Anita Sarkeesian: Wie echt sind die Morddrohungen auf Twitter?

Tweetliste mit Drohungen.

Tweetliste mit Drohungen (Bildschirmfoto).

Die Spiegel-Onlineautorin Katrin Gottschalk, ihres Zeichens Feministin und Chefredakteurin vom „Missy Magazine“ verbreitet in einem Artikel vollkommen unreflektiert die Behauptung, daß die feministische Videospiel-Kritikerin Anita Sarkeesian (feminist frequency) auf Grund ihrer Kritik an dem weiblichen Rollenbild in Videospielen Morddrohungen erhielte.

Dann erreichten die Drohungen einen neuen, erschreckenden Höhepunkt. Vergangenen Mittwoch veröffentlichte Sarkeesian einen Auszug aus den Nachrichten, die sie in den vergangenen Tagen bekommen hatte: „Ich werde in deine Wohnung kommen und dich zu Tode vergewaltigen.“ Sie hat die Behörden informiert und ihr Haus verlassen. Jetzt sei sie „in Sicherheit“. Die Drohungen und Belästigungen dauerten aber an, sagt sie, und sie beträfen nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Familie. Sarkeesian spricht von „Terrorismus“.

Mit dieser Aussage bezieht sie sich auf diesen Tweet von Anita Sarkeesian, dem ein Bildschirmfoto des Twitteres Kevin Dobson (@kdobbsz), dessen Konto inzwischen von Twitter stillgelegt wurde, als Beweis für die Drohungen anhängt ist:

Bei näherer Betrachtung kommen allerdings erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geschichte auf.

Auch wenn die Orginaltweets auf Grund der Sperrung des Kontos @kdobbsz nicht mehr erreichbar sind und daher das echte Tweetdatum nicht verfügbar ist, lässt die zeitliche Abfolge dennoch Rückschlüsse zu.

Technische Aspekte

  1. Von @kdobbsz wurden insgesamt nur 10 Tweets verfasst. Alle zehn Tweets sind auf dem Bildschirmfoto ersichtlich und richten sich alle an @femfreq. Das legt die Vermutung nahe, daß das Twitterkonto @kdobbsz eigens für diesen Zweck angelegt wurde.
  2. Alle zehn Tweets wurden innerhalb von nur drei (!) Minuten abgesetzt. Da die Tweets aufeinander abgestimmt erscheinen, in den Rahmen der maximalen 140 Zeichen bei Twitter passen und sprachlich richtig sind, lässt darauf schließen, daß die Tweets vorgeplant und von einem vorher angefertigten Skript jeweils kopiert und getweetet worden sind. Dies würde die recht hohe Folgegeschwindigkeit der Tweets plausibel erklären.
  3. Der jüngste Tweet hat die Zeitmarke 12s, d.h. er wurde nur 12s vor Aufruf der Timeline von @kdobbsz abgesetzt. Es wäre ein ziemlicher Zuffall, wenn Fr. Sarkeesian just zu diesem Moment die Seite angesteuert haben sollte. Man beachte hierbei auch die anderen Elemente auf der Seite:
    • Leeres Suchfeld
    • Niemand ist bei Twitter eingeloggt

    Fr. Sarkeesian war also nicht bei Twitter eingeloggt und hat die Timeline von @kdobbsz direkt durch Eingabe der URL angesteuert. Das wirft Fragen auf:

    • Wenn Sie nicht bei Twitter eingeloggt war, woher hatte sie die Information zur URL? Immerhin lag der älteste Tweet gerade einmal nur drei Minuten, der Jüngste 12s zurück.
    • Wenn Sie bei Twitter eingeloggt war und die Tweets auf ihrer Timeline gesehen hat, warum hat sie sich dann ausgeloggt bevor sie die Seite besuchte? Sie muss das Bildschirmfoto sofort beim ersten Besuch, praktisch noch vor dem Lesen der Tweets angefertigt haben, denn sie hatte dafür nur maximal 12 Sekunden Zeit!

    Es erscheint viel wahrscheinlicher, daß derjenige, der die Tweets abgesetzt hat, sich nach dem zehnten Tweet ausgeloggt und dann das Bildschirmfoto aufgenommen hat. Das ist innerhalb von 12s problemlos möglich. Sind also womöglich Kevin Dobbson alias @kdobbsz und Anita Sarkeesian alias @femfreq identisch? Möglich wäre auch eine Absprache mit einer Freundin.

Sprachliche Aspekte

  1. Außer dem frei wählbaren Twitterpseudonym „Kevin Dobson“ gibt es keinen belastbaren Anhaltspunkt, daß der Twitterer männlichen Geschlechts ist, wie impliziert wird.
  2. Die Tweets sind, mit einer Ausnahme, leicht verständlich, klar formuliert, praktisch fehlerfrei, mit korrekter Groß- und Kleinschreibung und ohne überflüssige Satzzeichen. Das ist eine absolute Seltenheit unter Trollkommentaren jeder Art.
  3. Die Tweets weisen praktisch alle sexuelle Anspielungen auf, aber eigenartigerweise wird Fr. Sarkeesian nicht beschimpft, sondern mit you oder Anita angeredet. Das ist bemerkenswert, erwarten würde man Nettigkeiten wie Schlampe, miese Fotze etc. (bitch, cunt, slut). Nichts dergleichen. Auch das entsprticht so gar nicht dem Umgangston wenn er rauher wird.
  4. Der drittjüngste Tweet ist merkwürdig:

    If only we could be together. I’d give anything to drink in your laugh and your smiles.

