Öffentlich-rechtlicher Haltungsjournalismus

Das weihnachtliche „Omagate“ lässt den WDR und seine Mitarbeiter nicht zur Ruhe kommen. Zuerst wurde ein von einem Kinderchor gesungenes und umgedichtetes Lied veröffentlicht, vom einem freien Mitarbeiter wurde dann aus „meine Oma ist ’ne Umweltsau“ eine Nazisau. Anschließend nach massiven Beschwerden vom Sender „depubliziert“ (Originalvideo zum Runterladen, mp4, 40 MB), nachträglich als Satire gekennzeichnet, gefolgt von einer etwas verunglückten Entschuldigung durch den Intendanten des WDR, Tom Buhrow. Es half alles nichts, die Demonstrationen gehen weiter und auch Inneren des WDR scheint man höchst unzufrieden über das Vorgehen in der Situation zu sein, wie ein lesenswerter Bericht über eine interne Mitarbeiterversammlung zeigt.

Zunächst wird deutlich, daß man beim WDR bzw. generell beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) nicht Willens oder nicht in der Lage ist das Kernproblem zu erfassen, denn es geht nicht wirklich um das Omalied, sondern um eine weitreichende Unzufriedenheit großer Teile der Bevölkerung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Grund höchst einseitiger und belehrender, statt neutraler Berichterstattung in Verbindung mit der unentkommbaren (wirklich?) gesetzlichen Verpflichtung Rundfunkbeiträge, vulgo treffenderweise Zwangsbeiträge genannt, zahlen zu müssen. Es handelt sich dabei um einen schon Jahre andauernden, von öffentlicher Seite ignorierten und heruntergespielten Schwelbrand. Jetzt wird sich allenfalls zeigen, ob das Omalied nur der Funke war, der einen Strohbrand entfachte oder doch das ganze Haus lichterloh in Brand gesetzt hat. Sollte es ein Strohfeuer gewesen sein, bleibt der Schwelbrand bestehen und kann jeden Augenblick wieder zünden. Immerhin ist eine Beitragserhöhung geplant, was gleichsam als Brandbeschleuniger wirkt.

Auf der Versammlung war auch Georg Restle anwesend und hat ungewollt die Ursache des Schwelbrands benannt.

Georg Restle zum Beispiel, Leiter der WDR-Redaktion Monitor, sagt in einer Wortmeldung: „Ich frage mich, wo die Programmverantwortlichen im vergangenen Jahr eigentlich gelebt haben.“ Es habe mehrere forcierte Kampagnen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegeben. Das sogenannte Omagate sei auch nicht die erste Kampagne, die den WDR treffe. „Warum lernt man nicht daraus?“, fragt Restle.

In seiner Redaktion habe man zweierlei verstanden: „Erstens: niemals den Eindruck zu erwecken, dass man diesen rechten Kampagnen und diesen Shitstorms recht gibt oder vor ihnen einknickt.“ Regel Nummer zwei sei, zu differenzieren. „Es stimmt, es gibt eine Empörung, die irgendwo aus der Mitte der Gesellschaft kommt, die von den Boulevardmedien angeheizt wird, und die dann von Rechten gezielt genutzt wird, um diese Kampagne gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu führen.“

Restle sagt dann weiter, er wünsche sich eine WDR-Führung, die deutlich mache, „dass sie die redaktionellen Entscheidungen in diesem Hause in der Regel stützt“ und „die innere Pressefreiheit in diesem Hause“. Eine, die zeige, „dass sie sich weder von Kampagnen von Rechten noch von Aussagen von Ministerpräsidenten oder anderen Politikern beeindrucken lässt“. Und die auch demonstriere, dass sie im Zweifelsfall „uneingeschränkt hinter den Mitarbeitern (steht), ob es feste oder freie sind“. Er habe sich ein klares Bekenntnis gewünscht, doch die öffentlichen Stellungnahmen hätten, „tut mir leid, dass ich das so klar sagen muss, einiges zu wünschen übrig gelassen“.

Er sieht und hört und ist doch blind und taub. Seine erste Frage ist schnell beantwortet: Weil man nicht hinhören will. Er selbst hätte ja was ändern können, aber seine ideologische Echokammer isoliert ihn. Er selbst bestätigt das sogleich mit seiner ersten Regel: „Niemals den Eindruck zu erwecken, dass man diesen rechten Kampagnen und diesen Shitstorms recht gibt oder vor ihnen einknickt.“. Da jedwede Kritik und abweichende Meinung umgehend als Rechts angesehen wird, dürfen allein aus ideologischen Gründen Kritiker einfach nicht Recht haben. Es ist die übliche Strategie, daß nicht das was gesagt wird zählt, sondern von wem es kommt, Haltungsjournalismus eben. Gleichzeitig regt man sich über die zweifellos zunehmende Schärfe des Umgangstons auf. Wenn auf ruhig und sachlich vorgetragene Kritik einfach nicht eingegangen wird und nur dann überhaupt eine Reaktion erfolgt, wenn es ruppig wird, muss man sich nicht darüber wundern, daß es sich immer weiter aufschaukelt, insbesondere da die Bürger zur Zahlung verpflichtet sind. Verstehen linke Journalisten aber nicht. Sie wähnen sich im Besitz der wirklich wahren Wahrheit, Neutralität ist ihnen ein Gräuel und sie sehen sich als elitäre Wissenende, die es als ihre ureigenste Aufgabe sehen den Bürgern das richtige Funktionieren der Welt beizubringen. Man will nicht einfach nur Bericht erstatten, sondern aktiv die Politik in die „richtige“ Richtung lenken. Partrick Gensing, altgedienter Antifa-Aktivist und inzwischen Leiter des Portals „Faktenfinder“ von Tagesschau.DE hat diese Form von Haltungsjournalismus in einem Interview auf den Punkt gebracht:

Kann und darf ein Journalist denn Stellung beziehen?

Ich bin ein großer Freund von Journalismus mit Haltung, weil ich mich daran viel besser abarbeiten kann. Ich glaube, dass man die Leute eher gewinnen kann, wenn im Journalismus eine Haltung vertreten wird, als wenn da irgendwie einfach nur Fakten angehäuft werden. Das ist in meinen Augen auch überhaupt nicht Journalismus. Einfach nur Fakten zu liefern und sagen, wir können das nicht beurteilen und wissen das nicht. Das zu beurteilen ist doch genau unser Job.

Das kann man machen, aber damit ist man von vornherein für den ÖRR und jedes seriöse Medium disqualifiziert.

Der nächste Punkt ist die Forderung, daß der Sender uneingeschränkt hinter seinen Mitarbeitern stehen solle. Abgesehen davon, daß man sich vor jemanden stellt um ihn zu schützen, hinter jemandem stellt man sich um ihn besser in den Rücken fallen zu können oder um sich zu verstecken, kommt diese Forderung nach Ausstellung der modernen Form eines Kaperbriefs gleich, egal was getan oder gesagt wird, der Arbeitgeber trägt es mit, nur man selber soll keine Verantwortung für eigene Taten übernehmen müssen. Es gibt für alles Grenzen und auch ein Arbeitgeber, selbst ein Presseorgan, kann und soll dies nicht gewährleisten.

Insofern hat Georg Restle auch seine Frage


vollumfänglich selbst beantwortet.

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