Archiv für Wissenschaft

Nutzung sozialer Netzwerke in der Wissenschaft

Der Leibniz-Bibliotheksverbund Forschungsinformation (Goportis) hat die Ergebnisse einer bundesweiten Online-Umfrage zur Nutzung von Social-Media-Diensten in der Wissenschaft veröffentlicht (Pressemitteilung). Die 22.832 per e-Mail angeschriebenen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer (wenn das mal nicht diskriminierend ist, so rein zweigeschlechtlich) lieferten 1.354 gültige Datensätze (5,39 %), davon 70 % männlichen und 29 % weiblichen Geschlechts (Das muss den Genderisten doch einen #Aufschrei wert sein, da wurden die Frauen und anderen Geschlechter bestimmt massiv vom Beantworten des Fragebogens abgehalten). Die Angeschriebenen gehörten zu den Fachbereichen der Naturwissenschaften (Chemie, Physik, Pharmazie), der Agrar-, Forst-, Ernährungswissenschaften, der medizinischen Bereiche (Human-, Veterinär- und Biomedizin, Umweltschutz), sowie zu den Fächern aus dem Bereich Wirtschaft (Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften). Kürzer formuliert, es waren keine Geistes„wissenschaften“ vertreten. Weiterlesen

Genderkongress in Berlin

Ein Kongressbericht zum Internationalen Kongress Gendermedizin – Junior trifft Senior vom 22.-23. Sept. 2015 des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) von der Charité unter Leitung von Fr. Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek in Berlin (Nicht zu verwechseln mit dem im November in Nürnberg stattfindenden Genderkongress).

Wirklich brandneue Forschungsergebnisse wurden nicht präsentiert, die Ergebnisse waren teilweise schon vor Jahren publiziert worden — in den Vorträgen wurde auf Veröffentlichungen zurück bis mind. 2006 verwiesen — und sollten den jeweiligen Arbeistrgruppen bekannt sein. Dennoch waren die Präsentationen unter einem anderen Gesichtspunkt interessant, da erst in ihrer Konzentration deutlich wird, daß biologisch-medizinische Forschung kontinuierlich gleichartige Ergebnisse auf unterschiedlichen Gebieten liefert. Weiterlesen

Vorurteilsbehaftete Fleischesser und empathische Veganer

Seit einiger Zeit geistert eine Studie durch’s Internet (z. B. Presseerklärung der Uni Mainz¹, hier) deren Ergebnis sein soll, daß Fleischesser einen Hang zu Dominanz und authoritären politischen Einstellungen haben sowie zu mehr Vorurteilen neigen, als Vegetarier und diese wiederum mehr als Veganer. Eine Darstellung, die einen näheren Blick in die Originalveröffentlichung [1] lohnt, zumal zu erwarten ist, daß diese Studie bei zukünftigen Diskussionen zum Pro und Contra von Vegetarismus/Veganismus noch in Erscheinung treten wird.

Den Anstoß zu der Untersuchung in Deutschland könnte eine ähnliche Untersuchung von 2008 gegeben haben [2], bei der sich „Gemüsevermeider“ („vegetable avoiders“) in einer Selbstbeschreibung öfter rechtslastigem Authoritarismus und gesellschaftlicher Dominanz anhängend, als Vegetarier und diese wiederum häufiger als Veganer erwiesen haben. Allerdings handelt sich dabei um eine reine Literaturstudie/Metastudie. Weiterlesen

Globuli bei warmen Lichte betrachtet

Homöopathika werden in verschiedenen, oftmals absurd hohen (1:1060, 1:10100, ja selbst 1:101.000), Verdünnungen hergestellt und verkauft. Rein rechnerisch kann bei derart hohen Verdünnungen kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr in den Globuli vorhanden sein. Wenn denn aber unterschiedliche Globuli eine jeweils spezifische Wirkung entfalten sollen, müssten sie sich unterscheiden, doch worin liegen die Unterschiede? Weiterlesen

Raucherkosten

Es geistert mal wieder eine neue Studie zu den Kosten, die natürlich wie immer bei solchen Angelegenheiten weitaus höher sind, als bei den Vorangegangenen, die Raucher der deutschen Volkswirtschaft beibringen durch die Presse (Ärztezeitung, Tagesspiegel). Dr. Tobias Effertz hat hierzu die Daten von 145.000 Versicherten der Techniker Krankenkasse (TK) für die Jahre 2008-2012 ausgewertet. Weiterlesen