    Ehrlich gesagt werde ich aus dem Tweet nicht so recht schlau. Ist das ein Kompliment oder ein Angriff? Handelt es sich dabei um ein literarisches Sprachkonstrukt aus einm Buch? Für einen Angriff hört sich das zu romantisch an.

  5. Auffällig ist, daß der Twitterer einen Hang zum Trinken von Blut hat. Ein Vampir? Zuerst der geradezu zärtliche Biss in den Nacken, dann das Bluttrinken aus der verletzen Vulva. Ich kann mir nicht helfen, aber das hört sich nicht unbedingt nach Männerfantasien an. Spontan hat mich das an eine Szene aus einem Buch „Angst vorm Fliegen“ erinnert, geschrieben von einer Frau! Erica Jong schildert darin wie der Liebhaber ihrer Protagonistin deren blutigen Tampon durchkaut. Im Allgemeinen stehen Männer Allem was die Kombination Scheide-Blut betrifft sehr distanziert gegenüber. Das ist eher eine Frauenfantasie zur Erniedrigung von Männern. Warum auch sollte es eine Frau erniedrigen, wenn ein Mann ihre blutige Vulva ausleckt?

Hat es für Fr. Sarkeesian irgendwelche Vorteile als Opfer von (Mord-) Drohungen dazustehen? Ja, es erhält ihren Opferstatus — also genau den Status, den sie in Videospielen bemängelt: damsel in distress („Jungfrau in Nöten“) —, den Feministinnen benötigen um ihr Feindbild vom weißen, heterosexuellen Mann als der Verkörperung des ultimativen Bösen aufrecht erhalten zu können, es sichert ihr den Zuspruch anderer Feministinnen und steigert ihren Bekanntheistgrad, der letztendlich auch kräftig Geld in die Kassen ihres Crowdfunding-Projekts (Beim Klickstarterprojekt „Tropes vs. Women in Video Games“ immerhin mehr als 150.000 USD) spült. Auch wäre es nicht das erste Mal, das in feministischen Kreisen massiv manipuliert wird. Alles in Allem erinnert die Geschichte sehr stark an die ebenfalls von Feministinnen aufgebauschte und manipulierte Twitter-Kampagne #Aufschrei.

Für das Archiv:

5 Kommentare

  1. Robert sagt:

    Hallo,
    ein sehr treffender Kommentar.
    Nachdem ich online einen Bericht zu dem Vorfall gelesen habe, wurde ich genauso skeptisch und habe dann gleich diesen Beitrag bei Google ganz oben gefunden.
    Offensichtlich wurde genau das erreicht, was man erreichen wollte, extrem hohe Reichweite in diversen online Publikationen und damit Aufmerksamkeit für das Projekt.
    Praktisch Guerilla Marketing fürs Crowd Funding. Passt wie die Faust aufs Auge.

  2. Joe sagt:

    „Außer dem frei wählbaren Twitterpseudonym „Kevin Dobson“ gibt es keinen belastbaren Anhaltspunkt, daß der Twitterer männlichen Geschlechts ist, wie impliziert wird.“

    Den Sprachstil kann man schon recht eindeutig einer Frau zuordnen, denn ein Mann schreibt nicht so (gibt ja inzwischen Analyseprogramme dafür). Wer wohl könnte diese Frau sein?

  3. Peter sagt:

    Danke!

    Das Gute an den Anhängern einer jeden Form eines -ismus, hier die des Feminismus, ist doch, dass man nur warten muß, bis die über ihre eigene Unfähigkeit stolpern.

    IMHO ist Feminismus für die Mehrheit der Aktivistinnen nur eine Möglichkeit, von ihren Schwächen abzulenken und anderen, aber vor allem sich zu signalisieren: ich bin nicht Schuld – es ist die Gesellschaft!

    Häufig ist es dann genau andersum.

  4. Bis es soweit ist richten sie aber enormen Schaden an. Beispiel Gender: Im Laufe der letzten Jahre wurden haufenweise Genderstellen geschaffen, darunter auch viele Professorenstellen und mit vollkommen unfähigen Leuten, die keinen blassen Schimmer haben, was Wissenschaft ist, besetzt. Die sind jetzt auf Lebenszeit beamtet. Diese Leute blockieren auf Jahrzehnte Stellen, fördern ihre eigene Ideologie als Multiplikatoren und dabei werden Millionen verpulvert, die in der Wissenschaft dringend benötigt werden.

    Bei etlichen Genderisten habe ich den Eindruck gewonnen, die sind Borderline, zumindest ist ein normaler sozialer Umgang mit ihnen schlicht nicht möglich.

  5. […] hatte ich im Rahmen meiner Zweifel an der Echtheit der Morddrohungen per Twitter gegen Anita Sarkeesian u.a. auf die hohe Unwahrscheinlichkeit hingewiesen, daß Männer […]

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