine neue Studie zu den Kosten, die natürlich wie immer bei solchen Angelegenheiten weitaus höher sind, als bei den Vorangegangenen, die Raucher der deutschen Volkswirtschaft beibringen durch die Presse (Ärztezeitung, Tagesspiegel). Dr. Tobias Effertz hat hierzu die Daten von 145.000 Versicherten der Techniker Krankenkasse (TK) für die Jahre 2008-2012 ausgewertet. Weiterlesen

Unsinn mit p-Werten

Der Vortrag von Dr. Michael Frass zu den angeblichen Vorteilen einer begleitenden Therapie mit Homöopathie war hier bereits zweimal Thema (Teil 1, Teil 2). Heute nun geht es um eine Tabelle mit p-Werten aus dem Vergleich der Gruppen mit und ohne begleitende homöopathische Therapie.

Exkurs p-Wert

An der Stelle zunächst ein kurzer Exkurs zur Bedeutung des p-Wertes in der Statistik. Ganz allgemein formuliert ist die Idee hinter dem p-Wert der Versuch, eine Maßzahl zu erhalten, die angibt ob die erhaltenen Ergebnisse auch durch Zufall entstanden sein könnten. Da es sich bei ihm um eine Wahrscheinlichkeit — daher p, probability — handelt kann er nur Werte zwischen 0 und 1 annehmen.

Um zum p-Wert zu gelangen, wird das Gegenteil dessen angenommen, was es nachzuweisen gilt. Diese Annahme wird als Nullhypothese bezeichnet. Bei klinischen Studien zum Wirksamkeitsnachweis einer Behandlungsmethode lautet daher die Nullhypothese, daß es zwischen den Gruppen keinen Unterschied gibt. Zeigt sich entgegen der Nullhypothese ein Unterschied zwischen den Gruppen, wird unter Annhame der Gültigkeit der Nullhyptohese die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der die Untersuchungsergebnisse auch durch Zuffall entstanden sein könnten. Diese Wahrscheinlichkeit wird in der Statistik als p-Wert bezeichnet. Je näher der p-Wert bei Null liegt, desto unwahrscheinlicher ist es, daß die Nullhypothese zutrifft. Bezogen auf die Nullhypothese besagt ein p-Wert von 0,05 (5%), daß bei Durchführung von 20 Experimenten eines durch Zufall zu dem erhaltenen Ergebnis führen könnte. Ein p-Wert von 0,05 (5%) gilt nach allgmeinem Konsens als signifikant, einer von 0,01 (1%) als stark signifikant. Weiterlesen

Lebenszeitverlängerung durch Homöopathie (Teil 2)

Ich habe inzwischen mal die zum Vortrag von Dr. Frass passende Veröffentlichung [1] quergelesen. Ausgangspunkt der retrospektiven Studie bilden die Krankenakten von 538 Tumorpatienten aus den Jahren 2004-2008 des Uniklinikums Wien, als Gruppe 1 bezeichnet. Von diesen wurden die ausgewählt, die in der Zeit neben der konventionellen Krebstherapie mindestens drei homöopathische Behandlungen hatten. Übrig blieben 287 Patienten, die als Gruppe 2 bezeichnet werden. Davon wurden alle Patienten mit fataler Diagnose, aber unter Ausschluss von Kindern und Patienten mit unvollständigen Daten, ausgewählt. Außerdem mussten zu jeder Tumorart mindestens Daten von fünf Patienten vorliegen. Die hiernach verbliebenen 54 Patienten bilden die Gruppe 3.