Mit Homöopathie gegen Senfgas

In den Kriegsjahren 1941-1942 gab es in Großbritannien eine Zusammenarbeit zwischen dem Heimatschutzministerium und der British Homoeopathic Society zur Klärung der Frage, ob Homöopathie gegen Senfgas, ein äußerst toxisches und karzinogenes Hautgift, tödlich bei Inhalation durch Zerstörung der Bronchien, welches zuerst im 1. Weltkrieg als chemischer Kampfstoff eingesetzt worden ist, wirksam ist. Ausgehend von den Erfahrungen des 1. Weltkrieges bekamen Forschungen zu Prophylaxe und Behandlung von Senfgasvergiftungen oberste Priorität. Im Rahmen dieser Untersuchungen fragte das Heimatschutzministerium beim Rat der britishen homöopathischen Gesellschaft an, ob sie wissenschaftliche Erkenntnisse zu Homöopathika habe, die als Gegenmittel bei Senfgasintoxikationen eingesetzt werden könnten. Der Rat verneinte dies, teilte aber mit, daß Therapeuten bereit wären entsprechende Homöopathika herzustellen. Gleichzeitig unterbreitete man dem Ministerium einen Vorschlag für ein entsprechendes Forschungsprogramm, sofern dieses vom Ministerium gefördert werden würde. Allerdings hat der Rat diese Entscheidung nicht einstimmig getragen. Der Präsident, John Paterson, war der Meinung Homöopathie würde entsprechende Tests erfolgreich bestehen, wohingegen andere Mitglieder der Meinung waren, negative Ergebnisse könnten die Stellung der Homöopathie im nationalen Gesundheitswesen (National Health Services, NHS) gefährden. Weiterlesen

Hilft Deutschland?

Ein Artikel in der FAZ stellt diese Frage.

Exzellenz als bewegliches Ziel: Brasiliens Universitäten suchen Anschluss an die internationale Spitze. Austauschprogramme florieren. Doch es wächst allein die Masse. Hilft Deutschland?

Ach du meine Güte, wer kommt denn auf so eine Idee? Seit Jahren sorgen wir für intellektuellen Abbau — und das obwohl wir den Exodus während und nach dem Zweiten Weltkrieg niemals mehr haben ausgleichen können — und investieren nicht nur nichts mehr in die Universitäten, sondern betreiben massiven Raubbau am Bestand, die vorhandene Substanz, wörtlich wie im übertragenen Sinne, wird auf Verschleiß gefahren. Die Umstellung auf Bachelor und Master ist ursächlich daran beteiligt. Eine breite, fundierte Ausbildung ist einfach nicht gewollt, die Akademikerquote soll auf Biegen und Brechen erhöht werden. Es geht nur noch darum möglichst schnell viele halbgebildete Arbeitstkräfte in den Markt zu drücken. Daß mit Abschlüssen in Laberfächern wie Germanistik und Soziologie keine Industrienation eine Spitzenforschung durchführen kann und technologischer Fortschritt zu erzielen ist, wird dabei vollkommen außer acht gelassen. Weiterlesen

ebolafrei

Spiegel-Online titelte heute „New Yorker wieder gesund: Die USA sind Ebola-frei“. Doch was genau bedeutet eigentlich ebolafrei in diesem Zusammenhang? In den ersten Zeilen des Artikels wird klargestellt, daß der mit dem Ebolavirus infizierte New Yorker Arzt Craig Spencer am Dienstagmorgen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Obwohl er der letzte bekannte Ebolapatient in den USA war, kann man die USA dennoch nach bisherigher Definition nicht als ebolafrei bezeichnen. Immerhin könnten sich bei ihm noch Personen infiziert haben, bei denen die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. Genau um diesem Umstand Rechnung zu tragen, hat man sich in der WHO darauf geeinigt, eine Region erst dann als ebolafrei zu bezeichnen, wenn seit mindestens 42 Tagen, also dem doppelten der Inkubationszeit des Virus, keine neuen Fälle mehr aufgetreten sind. Daher ist die Überschrift von Spiegel-Online zwar prägnant, aber falsch. Die Washington Post hatte die paar Bytes für einen korrekten Titel übrig: „New York doctor cleared of Ebola, which means there are no known Ebola cases in the U.S.“. Es geht also, wenn man will und wenn man weiß wovon man schreibt. Das Problem an der laxen Ausdrucksweise ist immer, daß sich einmal verbreitete Fehlinformationen nachträglich praktisch nicht mehr richtig stellen lassen und es zu einer immer weiter zunehmenden sprachlichen Divergenz kommt.

Quarantäne

Ich schrieb kürzlich ohne nähere Ausführung, daß ich die Begründung zur Zurückweisung der behördlichen Quaratäneauflagen durch die amerikanische Krankenschwester Kaci Hickox problematisch finde. Die Gründe dafür will ich hier jetzt etwas ausführlicher erläutern.

Die amerikanische Krankenschwester kam von einem Ebolaeinsatz als Freiwillige aus dem betroffenen Liberia Sierra Leone zurück. Bei ihrer Rückkehr in die USA wurde sie von den Behörden der USA unter Quarantäne gestellt, um ein mögliches Einschleppen des Virus in die USA zu verhindern. Fr. Hickox hat sich den Maßnahmen von Anfang an erfolgreich widersetzt und die behördlichen Auflagen auch gebrochen. Nach den angelsächsischen Medienberichten zu dem Fall, erfolgte dies mit den folgenden Begründungen: Weiterlesen

Berlin im November

Feuchtkalte, dunkle Tage mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, wolkenverhangener Himmel, Seen und Wälder nebelverhangen, das Wasser aufgepeitscht durch Herbststürme, die die letzten Blätter von den Bäumen fegen. Das ist Berlin im November, immer, also fast immer …

Berlin-Schlachtensee am 1. November 2014, 19°C.

Berlin-Schlachtensee am 1. November 2014, 19°C.