Welche Bedeutung kommt der Gruppeneinteilung zu? Keine! Es handelt sich dabei auch nicht um eigenständige Gruppen, sondern um voneinander abgeleitete Teilmengen. Es werden zwar ein paar statistische Daten, wie z.B. der Altersdurchschnitt, berechnet, jedoch haben diese keine Ausagekraft, da die Patienten im Verlauf der Studie nicht mehr auftauchen. Untersuchungsgegenstand sind nur die Daten der 54 Patienten aus Gruppe 3, verteilt auf 6 verschiedene maligne Erkrankungen. Wobei für die Auswertung das Lugenkarzinom in zwei Untergruppen, mit 7 und 3 Patienten (man hat keine Scheu Statistik mit drei Meßpunkten zu treiben!) aufgeteilt wird, die in der Präsentation aber wieder zusammengefasst werden. Weiterlesen

Führungskräfte gefährden IT-Sicherheit

Die Firma Easynet hat vor ein paar Tagen unter dem Titel „Don’t blame Generation Y for applications on the network“ die Ergebnisse einer Befragung zur IT-Sicherheit vorgestellt.

The global study of 182 CIO and IT Directors from the UK, France, Belgium, Netherlands, Spain and Italy explored the key priorities for businesses in terms of apps and business processes and attitudes towards the cloud.

Eine Studie mit Teilnehmern aus UK, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Italien als globale Studie zu bezeichnen klingt nach Graf Bobby, der einen Globus von Österreich-Ungarn erwerben wollte.

Viel bemerkenswerter ist aber das Ergebnis der Befragung: Weiterlesen

Alles nicht so schlimm, es ist ja nur eine Vergewaltigung

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN) hat am Donnerstag die Studie „Viktimisierungserfahrungen im Justizvollzug“ zur Häufigkeit von Gewalterfahrungen in deutschen Justizvollzugsanstalten veröffentlicht. In das Studienergebnis flossen die Antworten von 6.384 Strafgefangenen, davon 938 Jugendliche, beiderlei Geschlechts aus den teilnehmenden Justizvollzugsanstalten aus Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen ein. Gefragt wurde nach unterschiedlichen Gewalterfahrungen als Opfer oder Täter in den letzten vier Wochen vor dem Befragungstermin. Insgesamt sind die Ergebnisse erschreckend, aber für Insider wohl nicht vollkommen überraschend. Weiterlesen

Studie: Zuwanderung macht die Deutschen glücklicher

Zuwanderung macht die Deutschen glücklicher ist der Titel eines kürzlich erschienenen Artikels bei der FAZ. Sie bezieht sich hierbei auf eine Studie des IZA (Institut für Zukunft der Arbeit/Institute for the Study of Labor).

Mit verblüffend klarem Ergebnis: Typischerweise waren die Einwohner einer Region umso zufriedener, je mehr Zuwanderer in der Region lebten.
[…]
Der Studie zufolge wird die Zufriedenheit der Deutschen umso größer, je besser die Einwanderer integriert sind – zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Doch nicht nur die Deutschen macht Einwanderung glücklich. Auch die Zuwanderer sind umso zufriedener, je mehr andere Zuwanderer in ihrer Nähe wohnen.

Eine Formulierung wie im ersten Satz als Ergebnis einer Studie läßt immer den Verdacht aufkeimen, daß einer der Kardinalfehler der Statistik gemacht wurde, in dem Korrelation als Kausalität interpretiert wird, Weiterlesen

BMWi veröffentlicht Studie zu Warnhinweisen als Mittel gegen Internetpiraterie

Heute hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) die Ergebnisse der 402 Seiten starken Auftragsstudie „Vergleichende Studie über Modelle zur Versendung von Warnhinweisen durch Internet-Zugangsanbieter an Nutzer bei Urheberrechtsverletzungen“ (Pressemitteilung vom 03.02.2012, Kurzfassung (≈ 100 kB), Langfassung (≈ 10 MB)) vorgestellt. Im Kern geht es darum ob sich das Warnhinweismodell bei unauthorisierten Downloads — in der Studie auch als „vorgerichtliches Mitwirkungsmodell“ bezeichnet — auch für Deutschland zur Bekämpfung der Internetpiraterie eignen würde. Die Mitwirkung bezieht sich auf den Zugangsprovider, da nur dieser die IP-Adresse einem konkreten Anschlussinhaber mit Namen und Adresse zuordnen kann. Weiterlesen